Haus der Wannsee-Konferenz
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Dauerausstellung:
"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Raum 2
Rassismus und
Raum 3 Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939 Raum 5 Völkermord in Ost- und Südosteuropa
Raum 6 Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Raum 8 An der Konferenz beteiligte Behörden
Raum 9
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
Raum 11
Raum 12
Raum 13 Konzentrations- und Todeslager
Raum 14
Raum 15 Die Gegenwart der Vergangenheit
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Raum 13 - Konzentrations- und Todeslager, Teil 2
13.3. Belzec
Belzec liegt nahe der Eisenbahnlinie Lublin – Lemberg. Es wurde als erstes Lager der „Aktion Reinhardt“ errichtet. Seit dem 17. März 1942 transportierte die Reichsbahn in Güterzügen täglich tausende Juden aus Ghettos der umliegenden Distrikte nach Belzec; neben der großen Anzahl polnischer Juden später auch deutsche, österreichische, tschechische und slowakische Juden. Belzec galt als Experimentierfeld für das industriell organisierte Mordprogramm. Im Sommer 1942 ließ die SS die ursprünglich aus Holzbaracken bestehenden Gaskammern abreißen und durch Steinbauten ersetzen.
Jüdische Häftlinge wurden ab November 1942 gezwungen, die Massengräber zu öffnen und die Leichen auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Alle noch lebenden „Arbeitsjuden“ ließ die SS in Sobibor erschießen. Im März 1943 wurde das Gelände des Todeslagers umgepflügt, bepflanzt und durch die Errichtung eines Bauernhofes getarnt. Die Gesamtzahl der Opfer des Todeslagers Belzec liegt bei mehr als 430.000.
Auszug
aus einer Meldung von Jäcklein, Zugwachtmeister der Schutzpolizei vom 14.
September 1942 in Lemberg, betrifft: Umsiedlerzug von Kolomea nach Belzec
13.4. Sobibor
Sobibor war in einer dicht bewaldeten und dünn besiedelten Gegend im Osten des Generalgouvernements gelegen. Von Mai bis Juli 1942 wurden ungefähr 100.000 Juden aus der umliegenden Region Lublin und aus dem Deutschen Reich nach Sobibor gebracht; von Oktober 1942 bis Juni 1943 weitere Juden aus Polen und den Niederlanden, aber auch aus Frankreich, der Slowakei, Theresienstadt sowie aus Litauen und Weißrussland.
Die drei Gaskammern wurden im Sommer 1942 ausgebaut. Am 14. Oktober 1943 entwaffneten Häftlinge ihre SS-Bewacher, töteten zwölf von ihnen und durchbrachen die Lagerumzäunung. Über 300 Menschen versuchten zu fliehen, nur 47 Überlebende sind heute namentlich bekannt. Das Lager wurde nach dem Aufstand von der SS aufgelöst, alle Spuren wurden verwischt. Annähernd 250.000 Juden wurden in Sobibor ermordet.
13.5. Treblinka
Treblinka lag an der Eisenbahnlinie Warschau – Bialystok. Von Juli bis Oktober 1942 wurden dort mehr als 310.000 Juden, vor allem aus dem Warschauer Ghetto, ermordet. Darüber hinaus kamen 450.000 polnische Juden aus den Gebieten um Radom und Bialystok, Juden aus Griechenland, der Slowakei, aus Theresienstadt sowie ungefähr 2.000 Sinti und Roma nach Treblinka. Die Gaskammern wurden im Herbst 1942 weiter ausgebaut. Seit März 1943 mussten Häftlinge auf Befehl der SS die Massengräber öffnen und die Leichen verbrennen.
