Haus der Wannsee-Konferenz


 

 


Dauerausstellung:

 

"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"


 

 

 

 

Einführung in die Ausstellung

 

Raum 2

Rassismus und
Judenfeindschaft

 

Raum 3

Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

Raum 4

Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
 

Raum 5

Völkermord in Ost- und Südosteuropa

 

Raum 6

Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung

 

Raum 7

Der Weg zum Massenmord an den
Juden Europas

 

Raum 8

An der Konferenz beteiligte Behörden

 

Raum 9

Die Wannsee-Konferenz

 

Raum 10

Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945

 

Raum 11

Deportationen

 

Raum 12

Die Ghettos

 

Raum 13

Konzentrations- und Todeslager

 

Raum 14

Zwangsarbeit und Tod im KZ

 

Raum 15

Die Gegenwart der Vergangenheit

 

Villa und SD in Wannsee

 

 

 

 

Raum 16  -  Villa und SD in Wannsee, Teil 2

 

 

 

16.2

Das Reichssicherheitshauptamt und der Standort Wannsee

 

Das RSHA, Zentrale des nationalsozialistischen Terror-, Verfolgungs- und Geheimdienstapparats, unterhielt Dienststellen im ganzen Stadtgebiet Berlins. Der verkehrsgünstig gelegene Standort am Wannsee wurde bereits ab 1937 durch Institute genutzt, die dem Sicherheitsdienst unterstellt waren oder zuarbeiteten. Seit 1940 wurde der Standort systematisch ausgebaut.

 

 

Dienststellen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes

  • Prinz-Albrecht-Str. 8/Wilhelmstr. 102-103/106: Chef der Sicherheitspolizei und des SD; Geheimes Staatspolizeiamt (Gestapo); Attaché-Gruppe; Inlands-SD; Personalverwaltung des RSHA

  • Schloß Friedenthal bei Oranienburg: Dienststellen des Auslands-SD: Vorbereitung von Sondereinsätzen, Sabotageakten und Einsätzen hinter den feindlichen Linien

  • Kurfürstendamm 140: Gestapo-Dienststellen: Abwehr, Hoch- und Landesverrat, Grenzpolizei

  • Zimmerstr. 16-18: Gestapo-Dienststellen: Personenkartei, Ausländerüberwachung, Schutzhaftangelegenheiten, Besetzte Ostgebiete

  • Meinekestr. 10: Gestapo-Dienststellen: Politische Gegner, Presse- und Schrifttum, NSDAP

  • Kurfürstenstr. 115-116: Gestapo-Referat Judenfragen, Räumungsangelegenheiten (IV B 4, Referent Adolf Eichmann)

  • Wrangelstr. 6-7: Gestapo-Dienststellen: Großdeutsche Einflussgebiete

  • Hermann-Göring-Str. 5/8: Gestapo-Dienststellen: Passwesen und Ausländerpolizei; Personal- und Verwaltungsreferate des RSHA

  • Berliner Str. 120: Gestapo-Referat Zentrale Sichtvermerkstelle

  • Schloßstr. 1: Führerschule der Sicherheitspolizei 

  • Wilhelmstr. 20: Referate der Personalverwaltung des RSHA; Dienststellen des Inlands-SD

  • Kochstr. 64: Haushalts- und Wirtschaftsverwaltung des RSHA

  • Hedemannstr. 14: Rechnungsstelle und Hausverwaltung des RSHA
    Hedemannstr. 22: Dienststellen des Inlands-SD: Volkstum, Kultur

  • Lindenstr. 51/53: Kasse und Rechnungsamt des RSHA

  • Burgstr. 26: RSHA-Verwaltung: Technische Angelegenheiten; Referat des Inlands-SD für Verfassung und Verwaltung

  • Wielandstr. 42: RSHA-Verwaltung, Referat für Funk-, Foto- und Filmwesen

  • Werderscher Markt 5-6: Reichskriminalpolizeiamt (Kripo)

