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Dauerausstellung:
"Die
Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Einführung in die
Ausstellung
Raum 2
Rassismus und
Judenfeindschaft
Raum 3
Integration und
Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
Raum 5
Völkermord in Ost- und
Südosteuropa
Raum 6
Handlungsspielräume unter
deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Juden Europas
Raum 8
An der Konferenz beteiligte
Behörden
Raum 9
Die Wannsee-Konferenz
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945
Raum 11
Deportationen
Raum 12
Die Ghettos
Raum 13
Konzentrations- und
Todeslager
Raum 14
Zwangsarbeit und Tod im KZ
Raum 15
Die Gegenwart der
Vergangenheit
Villa und SD in Wannsee
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5.4.
UdSSR 1941:
Verbrecherische Befehle
Im
Frühjahr 1941 legten Hitler und die Führung der Wehrmacht die Ziele für den
geplanten »Weltanschauungskrieg« gegen die Sowjetunion fest: Die UdSSR sollte
nicht nur militärisch besiegt, sondern ihre gesamte Führungsschicht als
angebliches »System des jüdischen Bolschewismus« beseitigt werden. Zentrale
Befehle des Oberkommandos der Wehrmacht hoben hierfür den völkerrechtlich
verbürgten Schutz von Zivilisten im Kriege auf und ordneten die Exekution
politischer Kommissare an. Die Ermächtigung von SS und Polizei zu
"Exekutivmaßnahmen" in den eroberten Gebieten, machte den Weg für die Ermordung
politischer Gegner und ganzer Bevölkerungsgruppen frei. Auch während der
Kriegsoperationen erließen führende Wehrmachtsgeneräle Befehle, um die Truppe
auf den geforderten „Vernichtungskampf“ gegen das Judentum einzuschwören.
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„1. Der
Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozialistischen deutschen Volkes.
Dieser zersetzenden Weltanschauung und ihren Trägern gilt Deutschlands Kampf.
2.
Dieser Kampf verlangt rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen
bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden und restlose Beseitigung
jeden aktiven oder passiven Widerstandes.“
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Auszug
aus den »Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Rußland« des Oberkommandos
der Wehrmacht, 19. Mai 1941
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„Das
Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch
kämpfenden Resten der Roten Wehrmacht und der Roten Führung. Es hält stärker als
in Europa alle Schlüsselpunkte der politischen Führung und Verwaltung, des
Handels und des Handwerks besetzt und bildet weiter die Zelle für alle Unruhen
und möglichen Erhebungen. […]
Für die
Notwendigkeit der harten Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des
bolschewistischen Terrors, muss der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch
notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime
zu ersticken.“
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Auszug aus dem Armeebefehl des Oberbefehlshabers der
11. Armee, Erich von Manstein, 20. November 1941
(StA Nürnberg)

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„Die Einsatzgruppen bzw.
-kommandos sind berechtigt, im Rahmen ihres Auftrages in
eigener Verantwortung Exekutivmaßnahmen gegenüber der
Zivilbevölkerung zu treffen. Sie sind zu enger
Zusammenarbeit mit der Abwehr verpflichtet.“
Weisung des Chefs des
Oberkommandos des Heeres, Walther von Brauchitsch,
betreffend den Einsatz der Sicherheitspolizei und des SD,
28. April 1941
(BA Freiburg) |
5.5.
Vernichtungskrieg
Beim
Völkermord an den sowjetischen Juden leistete die Wehrmacht vielfache
logistische und administrative Unterstützung. Die Militärverwaltung entschied
über das Schicksal der Kriegsgefangenen und häufig über den Einsatz von Juden
zur Zwangsarbeit. Mobile Verbände von Polizei und SS folgten den vorrückenden
Heeresgruppen mit dem Auftrag, die sowjetischen Besatzungsgebiete zu
"befrieden". In der Realität war dies gleichbedeutend mit der Selektion der
Zivilbevölkerung und der rücksichtslosen Vernichtung aller als »minderwertig«
oder »unnütz« beurteilten Menschen. Während des Sommers 1941 konzentrierten sich
die Mordkommandos zunächst auf die Verfolgung sowjetischer Funktionäre und
männlicher Juden als den vermeintlichen "Hauptgegnern". Im Wechselspiel zwischen
lokaler Initiative und Anweisungen der Regimeführung radikalisierte sich ihr
Vorgehen jedoch bald zum umstandslosen Massenmord an der gesamten jüdischen
Bevölkerung.
