Haus der Wannsee-Konferenz


 

Texte der Dokumente nach WAI

 

 

Raum 3 - Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

 

Erlass des preußischen Kriegsministeriums zur statistischen
Erfassung jüdischer Soldaten, 11. Oktober 1916

 

Kriegsministerium, Nr. 247/8. 16. C1b., Berlin W 66, den 11.10.1916

Fortgesetzt laufen beim Kriegsministerium aus der Bevölkerung Klagen darüber ein, dass eine unverhältnismäßig große Anzahl wehrpflichtiger Angehöriger des israelitischen Glaubens vom Heerdienst befreit sei oder sich von diesem unter allen nur möglichen Vorwänden drücke. Auch soll es nach diesen Mitteilungen eine große Zahl im Heerdienst stehender Juden verstanden haben, eine Verwendung außerhalb der vordersten Front, also in dem Etappen- und Heimatgebiet und in Beamten- und Schreibenstellen zu finden.

Um diese Klagen nachzuprüfen und ihnen gegebenenfalls entgegenzutreten zu können, ersucht das Kriegsministerium ergebenst um gefällige Aufstellung einer Nachweisung nach dem anliegenden Muster 1 und 2.

Diese Nachweisungen - 1. für die Truppen und Behörden, 2. für die Bezirkskommandos - wollen von den Armeeoberkommandos, Armeeabteilungen, stellvertretenden Generalkommandos, General-Inspektionen (letztere nur für den Bereich des Besatzungsheeres) und den General-Gouvernements in Warschau und Brüssel zusammengestellt bis zum 1.12.1916 dem Kriegsministerium eingereicht werden.

Nebenabdrucke sind zur gefälligen Benutzung beigefügt.

 


 

Allgemeine Jüdische Rundschau, 7. August 1914, Erklärung des Reichsvereins der deutschen Juden und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland

 

 

Deutsche Juden! In dieser Stunde gilt es für uns aufs neue zu zeigen, dass wir stammesstolzen Juden zu den besten Söhnen des Vaterlandes gehören. Der Adel unserer vieltausendjährigen Geschichte verpflichtet. Wir erwarten, dass unsere Jugend freudigen Herzens freiwillig zu den Fahnen eilt.

Deutsche Juden! Wir rufen Euch auf, im Sinne des alten jüdischen Pflichtgebots mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen Euch dem Dienste des Vaterlandes hinzugeben.

Der Reichsverein der Deutschen Juden

Zionistische Vereinigung für Deutschland

 


 

 

Flugblatt zu den Wahlen zur Nationalversammlung

 

 

Weitersagen! Anheften! Abschreiben! Nachdrucken!

Parole für die Nationalversammlung: Wählt keine Juden! Lasst ein christliches Land nicht durch Juden regieren und ruinieren! Die Juden mögen eine eigene Partei bilden. Juda den Juden, aber: Deutschland den Deutschen! Bund der 48er Gruppe Berlin

 


 

 

Flugblatt mit dem Parteiprogramm der NSDAP, 24. Februar 1920 (Vorderseite)

 

 

Programm der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei

Das Programm der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei ist ein Zeit-Programm. Die Führer lehnen es ab, nach Erreichung der im Programm aufgestellten Ziele neue aufzustellen, nur zu dem Zweck, um durch künstlich gesteigerte Unzufriedenheit der Massen das Fortbestehen der Partei zu ermöglichen.

1. Wir fordern den Zusammenschluss aller Deutschen auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu einem Groß-Deutschland.

2. Wir fordern die Gleichberechtigung des deutschen Volkes gegenüber den anderen Nationen, Aufhebung der Friedensverträge von Versailles und St. Germain.

3. Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungs-Überschusses.

4. Staatsbürger kan nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.

5. Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremden-Gesetzgebung stehen.

6. Das Recht, über Führung und Gesetz des Staates zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, daß jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher Art, gleich ob im Reich, Land oder Gemeinde, nur durch Staatsbürger bekleidet werden darf.

Wir bekämpfen die korrumpierende Parlamentswirtschaft einer Stellenbesetzung nur nach Parteigesichtspunkten ohne Rücksicht auf Charakter und Fähigkeiten.

7. Wir fordern, daß sich der Staats verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen. Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremder Nationen (Nicht-Staatsbürger) aus dem Reiche auszuweisen.

8. Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern. Wir fordern, daß alle Nicht-Deutschen, die seit 2. August 1914 in Deutschland eingewandert sind, sofort zum Verlassen des Reiches gezwungen werden.

9. Alle Staatsbürger müssen gleiche Rechte und Pflichten besitzen.

10. Erste Pflicht jedes Staatsbürgers muß sein, geistig oder körperlich zu schaffen. Die Tätigkeit des Einzelnen darf nicht gegen die Interssen der Allgemeinheit verstoßen, sondern muß im Rahmen des Gesamten und zum Nutzen Aller erfolgen.

Daher fordern wir:

11. Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft!

12. Im Hinblick auf die ungeheuren Opfer an Gut und Blut, die jeder Krieg vom Volke fordert, muß die persönliche Bereicherung durch den Krieg als Verbrechen am Volke bezeichnet werden. Wir fordern daher restlose Einziehung aller Kriegsgewinne.

13. Wir fordern die Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten Betriebe (Trusts).

14. Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben.

15. Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Alters-Versorgung.

16. Wir fordern Schaffung eines gesunden Mittelstandes und seine Erhaltung, sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbe-...

 


 

An die deutschen Mütter!

 

 

An die deutschen Mütter! 72000 jüdische Soldaten sind für das Vaterland auf dem Felde der Ehre gefallen. Christliche und jüdische Helden haben gemeinsam gekämpft und ruhen gemeinsam in fremder Erde. 12000 Juden fielen im Kampf! Blindwütiger Parteihass macht vor den Gräbern der Totn nicht Halt.

Deutsche Frauen, duldet nicht, dass die jüdische Mutter in ihrem Schmerz verhöhnt wird.

Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eV.

 

 


 

 

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