Haus der Wannsee-Konferenz


 

 


Dauerausstellung:

 

"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"


 

 

 

 

Einführung in die Ausstellung

 

Raum 2

Rassismus und
Judenfeindschaft

 

Raum 3

Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

Raum 4

Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
 

Raum 5

Völkermord in Ost- und Südosteuropa

 

Raum 6

Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung

 

Raum 7

Der Weg zum Massenmord an den
Juden Europas

 

Raum 8

An der Konferenz beteiligte Behörden

 

Raum 9

Die Wannsee-Konferenz

 

Raum 10

Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945

 

Raum 11

Deportationen

 

Raum 12

Die Ghettos

 

Raum 13

Konzentrations- und Todeslager

 

Raum 14

Zwangsarbeit und Tod im KZ

 

Raum 15

Die Gegenwart der Vergangenheit

 

Villa und SD in Wannsee

 

 

 

 

Raum 10  -  Konferenzteilnehmer und Protokoll nach 1945

 

 

 

Im Wintergarten bietet die Ausstellung audio-visuelle Arbeitsstationen und Lesemappen zur Wirkungsgeschichte der Wannsee-Konferenz nach 1945. Dazu gehören Auszüge aus Verhör und Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem, Material zu den anderen Teilnehmern der Konferenz, Informationen zur Überlieferungsgeschichte des Protokolls, die vollständige Kopie der Akte „Endlösung der Judenfrage“ aus dem Auswärtigen Amt, die u. a. Korrespondenz mit dem RSHA über den „Madagaskar-Plan“ sowie das Protokollexemplar für Martin Luther enthält, Informationen über die Darstellungen der Wannsee-Konferenz in Doku-Dramen und über die Methodik der Fälschungsvorwürfe von Holocaust-Leugnern gegen das Wannsee-Protokoll. Diese Informationen werden laufend aktualisiert und können wegen ihres Umfangs leider nicht in den Katalog aufgenommen werden.

 

 

Akte Auswärtiges Amt zur "Endlösung der Judenfrage"

Titel der Akte "Endlösung der Judenfrage" aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes.


Auf der linken Seite ist der ursprüngliche Aktentitel des Heftes mit halbem Deckblatt sichtbar.

 

 

 

 

Ich kann mich entsinnen, dass irgendwie der eine oder andere der Anwesenden dos Wort ergriff und wie das stets so geht. Ich hab zum ersten Mal im Leben auf einer solchen Konferenz, an der derart hohe Funktionäre wie Staatssekretäre teilnahmen, teilgenommen. Das geht eben sehr ruhig, sehr freundlich, sehr höflich und sehr artig und nett zu, und es werden nicht viele Worte gemacht. Es dauert auch nicht lange. Es wird dann ein Cognac gereicht durch die Ordonanzen und dann ist die Sache eben vorbei. So ungefähr spielte sich die Wannsee-Konferenz ab. "Wannsee-Konferenz" wurde sie genannt, weil sie im Gästehaus des Reichssicherheitshauptamtes, das sich am Wannsee bei Berlin befindet, stattfand.

 

Adolf Eichmann am 1. Juni 1960, Auszug aus dem Polizeiverhör durch Hauptmann Avner Less

 

 

 

Frage (Gerichtsprasident Landau): Jetzt Wannsee, Wannsee-Konferenz - Haben Sie rneinem Kollegen, dem Richter Raveh geantwortet, dass in dem Teil, der nicht im Protokoll erwähnt ist, über Tötungsmethoden gesprochen wurde?

Antwort (Adolf Eichmann): Jawohl.

F: Wer hat über dieses Thema gesprochen?

A: Im Einzelnen ist mir diese Sache heute nicht mehr gegenwärtig, Herr Präsident, aber ich weiss, dass die Herren beisammen gestanden, beisammen gesessen sind, und haben hier eben in sehr unverblümten Worten - nicht in den Worten, wie ich sie dann ins Protokoll geben musste, sondern in sehr unverblümten Worten - die Sache genannt, ohne sie zu umschreiben. Ich könnte mich dessen auch ganz bestimmt nicht mehr erinnern, wenn ich nicht wüsste, dass ich mir damals gesagt hätte, schau schau, der Stuckart, den man immer als einen sehr genauen und sehr heiklen Gesetzesonkel betrachtete, und da hier waren der Ton und die ganzen Formulierungen sehr unparagraphenmässig gewesen. Das einzige, möchte ich sagen, das mir noch effektiv dieserhalb im Gedächtnis haften geblieben ist.

F: Was hat er über dieses Thema gesagt?

A: Im Einzelnen, Herr Präsident möchte ich nicht...

F: Nicht im Einzelnen, im Allgemeinen.

F: Und Sie wurden anscheinend instruiert, dieses nicht in das offizielle Protokoll aufzunehmen?

A: Ja, so was das. Der Stenotypist sass neben mir und ich achtete darauf, dass alles aufgenommen wurde. Nachdem der Stenotypist das abgetippt hatte, dann entschied Heydrich, was in das Protokoll aufgenommen werden sollte und was nicht. Und dann überarbeitete Heydrich es mehrmals, bis das Protokoll fertig war.

F: Und was über dieses wichtige Thema gesprochen wurde, daran erinnern Sie sich überhaupt nicht?

A: Herr Präsident das ist nicht das Wichtigste. Was das Wichtigste im Protokoll war...

F: Entschuldigung, aber ich sagte nicht der wichtigste Punkt, sondern ich sagte "ein wichtiger Punk" - so wichtig, dass er ausgelassen wurde.

A: Nein, im Gegenteil Herr Präsident, Heydrich wollte sicher gehen, dass die Hauptpunkte in das Protokoll eingearbeitet wurden. Also war es tatsächlich genau anders herum: die zentralen Punkte sind im Protokoll, nicht die zentralen wurden von ihm ausgelassen, weil er gewissermassen - wie soll ich es sagen - weil er sich eine Art von Rückversicherung schuf, indem er die Staatssekretäre einzeln festnagelte.

F: Dass soll also heissen, dass die Tötungsarten ein unwichtiges Thema waren?         /

A: Ah, die Tötungsarten!

F: Darüber sprechen wir.

A: Das hat er nicht ins Protokoll genommen. Nein.

 

Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Verhandlungstag 24. Juli 1961. Auszug aus den
Aufzeichnungen der Gerichtsverhandlung

 

 


(Abb. Katalog
Seite 120)
 

Eröffnung des Wilhelmstraßen-Prozesses in Nürnberg, 20. Dezember 1947.

Hans Heinrich Lammers (stehend am Mikrofon) erklärt sich für "nicht schuldig", rechts daneben Wilhelm Stuckart.

 

 

Prozess gegen Adolf Eichmann, Jerualem 1961

Eröffnung des Prozesses gegen Adolf Eichmann (im schusssicheren Glaskasten) in Jerusalem, 10. April 1961
(Privatarchiv G. Bach)

 

 

Text: Dr. Norbert Kampe

zum Anfang der Seite


  Startseite   nächstes Kapitel   homepage