Haus der Wannsee-Konferenz
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Dauerausstellung:
"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Raum 2
Rassismus und
Raum 3 Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939 Raum 5 Völkermord in Ost- und Südosteuropa
Raum 6 Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Raum 8 An der Konferenz beteiligte Behörden
Raum 9
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
Raum 11
Raum 12
Raum 13 Konzentrations- und Todeslager
Raum 14
Raum 15 Die Gegenwart der Vergangenheit
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Raum 14 - Zwangsarbeit und Tod im KZ
Die Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern war auf das engste mit der systematischen Ermordung der Juden verknüpft. Der Arbeitseinsatz jüdischer Häftlinge zielte auf deren Auslöschung. Wegen des Arbeitskräftemangels wurden seit Frühjahr 1942 immer mehr KZ-Häftlinge zur Arbeit in der Kriegswirtschaft gezwungen. Die unerträglichen Arbeitsbedingungen besonders beim Bau von Produktionsstätten hatten zur Folge, dass Häftlinge in großer Zahl starben. Vor allem im Konzentrationslager Auschwitz wurden sie meist durch Jüdinnen und Juden ersetzt, die aus den von den Deutschen besetzten Ländern Europas deportiert worden waren.
Die Konzentrationslager unterstanden dem zum 1. Februar 1942 gegründeten Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) der SS unter Oswald Pohl. Das Heinrich Himmler unterstellte WVHA war ein Machtzentrum der deutschen Kriegswirtschaft. Es steuerte auch den Verleih der KZ-Häftlinge an private Unternehmen. Die SS versuchte zunächst, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten gestützt auf Häftlingsarbeit auszudehnen und Betriebe in der Nähe der Konzentrationslager zu gründen. Dagegen setzte sich Rüstungsminister Albert Speer mit seinem Konzept durch, die Häftlinge zu den Industriebetrieben zu bringen. Das führte zur Schaffung zahlreicher Außenlager.
Die SS herrschte in den Konzentrationslagern mit äußerstem Terror. Dagegen versuchten Häftlinge in vielfältiger Form Widerstand zu leisten. Sie setzten damit ihr Leben aufs Spiel. Mit dem Vormarsch der Roten Armee begann im Sommer 1944 die Befreiung der Konzentrationslager. Ihr ging die weitgehende Räumung der Lager voraus, die von Erschießungen, Transporten und Todesmärschen der Häftlinge begleitet war. Erst die militärische Niederlage Deutschlands beendete den Massenmord.
Für den Arbeitseinsatz von KZ-Gefangenen war die Abteilung D des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes (WVHA-D) verantwortlich. Auch Industriebetriebe, die Häftlingsarbeit ausbeuteten, hatten Einfluss auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Gefangenen. Der Einsatz jüdischer KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit folgte dem Prinzip „Vernichtung durch Arbeit“. Das Leben der inhaftierten Menschen hing von ihrer Arbeitsfähigkeit ab. Bei ungenügender Versorgung, körperlichen wie seelischen Torturen, bedroht durch andauernde Selektionen, kämpften sie darum, den jeweils nächsten Tag zu überleben. Der Bedarf an Arbeitskräften für die Rüstungsindustrie wurde mit dem Jahr 1942 immer größer. Dabei sah die nationalsozialistische Führung in den Häftlingen ein großes Reservoir an Zwangsarbeitern. Mit der Auflösung der Lager im Osten Europas wurden Zehntausende jüdischer Häftlinge in weiter westlich liegende Konzentrations- und Außenlager verlegt.
Als Todesursachen sind u. a. „Freitod durch Starkstrom“, „akute Herzschwäche“
oder „Lungenentzündung“ zu lesen. Die häufigen Einträge „Todesursache: Freitod
Sturz Steinbruch“ oder geändert „Bemerkungen: Freitod
Schreiben von Pohl, Chef des WVHA, an Himmler über eine Besprechung mit
Reichsminister Speer, betr. Rüstungsarbeiten und Bombenschäden, 16. September
1942
In dieser Fabrikhalle der Siemens Schuckert Werke arbeiteten zwangsweise 180 Häftlinge aus Frankreich, Deutschland, Polen und der Sowjetunion, unter ihnen auch 35 jüdische Frauen.