  • Wörthstr. 20: Dienststellen der Kripo: Kapitalverbrechen, Betrug

  • Hauptstr. 144: Dienstellen der Kripo: Erkennungsdienst, Fahndung

  • Berkaerstr. 32: Auslands-SD

  • Delbrückstr. 6a: Referat des Auslands-SD für Technische Hilfsdienste

  • Eisenacher Str. 12: SD-Amt für Weltanschauliche Forschung und Auswertung

  • Emser Str. 12: Bibliothek, Archiv und Museum des SD

  • Königsallee 11a: Der Höhere SS- und Polizeiführer Berlin

  • Grunerstr. 12: Staatspolizei-Leitstelle Berlin

  • Burgstr. 28: Staatspolizei-Leitstelle Berlin, u. a. Judenreferat

  • Kaiser-Wilhelm-Str. 22: SD-Leitabschnitt Berlin

  • Alexanderstr. 2/10/18: Polizeipräsidium Berlin

  • Am Kleinen Wannsee 16: Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission

  • Königstr. 71: Institut für Staatsforschung der Universität Berlin (für die Kriegsdauer zur Verfügung des Reichsführers SS beordert)

  • SD-Schule Bernau

 

Dienststellen der SS 

  • Finckensteinallee 63: SS-Leibstandarte Adolf Hitler

  • Dohnenstieg 10: Wohnung des Reichsführers SS Heinrich Himmler

  • Prinz-Albrecht-Str. 9: Persönlicher Stab des Reichsführers SS

  • Lützowstr. 48-49: SS-Hauptamt

  • Kaiserallee 188: SS-Führungshauptamt

  • Wilmersdorfer Str. 98-99: SS-Personalhauptamt

  • Unter den Eichen 126-135: SS-Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt

  • Unter den Linden 74: Hauptamt Ordnungspolizei

  • Hedemannstr. 24: SS-Rasse- und Siedlungshauptamt

  • Kurfürstendamm 142-143: Stabshauptamt des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums

  • Keithstr. 25: Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle

  • Zimmerstr. 88: Zeitschrift „Das Schwarze Korps“

  • Sachsenhausen bei Oranienburg: Konzentrationslager Sachsenhausen mit der Inspektion der KL und Kasernen der SS-Totenkopfverbände

 

  

Wannsee-Institut

 

Villa Oppenheim, um 1907

Das Wannsee-Institut war seit 1937 das Geheime Ostforschungsinstitut des Reichsführers SS. Es diente nachrichtendienstlichen Zwecken. Einige seiner Mitarbeiter waren in Planung und Durchführung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen einbezogen, etwa als Angehörige von Einsatzgruppen. 1943 wurde das Institut aus Berlin ausgelagert.

Die Villa Oppenheim, um 1907 (GHWK Berlin)

 

 

 

Institut für Staatsforschung

 

Reinhard Höhn, ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, leitete das Institut für Staatsforschung der Universität Berlin (Wannsee, Königsstraße 71). Mit Kriegsbeginn wurde es dem Reichsführer SS direkt unterstellt. Das Institut bearbeitete Aufträge von Dienststellen der Partei und SS, des Staates und der Wehrmacht. Hier entstand auch die staatswissenschaftliche Zeitschrift "Reich - Volksordnung - Lebensraum, Zeitschrift für völkische Verfassung und Verwaltung", zu deren Herausgebern neben Höhn und dem Polizei- und Besatzungsexperten Werner Best zwei Teilnehmer der Wannsee-Konferenz gehörten: Gerhard Klopfer und Wilhelm Stuckart.

 

 

 

Auslands-SD und Funkzentrale

 

Wichtigster Nutzer des RSHA-Standorts Wannsee war der Auslands-Geheimdienst des SD unter Amtschef Walter Schellenberg. Vor allem Spionage und Sabotage gegen die Sowjetunion wurden hier vorbereitet. Um Agenteneinsätze hinter den sowjetischen Linien zu steuern, benötigte man eine Funkstation (Tarnbezeichnung: „Havel-Institut“).

