Haus der Wannsee-Konferenz
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Dauerausstellung:
"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Raum 2
Rassismus und
Raum 3 Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939 Raum 5 Völkermord in Ost- und Südosteuropa
Raum 6 Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Raum 8 An der Konferenz beteiligte Behörden
Raum 9
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
Raum 11
Raum 12
Raum 13 Konzentrations- und Todeslager
Raum 14
Raum 15 Die Gegenwart der Vergangenheit
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Raum 6 - Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Der Weg zur Vernichtung der Juden in Ost- und Südosteuropa war nicht eindeutig vorgezeichnet. Die Befehlsgeber waren auf die Bereitschaft ihrer Untergebenen zur Ausführung ihrer Anordnungen angewiesen, aber auch auf Unterstützung aus der einheimischen Bevölkerung. Im Verlauf der Verfolgung eröffneten sich den Beteiligten unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten. Wie sie sich verhielten, hing nicht nur von Befehlen und äußeren Zwängen, sondern auch von ihrer Deutung der Situation, ihren Einstellungen und Motiven ab. Die Bereitschaft Einheimischer, mit den deutschen Besatzern zusammenzuarbeiten, variierte nach Region, politisch-ideologischer Orientierung und persönlichen Interessen. Juden wurden manchmal von Nachbarn versteckt, stießen aber meist auf deren Teilnahmslosigkeit und Furcht. Sie waren auch mit Kollaborateuren konfrontiert, die sie denunzierten, beraubten und sich sogar an ihrer Ermordung beteiligten, weil sie Juden hassten, sich deutschen Befehlen fügten und sich von der Beteiligung am Judenmord materielle oder politische Vorteile versprachen. Unter den Deutschen in den Besatzungsgebieten gab es nur wenige, die sich Befehlen zur Mitwirkung an den Morden entzogen oder sich um die Rettung von Juden bemühten. Ihre Handlungen beweisen, dass humanes Verhalten auch unter der nationalsozialistischen Herrschaft möglich und in manchen Fällen erfolgreich war. Die Juden standen den Mordkommandos zunächst wehrlos gegenüber. Doch entwickelte sich vielerorts Widerstand. Um das von den Deutschen geschaffene Elend in den Ghettos zu lindern, wurden Selbsthilfeorganisationen geschaffen. Aktiver Widerstand war durch räumliche und soziale Isolation und den chronischen Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Waffen erschwert. Die Flucht aus den Städten und der Anschluss an Partisanenverbände gelangen nur im Ausnahmefall. Blieb der bewaffnete Widerstand in den Ghettos letztlich ohne Erfolg, so retteten doch ab 1942/43 jüdische Partisaneneinheiten tausenden von Menschen das Leben.
6.1. Deutsche Besatzung im östlichen Europa 1941-1944
6.2. Kollaboration
Nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen aus der damaligen litauischen Hauptstadt Kaunas am 22. Juni 1941 gingen litauische Nationalisten gewaltsam gegen die jüdische Bevölkerung vor. Die Pogrome wurden auch nach der deutschen Besetzung der Stadt am 24. Juni fortgesetzt. Wehrmachtsinstanzen verhielten sich völlig passiv. Auf Weisung Heydrichs ermunterte der Führer der »Einsatzgruppe A«, SS-Brigadeführer Stahlecker, das Vorgehen der Mordkommandos und versuchte zugleich, die litauischen Milizen dem Befehl der deutschen Sicherheitspolizei zu unterstellen. Bei Massakern in der Stadt und in den umliegenden Forts VII und IX kamen bis zum 11. Juli 1941 annähernd 7.800 Juden ums Leben.
Schreiben Heydrichs an die Höheren SS- und Polizeiführer in den besetzten
Ostgebieten
Zeugenbericht des ehemaligen Adjutanten beim Stab der Heeresgruppe Nord, von
Bischoffshausen,
6.3. Zuschauer
6.4. Retter
Am 26.
Juli 1942 - wenige Tage nach Himmlers Weisung, bis Jahresende alle Ghettos in
Polen aufzulösen - versperrten Wehrmachtssoldaten einer Polizeieinheit den
Zugang zum Ghetto in Przemysl und verhinderten so eine geplante Räumungsaktion.
In den folgenden Tagen führten jedoch SS und Polizei die Räumung durch: Mindestens 10.000 Juden wurden in das Todeslager Belzec deportiert oder bereits vor Ort erschossen. Auf Betreiben Himmlers sollte Battel nach Kriegsende aus der NSDAP ausgestoßen und in Haft genommen werden.
6.5. Widerstand
Zwischen 1941 und 1944 bestand im unzugänglichen Waldgebiet von Naliboki (Weißrussland) eine große jüdische Partisanengruppe unter Führung von Anatolij »Tuvia« Bielski und dessen Brüdern. Die Gruppe nahm an Operationen der sowjetischen Partisanenführung teil, konzentrierte sich aber auf die Sicherung des eigenen Überlebens und die Rettung jüdischer Flüchtlinge - hauptsächlich aus dem Ghetto der Stadt Nowogrudok. Die Organisation eines ausgedehnten »Familienlagers« mit improvisiertem Hospital, Schule, Werkstätten und einer Synagoge ermöglichte auch Frauen, Kindern und Alten das Überleben. Nach dem deutschen Rückzug im Sommer 1944 kehrte Bielski mit über 1.200 Geretteten nach Nowogrudok zurück.
Viele ehemalige »Bielski-Partisanen« wanderten nach Kriegsende über Deutschland in die USA und nach Israel aus.
Tuvia Bielski im Interview mit der Soziologin Nechama Tex, Brooklyn, New York 1987.
6.6. Selbstbehauptung
Eugenia Tabaczynska wurde mit ihrer Familie 1940 zwangsweise in das Warschauer Ghetto eingewiesen. Trotz der widrigen Lebensumstände besuchte sie hier das Untergrund-Gymnasium und legte im Frühjahr 1942 ihr Abitur ab. Wie ihre Familienangehörigen arbeitete sie bei der deutschen Firma »Schultz & Co.«, die sie vor den Ghettoräumungsaktionen schützte. Während des Ghettoaufstands im April 1943 fand sie Zuflucht in einem Bunkerversteck auf dem Firmengelände.
(USHMM Washington)
Am 30. April 1943 konnte Eugenia Tabaczynska zusammen mit weiteren Gefährten einen deutschen Soldaten bestechen und auf die „arische“ Seite Warschaus fliehen. Hier half ihr Aleksander Pawlowski mit Unterkunft und Verpflegung. Als christliche Polin getarnt meldete sie sich im August 1944 zum freiwilligen Arbeitseinsatz in das Reich.
Im Reichsarbeitsdienstlager Brieg in Oberschlesien wurde sie im Februar 1945 von sowjetischen Truppen befreit.
Text: Florian Dierl |
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