Haus der Wannsee-Konferenz
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Dauerausstellung:
"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Raum 2
Rassismus und
Raum 3 Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939 Raum 5 Völkermord in Ost- und Südosteuropa
Raum 6 Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Raum 8 An der Konferenz beteiligte Behörden
Raum 9
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
Raum 11
Raum 12
Raum 13 Konzentrations- und Todeslager
Raum 14
Raum 15 Die Gegenwart der Vergangenheit
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Raum 4, Teil 2
Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933-1939 - Teil 2
4.5. Flucht und Vertreibung
Die Politik der NS-Regierung zielte zunächst darauf, die jüdische Bevölkerung durch Ausgrenzung und Entrechtung zur Auswanderung zu bewegen. Doch zunehmende Verarmung und unzählige Reglementierungen behinderten zugleich die Auswanderung. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurden alle antijüdischen Bestimmungen auf das Land übertragen. Durch Terror und massiven Druck sollten die dortigen Juden zur sofortigen Auswanderung gezwungen werden. Doch immer weniger Länder waren bereit, sie aufzunehmen. Die Flüchtlingskonferenz von Evian im Juli 1938 blieb erfolglos.
Im August 1938 wurde in Wien die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ eingerichtet. Adolf Eichmann hatte als Leiter die Aufgabe, die Auswanderung der Juden zu forcieren und zu koordinieren. Nach dem Wiener Vorbild entstand im Januar 1939 in Berlin die „Reichszentrale für jüdische Auswanderung“ unter Reinhard Heydrich.
4.6. Der Novemberpogrom
Ende Oktober 1938 deportierte die Gestapo etwa 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit an die deutsche Ostgrenze. Am 7. November 1938 verübte Herschel Grynszpan, dessen Familie unter den Abgeschobenen war, ein Attentat auf einen deutschen Diplomaten in Paris. Dessen Tod nahmen Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels zum Anlass, einen reichsweiten Pogrom zu initiieren. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zerstörten und verwüsteten SA- und SS-Männer in Zivil Synagogen und Geschäfte. Dabei verloren etwa 100 Juden ihr Leben. Etwa 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager eingewiesen. Für die Schäden der Pogromnacht mussten die Juden selbst aufkommen. Zusätzlich wurde der jüdischen Bevölkerung eine „Sühneleistung“ von einer Milliarde Reichsmark auferlegt.
Unmittelbar nach dem Novemberpogrom wurden etwa 30.000 jüdische Männer von Polizei und Gestapo mit Hilfe vorbereiteter Listen verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Nur wer seine bevorstehende Ausreise aus dem Deutschen Reich nachwies, konnte auf eine schnelle Entlassung hoffen.
Interview mit Alfred
Silberstein, September 1996, Privatbesitz
4.7. Ausschaltung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben
Nach dem Pogrom begann die beschleunigte „Arisierung“ der verbliebenen jüdischen Betriebe im Deutschen Reich. Deren Eigentümer wurden zum Verkauf gezwungen, in der Regel zu einem Bruchteil des realen Wertes. Jüdischen Ärzten und Rechtanwälten wurde die Zulassung entzogen. Nur in Ausnahmefällen durften sie als „Krankenbehandler“ und „Konsulenten“ für Juden praktizieren. Unzählige Verordnungen schränkten die Lebensmöglichkeiten der Juden immer weiter ein. Sie wurden im „geschlossenen Arbeitseinsatz“ zur Zwangsarbeit verpflichtet. Anfang 1939 begann die erzwungene Zusammenlegung von Familien in „Judenhäusern“.
4.8. Rassistische Politik und Krankenmord
Die nationalsozialistische Rassenpolitik richtete sich auch gegen andere Minderheiten. Die „Reinheit der Rasse“ sollte durch gezielte Auslese bewahrt werden. Humangenetiker und Anthropologen erstellten “rassebiologische Gutachten”. Pseudowissenschaftliche Vermessungen und Untersuchungen sollten angebliche Rassenunterschiede belegen.
Die Vorbereitung zur systematischen Erfassung aller geistig und körperlich Behinderten sowie psychisch Kranken in Heil- und Pflegeanstalten begann 1938. Nach dem Überfall auf Polen erteilte Hitler den Auftrag zu ihrer systematischen Ermordung.
(BA Berlin)
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Text: Dr. Thomas Rink |
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