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Jüdische
Zwangsarbeiter unter Bewachung deutscher Soldaten in Mogilew, Juli 1941
PK-Foto: Rudolf Kessler
(BA Koblenz) |
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Am 11.
Juli 1941 werden Angehörige des Bataillons vom Kommandeur der übergeordneten
221. Sicherungsdivision, Johann Pflugbeil, für ihren "Einsatz" in Bialystok
ausgezeichnet.
(HStA Düsseldorf) |
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Ein
Kommando der Einsatzgruppe D erschießt jüdische Frauen in einer Grube, Dubossary
(Moldawien),
14. September 1941
(IWM London) |

Berichte
in der Süddeutschen Zeitung vom 24. September und 19. November 1974 über einen
Strafprozess wegen NS-Verbrechen gegen Angehörige der »Einsatzgruppe D«. Max
Drechsel und Walter Kehrer wurden unter anderem wegen der Ermordung der Juden
von Dubossary zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.
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„...In
dem Zeitraum zwischen 1.2. und 31.3.1942 fand die zweite mir bekannte Exekution
in der Nähe von Wolkowysk statt. Die Kompanie musste antreten. Ahrens [der
Kompanieführer] forderte 20 Freiwillige für eine beabsichtigte Exekution. Es
meldete sich bei seiner Aufforderung keiner. Ahrens wiederholte seine Forderung.
Erst nach nochmaliger Aufforderung gingen die ersten Arme zaghaft hoch. Die 20
Mann kamen aber nicht zustande, so dass Ahrens sinngemäß sagte: „Wenn es also so
nicht geht, dann muß ich bestimmen.“ Daraufhin ging er an der Front der
angetretenen Kameraden entlang und wählte nach Gutdünken die Leute aus. Als er
in meine Höhe gekommen war, machte ich eine Bewegung des Versteckens, weil ich
unter allen Umständen vermeiden wollte, an einem Exekutionskommando
teilzunehmen. Ahrens hat das sofort erkannt. Er fragte nach meinem Namen, den
ich ihm nannte. Daraufhin teilte er mich zu dem Exekutionskommando ein. Spontan
bat ich ihn, von meiner Teilnahme absehen zu wollen, da ich nicht in der Lage
sei, auf wehrlose Menschen zu schießen. [...]
Ahrens
nannte mich unter anderem eine feige Memme und ähnliches. Er warf mir
unsoldatisches Verhalten vor usw. Erst als Meister Neubauer ihm etwas
zuflüsterte, das ich nicht verstehen konnte, erklärte er sich einverstanden,
mich vom Exekutionskommando freizustellen, aber um mich hart zu machen, befahl
er, dass ich unmittelbar vor dem Loch (Massengrab) Posten zu fassen hatte. Gegen
diesen Befehl habe ich nichts mehr unternommen. Es ging Ahrens vermutlich nur
darum, mir zu zeigen, dass ein Soldat alles tun muß, was ihm befohlen wird.
Abschließend sagte er abfällig: „Der ist ja nicht wert, selbst dahin gestellt zu
werden!“, womit er meine Unbrauchbarkeit für „harte Einsätze“ unterstreichen
wollte.“
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Zeugenaussage von Friedrich Herrmann, Angehöriger des Reservepolizeibataillons
91, über eine Massenerschießung bei Wolkowysk (Belarus) im Februar 1942,
Auszug
aus einer Aufzeichnung, 7. Februar 1963
(BA Ludwigsburg)
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An die Gruppe A in Riga
Betr.: Exekutionen bis zum 1. Februar 1042 durch das EK
[Einsatzkommando] 3.
