Haus der Wannsee-Konferenz


 

 


Dauerausstellung:

 

"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"


 

 

 

 

Einführung in die Ausstellung

 

Raum 2

Rassismus und
Judenfeindschaft

 

Raum 3

Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

Raum 4

Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
 

Raum 5

Völkermord in Ost- und Südosteuropa

 

Raum 6

Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung

 

Raum 7

Der Weg zum Massenmord an den
Juden Europas

 

Raum 8

An der Konferenz beteiligte Behörden

 

Raum 9

Die Wannsee-Konferenz

 

Raum 10

Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945

 

Raum 11

Deportationen

 

Raum 12

Die Ghettos

 

Raum 13

Konzentrations- und Todeslager

 

Raum 14

Zwangsarbeit und Tod im KZ

 

Raum 15

Die Gegenwart der Vergangenheit

 

Villa und SD in Wannsee

 

 

 

 

Raum 15  -  Die Gegenwart der Vergangenheit

 

 

 


„Als der Krieg zu Ende war, wollte ich Selbstmord begehen. Ich habe es nicht getan, weil ich der Mutter noch erzählen musste, was mit meiner Schwester passiert ist. Sie war in den letzten Tagen in Bergen-Belsen gestorben.“

 

Esther Reiss, geb. 1923, Überlebende des Ghettos Lodz und der Lager Auschwitz und Bergen-Belsen
 

 


„Nach der Befreiung war ich wie ein Stein: Ich fühlte gar nichts. Dann kamen Schmerz und Trauer wegen all derer, die nicht mehr waren.“

 

Halina Birenbaum, geb. 1929, Überlebende des Warschauer Ghettos und der Lager Majdanek, Auschwitz und Neustadt-Glewe
 

 


„Mir war, als müsse jeder uns Fragen stellen, uns an den Gesichtern ablesen, wer wir waren, demütig unseren Bericht anhören. Aber niemand sah uns in die Augen, niemand nahm die Herausforderung an: Sie waren taub, blind und stumm, eingeschlossen in ihre Ruinen, wie in eine Festung gewollter Unwissenheit, noch immer stark, noch immer fähig zu hassen und zu verachten, noch immer gefangen und verstrickt in ein Gewirr von Überheblichkeit und Schuld.“

 

Primo Levi, geb. 1919, Überlebender des Lagers Auschwitz
 

 


„Es dauerte mindestens sechs Monate nach meiner Befreiung, bis ich sagen konnte, ,Ja ich bin frei’. Ich trug andere Kleidung. Mein Haar war wieder gewachsen. Ich hatte keinen Hunger mehr. Aber ich traute niemandem.“

 

Alfred Silberstein, geb. 1927, Überlebender der Lager Auschwitz und Mittelbau-Dora
 

 


„In dem Viertel, wo wir lebten, hat man überhaupt nicht davon gesprochen. Warum hat man nicht davon gesprochen? Weil – wir lebten im Marais, im jüdischen Viertel von Paris, und alle meine Freunde hatten etwas durchgemacht. Auch wenn es nicht alles das gleiche war, aber ich habe nie mit Freunden darüber gesprochen. Ich hatte Freunde, die wussten überhaupt nicht, dass ich im Lager gewesen war.“

 

Alexandre Halaunbrenner, geb. 1931, überlebte im Versteck in Frankreich
 

 


„Die wirkliche Bedeutung der Befreiung ist mir erst mit dem Fischer-Prozess 1966 bewusst geworden. Angesichts der dort verhandelten Verbrechen ist mir deutlich geworden, von welchem grauenvollen Schicksal ich tatsächlich befreit worden war.“

 

Willi Frohwein, geb. 1923, Überlebender der Lager Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen
 

 


„Ich habe hier 18 Bücher über das Dritte Reich veröffentlicht, und das alles hatte keine Wirkung. Du kannst dich bei den Deutschen tot dokumentieren, es kann in Bonn die demokratischste Regierung sein und die Massenmörder gehen frei herum, haben ihr Häuschen und züchten Blumen.“

 

Joseph Wulf, geb. 1912, Überlebender des Lagers Auschwitz 
 

 


„Wenn ich ständig mit diesen Gedanken gelebt hätte, hätte ich vielleicht gar nicht weiterleben können – und schon gar nicht in Deutschland. Wie mir ging es vielen Überlebenden und deren Nachkommen. Das Verdrängen des Erlebten, das Schweigen, wurde für sie zum vermutlich überlebensnotwendigen Selbstschutz.“

 

Ignatz Bubis, geb. 1927, Überlebender eines Arbeitslagers in Tschenstochau
 

 


„Nun ist aber (...) diese Möglichkeit unmittelbarer Wiedergutmachung dadurch begrenzt, dass hohe Güter wie Leben und Freiheit unersetzlich, andere wie Ehre, Gesundheit nur unvollkommen wieder herstellbar sind, dass sogar, genau besehen, eine Wiederherstellung des vor der Verletzung bestehenden Zustandes nirgends voll möglich ist.“

 

Lothar Kreyssig, geb. 1898, leistete als Richter Widerstand gegen die „Euthanasie“-Morde 
 

 


„Ich weißes nicht, manchmal versuche ich nicht darüber nachzudenken, woran mein Vater teilgenommen haben kann.“

