Haus der Wannsee-Konferenz


 

 


Dauerausstellung:

 

"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"


 

 

 

 

Einführung in die Ausstellung

 

Raum 2

Rassismus und
Judenfeindschaft

 

Raum 3

Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

Raum 4

Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
 

Raum 5

Völkermord in Ost- und Südosteuropa

 

Raum 6

Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung

 

Raum 7

Der Weg zum Massenmord an den
Juden Europas

 

Raum 8

An der Konferenz beteiligte Behörden

 

Raum 9

Die Wannsee-Konferenz

 

Raum 10

Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945

 

Raum 11

Deportationen

 

Raum 12

Die Ghettos

 

Raum 13

Konzentrations- und Todeslager

 

Raum 14

Zwangsarbeit und Tod im KZ

 

Raum 15

Die Gegenwart der Vergangenheit

 

Villa und SD in Wannsee

 

 

 

 

Raum 3  -  Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

 

 

Antisemitismus

 

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 erfasste die deutsche Bevölkerung eine allgemeine Begeisterung. Auch viele deutsche Juden meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst. Der Krieg entwickelte sich zum Stellungskrieg mit grausamen Materialschlachten und hohen Verlusten an Menschenleben. Um angesichts der desolaten Lage einen Sündenbock zu finden, wurde im Oktober 1916 für das deutsche Heer eine diskriminierende „Judenzählung“ angeordnet.

 

In den ersten Jahren der Weimarer Republik wurde der Antisemitismus zu einem zentralen politischen Thema. Die völkisch-nationalistische Propaganda gab „jüdisch-bolschewistischen Revolutionären“ und angeblichen Kriegsgewinnlern die Schuld am Zusammenbruch des Kaiserreichs. Jüdische Politiker galten als Personifizierung der verhassten „Judenrepublik“.

 

 

Titelbild: Dinter, A.: Die Sünde wider das Blut, 1917

Artur Dinter, "Die Sünde wider das Blut",
Titelblatt Leipzig 1917

Der völkische Schriftstelle Artur Dinter popularisierte den Rassenantisemitismus mit seinem Trivialroman. Bis 1922 erreichte das Buch eine Auflage von 200.000 Exemplaren.

 

Die von Adolf Hitler geführte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) forderte den Ausschluss der deutschen Juden aus der „Volksgemeinschaft“. Infolge der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise erreichte die NSDAP bei den Reichstagswahlen vom Juli 1932 ihr bestes Wahlergebnis. Die Intrigen konservativer Kreise führten im Januar 1933 zur Bildung einer Regierung unter Reichskanzler Adolf Hitler.
 

 

 

3.1.

Erster Weltkrieg

 

Die Mehrheit der deutschen Juden empfand den Kriegsdienst als patriotische Pflicht. Als der erhoffte schnelle Sieg ausblieb, unterstellten gezielt gestreute Gerüchte den Juden „Drückebergerei“. Das preußische Kriegsministerium veranlasste daraufhin im Oktober 1916 eine statistische Erfassung aller Kriegsteilnehmer nach Konfession und Einsatzort. Diese „Judenzählung“ diente der öffentlichen Diffamierung und Ausgrenzung. Die Hoffnung der Juden auf fortschreitende Integration in die deutsche Gesellschaft wurde dadurch erschüttert.

Die Art der Erhebung offenbarte antisemitische Beweggründe. Um das gewünschte Ergebnis zu erhalten, wurden Juden von der Front in den Etappenbereich versetzt. Dennoch fiel die Erhebung nicht wie erwartet aus. Das Ergebnis der „Judenzählung“ wurde nicht veröffentlicht.

 

 

 „Je mehr Juden in diesem Krieg fallen, desto nachhaltiger werden ihre Gegner beweisen, dass sie alle hinter der Front gesessen haben, um Kriegswucher zu betreiben. Der Hass wird sich verdoppeln und verdreifachen.“
 

     

(Walther Rathenau an den völkischen Publizisten Wilhelm Schwaner, 4. August 1916)

 

 

Jüdische Rundschau, 7. August 1914, Erklärung des Reichsvereins der deutschen Juden und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland

► 
Text des Dokuments (nach WAI)

 

Erlass des preußischen Kriegsministeriums zur statistischen Erfassung jüdischer Soldaten, 11. Oktober 1916

Erlass des preußischen Kriegsministeriums zur statistischen
Erfassung jüdischer Soldaten, 11. Oktober 1916
(BA Berlin)

 

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►  Text des Dokuments (nach WAI)

 

Formular für die Nachweisung der beim Heere befindlichen wehrpflichtigen Juden, Oktober 1916

Formular für die Nachweisung der beim Heere befindlichen
wehrpflichtigen Juden, Oktober 1916
(BA Berlin)

 

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Die Erhebung hatte antisemitische Beweggründe. Um zu belegen, dass sich Juden dem Frontdienst entzögen, wurden viele von ihnen in die Etappe versetzt. Dennoch fiel die Erhebung nicht wie erwartet aus. Das Ergebnis der "Judenzählung" wurde nicht veröffentlicht.