Bezug: Dortiges Fs Nr. 1331 vom 6.2.42
A.: Juden 136.421
B: Kommunisten 1064 (darunter 1 Kommissar, 1Oberpolitruck , 5 Politruck)
C: Partisanen 56
D: Geisteskranke 653
E: Polen 44, russische Kriegsgefangene 28, Zigeuner 5, Armenier 1
Gesamtzahl: 138,272, darunter Frauen 55.556, Kinder 34464.
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Telegramm des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in Kaunas (Kauen),
Karl Jäger, an die »Einsatzgruppe A«, betreffend die durch das »Einsatzkommando
3« bis zum 1. Februar
1942 durchgeführten Exekutionen, 9. Februar 1942
(RGVA Moskwa)

Anlage zum zweiten Bericht des Führers der
Einsatzgruppe A, Dr. Franz Stahlecker, über die Aktionen der Einsatzgruppe D für
die Zeit vom 16. Oktober 1941 bis 31. Januar 1942
(RGVA Moskwa)
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Das
Massaker von Babij Jar, 29./30. September 1941: Überreste der Kleidung
erschossener Juden.
Als
"Vergeltung" für Anschläge auf die deutsche Besatzungsmacht wurden 33.771
jüdische Einwohner der Stadt Kiew in der nahe gelegenen Schlucht Babij Jar durch
das Sonderkommando 4a und Kräfte der Ordnungspolizei ermordet. |
5.6.
Deutsche Besatzung im östlichen und südöstlichen Europa 1939-1942
5.7.
Serbien 1941:
Judenverfolgung und Besatzungsterror
Unmittelbar nach der Besetzung Serbiens im April 1941 begann die deutsche
Militärverwaltung mit der Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Das deutsche
Besatzungsregime wandte sich mit Gewalt gegen jeglichen Widerstand und schreckte
dabei auch vor Massentötungen von Zivilisten nicht zurück. Zu derartigen
»Sühnemaßnahmen« wurden vorzugsweise jüdische Männer herangezogen, nachdem im
Sommer 1941 Versuche zur Deportation der serbischen Juden gescheitert waren. Im
Rahmen der Niederschlagung des serbischen Aufstandes im Herbst 1941 fielen
mindestens 4.000 männliche Juden und Roma den »Geiselerschießungen« zum Opfer.
Annähernd 7.000 jüdische Frauen und Kinder wurden im KZ Sajmiste bei Belgrad
während des Frühjahrs 1942 durch den Einsatz eines »Gaswagens« ermordet.
Erfassung von männlichen Juden zu
Aufräumungsarbeiten vor der Belgrader Festung Kalemegdan, April 1941,
PK-Foto:
Neubauer
(BA Koblenz)
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„ I.
Juden [...]
§2
Die
Juden haben sich binnen zwei Wochen nach Bekanntgabe dieser Verordnung bei den
serbischen polizeilichen Meldeämtern [...] zu Eintragung in das Judenregister zu
melden. [...]
§3
Die
Juden unterliegen einer Kennzeichnungspflicht. Sie haben am linken Oberarm eine
gelbe Armbinde mit dem Aufdruck „Jude“ zu tragen.
§4
Juden
können nicht Träger eines öffentlichen Amtes sein. Die Entfernung aus den Ämtern
hat durch die serbischen Behörden umgehend zu erfolgen.
§5
Juden
dürfen zum Beruf des Rechtsanwalts, Arztes, Zahnarztes, Tierarztes und
Apothekers nicht zugelassen werden. [...]
§6
Zum
Wiederaufbau der durch den Krieg entstandenen Schäden besteht für alle Juden
beiderlei Geschlechtes im Alter von 14 bis 60 Jahren Arbeitszwang. [...]