 

 

 

Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission

 

Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission

Dienstgebäude der Internationalen Kriminalpolizeilichen Kommission, Am Kleinen Wannsee 16, um 1942

 

1940 erzwang Reinhard Heydrich seine Ernennung zum Präsidenten der Internationalen Kriminalpolizeilichen Kommission (IKPK), der 1923 gegründeten Vorläuferin von Interpol. Im April 1941 verlegte er ihren Sitz an den Kleinen Wannsee. Die IKPK verwaltete Fahndungs-, Fingerabdruck und Fotokarteien und unterhielt einen internationalen Polizeifunk. Sie förderte aber auch die „Kriminalbiologie“ und die „Bekämpfung des Zigeunerunwesens“. Die Teilnehmer der Wannsee-Konferenz wurden zuerst in diese Dienststelle eingeladen. Später wurde der Tagungsort telefonisch geändert.

 

 

 

16.3

Ausbeutung jüdischen Eigentums und jüdischer Arbeitskraft

 

Ausbeutung jüdischen Eigentums und jüdischer Arbeitskraft

Für den Ausbau des Standorts Wannsee eignete sich das RSHA jüdischen Besitz an. Zunächst beschlagnahmte die Gestapo einzelne Villen. Weitere Grundstückserwerbungen und Umbaumaßnahmen wurden aus konfisziertem Vermögen vertriebener Juden finanziert. Zwangsarbeiter pflegten die Gärten. Jüdische Jugendliche arbeiteten in einem „Tagesumschulungslager Wannsee“, das  die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland im Auftrag der SS betrieb. Später tauchten einige von ihnen mit ihrem Lehrer Jizchak Schwersenz in die Illegalität ab. Noch bis zu den Deportationen vom Februar 1943 zwang das RSHA junge Juden zur Arbeit in seinen Anlagen am Wannsee.

 

Schreiben der SD-Hauptverwaltung an das RSHA Amt VII vom 22. November 1941 (BA Dahlwitz-Hoppegarten).

 

 

 

16.4

Das Gästehaus des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD

 

Der Tagungsort der Wannsee-Konferenz stand seit Herbst 1941 im Mittelpunkt des RSHA-Standorts Wannsee. In diesem Gästehaus sollten auswärtige SS- und Polizeiführer wohnen, wenn sie dienstlich nach Berlin kamen. Eine gute Küche und Freizeiträume standen zur Verfügung. Im repräsentativen Gebäude fanden wiederholt Tagungen und Besprechungen statt. 1944 diente es zur Internierung von Personen, die wegen Widerstandsaktionen verhört wurden, darunter die Wehrmachts-Generäle Paul von Hase und Friedrich Fromm. Gegen Kriegsende verlegten zunächst der Chef des Inlands-SD, Otto Ohlendorf, später der Chef der Gestapo, Heinrich Müller, ihre Hauptquartiere in die Villa.

 

Otto Ohlendorf, Chef des Inlands-SD, nutzte das Gästehaus im Dezember 1944 für eine Tagung, zu der er in seiner Eigenschaft als Unterstaatssekretär im Reichswirtschaftsministerium eingeladen hatte.

 

 

 

16.5

Nach 1945

 

Das Gebäude wurde 1945 von der Roten Armee, später von der U. S. Armee genutzt. Von 1947 bis 1952 diente es der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) als Parteischule, danach war es Schullandheim von Berlin-Neukölln. Seit 1965 stritt ein internationaler Verein für ein „Internationales Dokumentationszentrum für die Erforschung des Nationalsozialismus und seiner Folgeerscheinungen“. Die Initiative scheiterte 1969 am Berliner Senat und am Bezirk Neukölln. Eine 1972 angebrachte Gedenktafel wurde schon bald beschmiert, gestohlen und erst 1982 erneuert. 1988 bezog das Schullandheim ein Ersatzgrundstück. Zum 20. Januar 1992 nahm die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz ihre Tätigkeit auf.

 

 

  

Text: Dr. Gideon Botsch

  


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