Dr. Friedrich Mennecke wurde als ärztlicher Gutachter von der „Euthanasie“-Organisation T 4 beauftragt, KZ-Häftlinge zur Ermordung zu selektieren. Ab April 1941 wurde unter dem Namen „Aktion 14f13“ der Mord an Kranken in den Konzentrationslagern fortgesetzt. Arbeitsunfähige und Kranke sollten vom Lagerarzt und den T 4-Ärzten herausgesucht werden. In der Mehrheit handelte es sich jedoch um jüdische Personen. Alle selektierten KZ-Häftlinge wurden dann in einer der „Euthanasie“-Tötungsanstalten ermordet.
Aus Briefen Menneckes an seine Frau geht hervor, dass er jüdische Häftlinge lediglich nach Aktenlage selektierte. Von einer ärztlichen Gutachtertätigkeit kann keine Rede sein. Menneckes Vermerke zeigen seine antisemitische Einstellung.
Keine drei Monate nach Ankunft der jüdischen Frauen im Außenlager des KZ Buchenwald wurden kranke und arbeitsunfähige Häftlinge ausgesondert und zur Ermordung nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Sie hatten zuvor in dem zur Dynamit Nobel AG gehörenden Sprengstoffwerk, das in Hessisch Lichtenau ansässig war, Zwangsarbeit geleistet.
KZ-Außenlager in Berlin und Umgebung
Die Orte sind Außenlager des KZ Sachsenhausen.
Mit der Verschleppung in Ghettos und Haftstätten des KZ-Systems begann für viele Juden eine mörderische Odyssee. Sie wurden von Lager zu Lager getrieben. Viele von ihnen gelangten schließlich in krankem und geschwächtem Zustand in Nebenlager, die für die Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie geschaffen worden waren. Die Sterberate der Häftlinge dort war immens. Unterirdische Produktionsstätten wie Mittelbau-Dora waren für viele jüdische KZ-Häftlinge im Winter 1944/45 der Endpunkt der Deportationen.
Durch bildende Kunst bewahrten Häftlinge ihre persönliche Würde in einer namenlosen Häftlingsgesellschaft. Sie wollten festhalten, was sie bei ihrem alltäglichen Bemühen, den Verhältnissen in den Konzentrationslagern standzuhalten, erlebten. Das Zeichnen war auch eine Form des Widerstandes: Es sollte die Verbrechen bezeugen. Nur an wenigen Orten im Lager hatten die Häftlinge die Möglichkeit, unbeobachtet von der SS Kunst zu schaffen. Oftmals war es mühsam, das Material zu beschaffen. Wurden ihre Zeichnungen entdeckt, konnte das den Tod zur Folge haben.
Häftlingszeichnungen zu den Themen Appell, Baracke, Zwangsarbeit, Selektion, Hunger, Strafe, Unterstützung, Tod
In den Lagern waren die Häftlinge extremem Terror ausgeliefert. Ständig standen sie unter Aufsicht der SS, grundlos konnten sie zu Opfern von Strafen, Folterungen oder Mord werden. In zahlreichen Akten der Selbstbehauptung und des Widerstandes trotzten Häftlinge dem mörderischen System. Es war ihnen wichtig, die Verbrechen zu dokumentieren, ob durch illegale Fotos, Kunst oder Gedichte. Nachrichten mit solchen Beweisen nach draußen zu schaffen war lebensgefährlich. Immer wieder versuchten Gefangene, aus den stark bewachten und umzäunten Lagern zu fliehen. Manchmal gingen der Flucht Häftlingsaufstände voraus. Selbst wenn die Überwindung der Bewachungsanlage gelang, brauchten die Geflohenen die Unterstützung der Bevölkerung außerhalb des Lagers, um untertauchen zu können. Viele Flüchtlinge wurden gefasst und grausam ermordet.
Illegale Fotos des Sonderkommandos Auschwitz-Birkenau (APM Oswiecim) Mit der Auflösung der Konzentrationslager kurz vor Kriegsende trieb die SS Hunderttausende Häftlinge auf Todesmärsche Richtung Westen. Schon seit der Befreiung Majdaneks im Sommer 1944 waren Tausende KZ-Häftlinge durch andere Konzentrationslager weiter nach Westen getrieben worden. Deutschland musste erst militärisch besiegt werden, um den Völkermord an den Juden zu beenden. Die alliierten Streitkräfte dokumentierten die Zustände in den befreiten Konzentrationslagern in zahlreichen Fotos und Filmen. Sie fanden oftmals unzählige ermordete, verhungerte oder extrem geschwächte Häftlinge vor. Viele der Überlebenden starben noch in den folgenden Tagen und Wochen. Die alliierten Truppen konfrontierten die deutsche Bevölkerung mit den Verbrechen.
Text: Dr. Christa Schikorra
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