Einigen Häftlingen gelang es am 2. August 1943, Waffen zu erbeuten und zu fliehen. Von 300 am Aufstand Beteiligten überlebten etwa 70. Die zurückgebliebenen Gefangenen wurden von der SS getötet. Die SS ließ danach das Lager abreißen und zur Tarnung ein Bauernhaus errichten. Mehr als 900.000 Menschen wurden in den 14 Monaten, in denen das Todeslager Treblinka bestand, ermordet. Andere Häftlinge beschreiben die hier genannte Hinrichtungsstätte als Gang oder Schlauch zu den Gaskammern. Diese werden hier mit dem Tarnnamen „Bad“ bezeichnet. Mit der „Baracke der Besatzung“ sind wahrscheinlich die Werkstätten und Magazine der jüdischen Arbeitshäftlinge gemeint.
Abram Jakub Krzepicki (1917-1943) war am 25. August 1942 nach Treblinka deportiert worden. Als „Arbeitsjude“ eingeteilt, gelang ihm nach 18 Tagen die Flucht. Im Warschauer Ghetto berichtete er über Treblinka. Diesen Bericht mit einer Skizze des Todeslagers zeichnete Rachela Auerbach, eine Mitarbeiterin des Ringelblum Archivs, auf. In der Wohnung des Historiker Emanuel Ringelblum hatte im November 1940 die Gründung des Ghettoarchivs Oneg Shabbat stattgefunden. Hier wurde eine Vielzahl von Materialien und Dokumenten, auch persönliche Nachlässe, gesammelt und archiviert. Oneg Shabbat arbeitete als interdisziplinäres Forschungsinstitut und wurde ein Teil des aktiven Untergrunds im Warschauer Ghetto. Der Bericht von Krzepicki wurde zusammen mit anderem Material des Ringelblum-Archivs 1950 bei Bauarbeiten in Warschau gefunden.
Richard Glazar schrieb als Überlebender von Treblinka seine Erlebnisse auf: „Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben im Treblinka“ (Auszug)
Richard Glazar (1920-1997) war einer der wenigen Überlebenden des Aufstandes von Treblinka. Seine böhmisch-jüdische Familie lebte in Prag. Nach Jahren im Versteck wurde Richard Glazar im Sommer 1942 entdeckt und erst nach Theresienstadt, von dort nach Treblinka deportiert. Außer ihm hat von seiner Familie lediglich seine Mutter Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt. Nach dem Krieg lebte er bis 1968 in der Tschechoslowakei, danach in der Schweiz. Er trat als Zeuge in den 1963 und 1971 stattfindenden Prozessen gegen die Mörder von Treblinka auf.
Majdanek
Das Lager Majdanek wurde im Herbst 1941 in Lublin errichtet. Seit dem Sommer 1942 war Majdanek gleichzeitig Konzentrations- und Todeslager. Es wurde weit mehr als Hunderttausend Menschen, hauptsächlich aus Polen, aber auch aus anderen europäischen Ländern, nach Majdanek deportiert. Der größte Teil der deportierten Juden überlebte das Lager nicht. Die KZ-Häftlinge starben an Hunger, Erschöpfung, Krankheit, durch Erschießungen und schwerste Misshandlungen. Viele Juden wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Gaskammern mit Kohlenmonoxyd oder Zyklon B getötet.
Ein Teil des Lagers wurde für Frauen und Kinder ausgebaut. Die Häftlinge wurden hauptsächlich in Arbeitskommandos in den SS-Bekleidungswerken eingesetzt. Hier sortierten sie größtenteils das geplünderte Eigentum der durch die „Aktion Reinhardt“ ermordeten Juden. Im April 1944 ordnete die SS die Auflösung des Lagers an. Tausende KZ-Häftlinge wurden in andere Konzentrationslager deportiert. Zuvor hatte die SS versucht, die Spuren ihres Mordens zu verwischen.
Lieferung von Zyklon B an das KZ Majdanek.