 

Gunter Demnig, geb. 1947, Sohn eines Angehörigen der Wehrmacht
 

 


„Eines Abends – ich war fünf oder sechs Jahre alt – wollte mein Vater etwas essen und nahm sich Brot. Nie schnitt er Brot, sondern brach immer große Stücke ab, die er sich in den Mund stopfte. Eine Gewohnheit, die er aus dem Holocaust, dem Konzentrationslager mitgebracht hatte. An diesem Abend blieb ihm das Brot im Hals stecken. Er lief blau an. Meine Mutter schickte mich zum Arzt. Ich rannte und dachte die ganze Zeit, wenn ich zurückkomme, ist er tot. Seitdem stottere ich.“

 

Yehuda Poliker, geb. 1950, Sohn griechischer Überlebender des Lagers Auschwitz
 

 


„Wenn ich schlechte Noten bekommen oder etwas verbrochen hatte, sagte sie (meine Mutter): ,Schade, dass ich aus Auschwitz herauskam, um das zu erleben ´“.

 

Yaakov Gilad, geb. 1951, Sohn einer Überlebenden der Lager Majdanek, Auschwitz und Neustadt-Glewe
 

 

 
„Jüdisch zu sein und deutsch, das kann es nach der Schoa eigentlich nicht geben. Und doch. Ich bin die Tochter von einer deutschen Jüdin und ihrem gojisch-deutschen Geliebten. Gemeinsam haben meine Eltern die Nazizeit überlebt und mir beigebracht, es mit den anderen Deutschen nicht zu verderben. Nachgeborene der Täter, Mitläufer und Mitwisser haben sich solche Mühe gegeben, alles richtig zu machen: von ihrer Vergangenheitsbewältigung bis zur Klezmermusik.“

 

Viola Roggenkamp, geboren 1948, Tochter einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters
 

 

 

Ausstellung, Raum 15

Ausstellung Raum 15  -  Die Gegenwart der Vergangenheit

 

 


„Ja, diese Schuld meines Vaters gehört zu meinem Leben. Ich lebe und deshalb habe ich Verantwortung. Ich kann das nur aushalten, indem ich bereit bin, mich dieser Vergangenheit immer wieder zu stellen und damit dieses entsetzliche Geschehen ernst nehme. Es geht um gemordetes Leben in physischer wie psychischer Sicht. Meine Herausforderung ist es, dieses Bewusstsein in meinem Alltag umzusetzen, und zu versuchen, Vorurteilen, Missachtung und Zerstörung von Menschlichkeit etwas entgegenzusetzen.“

 

Ulrike Krüger, geb. 1944, Tochter von Wolfram Sievers, Geschäftsführer der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V.“ der SS
 

 


„Die Vergangenheit, ob wir sie nun am eigenen Leib erlebt haben oder am Leib unserer Eltern, lässt alles andere verblassen, und was sich noch zittrig zu Wort melden möchte, an Privatem und Innerlichkeit, verstummt gänzlich, angesichts des Grauens.“

 

Gila Lustiger, geb. 1963, Tochter eines Überlebenden des Lagers Auschwitz
 

 


„Der Nationalsozialismus lastet auf uns allen. Er vergeht nicht, und in einigen dunklen Ecken sieht man, dass der Reiz der Volksgemeinschaft auch jetzt noch verlockend wirkt. Die Verbrechen sind in allgemeiner Erinnerung, die Frage, ‚wie war es möglich’ wird nicht verjähren und jegliches Ausweichen in ‚Normalität’ ist vergeblich.“

 

Fritz Stern, geb. 1926, rettete sich mit seiner Familie durch Emigration
 

 


„Als ich drei oder vier Jahre alt war und geschlagen wurde oder Schmerzen hatte, weinte ich nie, weil ich mir sagte, dass ich das nicht darf. Was ist es denn? Es ist nichts im Vergleich zu dem, was meine Eltern erlitten haben – und ich wollte sie nicht traurig machen.“

 

Etgar Keret, geb. 1967, Sohn von Überlebenden des Warschauer Ghettos
 

 


„Als ich fünfzehn war, fragte einer meiner Mitschüler im Geschichtsunterricht plötzlich, ob ich eigentlich ‚mit dem Himmler’ verwandt sei. Ich bejahte, mit einem Kloß im Hals. Es war mucksmäuschenstill in der Klasse. Alle waren hellwach und gespannt. Die Lehrerin aber wurde nervös und machte weiter, als sei nichts geschehen. Sie verpasste eine Chance, begreiflich zu machen, was uns, die Nachgeborenen, mit diesen ‚alten Geschichten’ überhaupt noch verbindet.“

 

Katrin Himmler, geb. 1967, Großnichte von Heinrich Himmler
 

 


„Wenn wir mit rechten Schülern in der Schule diskutiert haben, habe ich mich immer persönlich angegriffen gefühlt. Bei vielen Äußerungen dachte ich, sie wissen gar nicht, was sie da sagen. Außerdem hatte ich das Gefühl meinen Großvater verteidigen zu müssen.“

 

Anke Knitter, geb. 1977, Enkelin eines Überlebenden der Lager Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen
 

  

 

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Textzusammenstellung: Elke Gryglewski

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