 

 

3.2.

Frühphase der Weimarer Republik

 

Während traditionelle antijüdische Stereotype in der Weimarer Republik virulent blieben, gewann der rassische Antisemitismus nach Krieg und Revolution zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche völkische und nationalistische Parteien und Verbände nahmen antisemitische Forderungen in ihre Programme auf. Durch mehr als 700 Zeitschriften und zahllose Publikationen erreichte die antisemitische Propaganda breite Bevölkerungsschichten.

 

 

Postkarte Dolchstoßlegende, um 1923

"Deutsche, denkt daran!"

Postkarte, um 1923
(Sammlung Haney Berlin - Postkarte im Original farbig)

 

Mit der Dolchstoßlegende, dem Mythos von der im Felde unbesiegten deutschen Armee, schrieb die antisemitische Propaganda den „jüdisch-revolutionären Kräften“ die Schuld am Zusammenbruch des Kaiserreichs zu. Die Karikatur zeigt den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann mit erhobenem Dolch im Rücken der Soldaten. Zustimmung erhält er vom Zentrumspolitiker Matthias Erzberger. Im Hintergrund sieht man die vermögenden Juden als vermeintliche Anstifter der Tat.

 

 

Plakat Nationalversammlung 1919 "Wählt keine Juden!"

Flugblatt zu den Wahlen der
Nationalversammlung, 1919
(DHM Berlin)

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►  Text des Dokuments (nach WAI)
 

 

"Gefesselte Germania", Postkarte um 1920

"Gefesselte Germania",
Postkarte um 1920
(DHM Berlin)

 

 


„Weil nun der Jude trotz seines fremden Volkstums, das er nie verleugnen kann, auch deutsches Volkstum für sich in Anspruch nimmt und dessen Begriff dadurch verwässert und seine Reinheit dadurch trübt, muß die Ablehnung völkischer Kreise Juden gegenüber besonders scharf sein.“
 

 

Walther Schulz, Der deutsche Hochschulring, Halle 1921
 

Der Deutsche Hochschulring wurde 1920 als Dachorganisation von Studentenverbänden gegründet. Bis 1921 entwickelte sich der Hochschulring zur prägenden studentischen Organisation an den deutschen Universitäten.
 

 

3.3.

Anfänge der NSDAP

 

Zunächst war die NSDAP eine vor allem auf Bayern begrenzte völkisch-antisemitische Splitterpartei. Im November 1923 scheiterte Adolf Hitler mit einem Putsch in München. Hitler wurde zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, die Partei verboten. Bereits nach einem halben Jahr erfolgte Hitlers vorzeitige Entlassung. Nach der Neugründung von 1925 sicherte sich Hitler als Führer die uneingeschränkte Macht in der NSDAP.

 


„Der Antisemitismus aus rein gefühlsmäßigen Gründen wird seinen letzten Ausdruck finden in der Form von Progromen [sic!]. Der Antisemitismus der Vernunft jedoch muß führen zur planmäßigen gesetzlichen Bekämpfung und Beseitigung der Vorrechte des Juden, die er zum Unterschied der anderen zwischen uns lebenden Fremden besitzt (Fremdengesetzgebung). Sein letztes Ziel aber muß unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein.“

 

 

Auszug aus einem Brief Adolf Hitlers an Adolf Gemlich, 16. September 1919
 

 

Während seiner Festungshaft in Landsberg formulierte Adolf Hitler seine programmatische Schrift „Mein Kampf“. Sie erschien in zwei Bänden 1925 und 1926. Darin forderte er eine „rassenreine Volksgemeinschaft“ und die „Ausschaltung“ der Juden aus der Gesellschaft. Darüber hinaus propagierte Hitler die Herrschaft der „arischen Rasse“ über die „slawischen Untermenschen“ Osteuropas. Bis 1933 wurde das Buch 250.000mal verkauft.

 


(Abb. Katalog
Seite 27)
 

Hitler-Putsch, 9. November 1923

 

Eine Gruppe des Freikorps "Reichskriegsflagge" vor dem Bayerischen Kriegsministerium. In der Bildmitte Heinrich Himmler mit Fahne.
(BPK Berlin)

 

Flugblatt mit dem Parteiprogramm der NSDAP, 1920

Flugblatt mit dem Parteiprogramm der NSDAP,
24. Februar 1920 (Vorderseite)
(DHM Berlin)

 

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►  Text des Dokuments (nach WAI)

 

Flugblatt mit der Ankündigung einer Rede Hitlers, 1920

Flugblatt mit der Ankündigung
einer Rede Hitlers, 1920
(Bildarchiv Haney, Berlin)
 

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Fortsetzung Raum 3
Teil 2

 

 

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