§7
Juden
ist der Besuch von Theatern, Kinos, Unterhaltungsstätten aller Art, öffentlichen
Badeanstalten, Sportplätzen und öffentlichen Märkten verboten.
Der
Besuch von Gaststätten ist Juden ebenfalls verboten, soweit nicht bestimmte
Gaststätten durch den Militärbefehlshaber in Serbien für den Besuch von Juden
zugelassen werden. Diese Gaststätten sind besonders zu kennzeichnen.
[...]
II.
Zigeuner
§18
Zigeuner werden den Juden gleichgestellt. Für sie gelten die Bestimmungen dieser
Verordnung entsprechend.“
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Auszug
aus einer Verordnung des Militärbefehlshabers in Serbien, 31. Mai 1941
(BA
Freiburg)
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Handschriftlicher Vermerk des Leiters des
»Judenreferats« im Auswärtigen Amt, Franz Rademacher, über ein Telefongespräch
mit Adolf Eichmann,
13. September 1941
(PAAA Berlin)
Die Marginalie befindet sich auf einem Telegramm des deutschen Gesandten in
Serbien, Felix Benzler, an das Auswärtige Amt vom
12. September 1941 über die vorgesehene Deportation von Juden aus dem serbischen
Internierungslager Sabac.
"Nach Auskunft Sturmbannführer Eichmann (...) Aufnahme in Rußland und
Generalgouvernement unmöglich, nicht einmal die Juden aus Deutschland können
dort untergebracht werden. Eichmann schlägt Erschießen vor."
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Erschießung serbischer Juden durch
Angehörige einer Nachrichteneinheit
der Wehrmacht, vermutlich Oktober 1941, PK-Foto: Baier
(ECPAD Paris)
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„[Ich
habe] in den letzten 8 Tagen 2000 Juden und 200 Zigeuner erschiessen lassen nach
der Quote 1:100 für bestialisch hingemordete deutsche Soldaten. Und weitere
2200, ebenfalls fast nur Juden, werden in den nächsten 8 Tagen erschossen. Eine
schöne Arbeit ist das nicht! Aber immerhin muss es sein, um einmal den Leuten
klar zu machen, was es heisst, einen deutschen Soldaten überhaupt nur
anzugreifen, und zum anderen löst sich die Judenfrage auf die Weise am
schnellsten. Es ist ja eigentlich falsch, wenn man es genau nimmt, dass für
ermordete Deutsche, bei denen ja da Verhältnis 1:100 zu Lasten der Serben gehen
müsste, nun 100 Juden erschossen werden, aber die haben wir nun mal im Lager
gehabt, – schliesslich sind es ja auch serbische Staatsangehörige und sie müssen
ja auch verschwinden.“
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Auszug
aus einem Privatschreiben des Chefs der Militärverwaltung in Serbien, Harald
Turner, an den Höheren SS- und Polizeiführer in Danzig, Richard Hildebrandt,
über die Erschießung männlicher Juden und Roma,
17. Oktober 1941
(StA Nürnberg)
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Schreiben Turners an den Chef des Persönlichen Stabes des Reichsführers SS, Karl
Wolff,
über die Vergasung jüdischer Frauen und Kinder im serbischen KZ Sajmiste,
11. April 1942
(BA Berlin)
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„Im
Interesse der Befriedung wurde durch die deutsche Verwaltung zunächst der
Einfluß der Juden auf die Öffentlichkeit und die serb. Verwaltung und
Wirtschaftsführung ausgeschaltet und die Judenfrage ebenso wie die Zigeunerfrage
völlig liquidiert (Serbien
einziges Land, in dem Judenfrage und Zigeunerfrage gelöst).“
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Auszug
aus einem Vortrag Turners beim Wehrmachtsbefehlshaber »Südost«, Alexander Löhr,
Aufzeichnung, 29. August 1942
(StA Nürnberg)
Text: Florian Dierl
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