Schreiben von Tesch und Stabenow, Internationale Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung, Hamburg an die Verwaltung des Konzentrationslagers Lublin vom 25. August 1943, Betrifft: Auftrag Nr. 23 vom 8. Juni 1943 (PMM Lublin)
Auszug aus dem Affidavit von Michael Ruppert, Angehöriger der SS-Lagermannschaft
von Majdanek,
Unter dem Namen „Aktion Erntefest“ ließ Himmler innerhalb von zwei Tagen über 40.000 Juden im Distrikt Lublin ermorden. Allein an die 18.000 Juden wurden am 3. November 1943 in Majdanek erschossen. Die anderen Massenerschießungen fanden in Poniatowa und Trawniki statt.
Das Stammlager Auschwitz ließ Heinrich Himmler mit einem Befehl vom 27. April 1940 errichten. Im Oktober 1941 folgte der Aufbau des Lagers Birkenau. Die Gefangenen dort waren hauptsächlich Juden aus ganz Europa, daneben nichtjüdische Polen und Deutsche sowie sowjetische Kriegsgefangene. In Birkenau bestand seit August 1942 auch ein Lager für Frauen. Ein dritter Lagerteil umfasste Buna-Monowitz und weitere Arbeitslager. Die SS befehligte mit ihrem Kommandanturstab und anderen Abteilungen sowie den SS-Wachmannschaften den gesamten Lagerkomplex. Funktionshäftlinge mußten unter dem Befehl der SS den täglichen Ablauf innerhalb des Lagers organisieren.
Im Frühjahr 1942 wurden zwei Bauernhäuser zu Gaskammern umgebaut. Im Laufe des Jahres 1943 gingen insgesamt vier neue Gebäude mit Krematorien und Gaskammern in Betrieb.
Mindestens 1,1 Millionen Juden wurden aus ganz Europa nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Davon verlor ungefähr eine Million ihr Leben. Mehr als 20.000 Sinti und Roma fielen dem rassistischen Mordprogramm ebenfalls zum Opfer.
Alle Fotos: Auschwitz-Album
Ankunft und Selektion in Auschwitz. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden die Menschen von SS-Männern mit Hilfe von Kapos an der Rampe in zwei Gruppen geteilt. Alte Menschen, Frauen mit Kindern und Kranke wurden direkt in die als Duschräume getarnten Gaskammern geschickt. Diejenigen Frauen und Männer, die als arbeitsfähig eingeteilt wurden, kamen zur Zwangsarbeit in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Diese Fotos zeigen die Ankunft von Juden aus dem in der Karpatho-Ukraine liegenden Ghetto Berehovo am 26. Mai 1944.
Das Auschwitz-Album. Diese Fotos von der Ankunft in Auschwitz vom Mai 1944 wurden als Dokumentation von den SS-Männern Bernhard Walter und Ernst Hoffmann angefertigt. Sie befinden sich in einem Fotoalbum, das von Lilli Jacob in Mittelbau-Dora unmittelbar nach ihrer Befreiung gefunden wurde. Die 18jährige Lilli kam aus Bilke, einem Ort im ungarisch-ukrainischen Grenzgebiet. Alle Bilder Juden wurden ins Ghetto und dann nach Auschwitz deportiert. Lilli war die einzige Überlebende ihrer großen Familie, die alle im Mai 1944 mit den fotografierten Zügen in Auschwitz ankamen. Sie war schockiert, als sie auf den Fotos nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Brüder und andere Menschen aus Bilke erkannte.
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Medizinische Versuche in Auschwitz
In Auschwitz wurden, wie auch in anderen Konzentrationslagern, an einer Vielzahl von Häftlingen medizinische Experimente von SS-Ärzten durchgeführt. Auf Vorschlag von Himmler begann der SS-Arzt Carl Clauberg mit Sterilisierungsversuchen an Jüdinnen. Weitere Opfer von Experimenten wurden Zwillinge und Kleinwüchsige. Auch Angehörige der Sinti und Roma wurden Opfer so genannter rassekundlicher Untersuchungen und Experimente.
Text: Dr. Christa Schikorra |
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