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Dauerausstellung:
"Die
Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Einführung in die
Ausstellung
Raum 2
Rassismus und
Judenfeindschaft
Raum 3
Integration und
Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
Raum 5
Völkermord in Ost- und
Südosteuropa
Raum 6
Handlungsspielräume unter
deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Juden Europas
Raum 8
An der Konferenz beteiligte
Behörden
Raum 9
Die Wannsee-Konferenz
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945
Raum 11
Deportationen
Raum 12
Die Ghettos
Raum 13
Konzentrations- und
Todeslager
Raum 14
Zwangsarbeit und Tod im KZ
Raum 15
Die Gegenwart der
Vergangenheit
Villa und SD in Wannsee
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7.5.
Ausweitung der Deportationen
Seit den ersten Septembertagen 1941 versuchte
Heinrich Himmler, die Juden aus dem "Großdeutschen Reich" in den Osten zu
deportieren. Am 18. September schrieb er an den Reichsstatthalter im Reichsgau
Wartheland, Hitler habe nun die Deportation von 60.000 Juden befohlen. Diese
sollten in das Ghetto von Litzmannstadt (polnisch Łódż) gelangen, um im folgenden
Frühjahr weiter nach Osten transportiert zu werden. Doch hier, wie auch später
in Minsk und Riga, erhoben die Besatzungsbehörden Einspruch gegen die geplanten
Verschleppungen. Die Juden würden die kriegswichtige Produktion stören, den
Platzmangel verschärfen oder sich mit den Widerstandsbewegungen verbinden.
Dagegen setzte sich Reinhard Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei und des SD
durch. Als Reichsprotektor in Böhmen und Mähren ließ er das Ghetto
Theresienstadt für die tschechischen Juden gründen. Dort sollten sie solange
konzentriert werden, bis weitere Aufnahmeorte gefunden wären. Am Vorabend der
Wannsee-Konferenz waren fast 50.000 Menschen nach Łódż, Minsk, Kaunas und Riga
deportiert worden. Über 6.000 von ihnen waren bereits erschossen worden. Im
Ghetto Theresienstadt lebten Ende Januar 1942 etwa 10.000 Juden. Zwei Transporte
hatten das böhmische Durchgangsghetto in Richtung Riga verlassen.
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Schreiben Himmlers an den Reichsstatthalter Greiser
vom 18. September 1941, wonach gemäß Hitlers Wunsch 60.000 Juden in das Ghetto
nach Litzmannstadt deportiert werden sollten
(BA Berlin)
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Auszug (Seiten 1-3) aus den
Notizen über eine Besprechung am 10. Oktober 1941 in Prag über die
anlaufenden Deportationen und die Gründung von Ghettos für die tschechischen
Juden
(AMV Praha)
Von den hier geplanten zwei Ghettos im Protektorat
wurde nur Theresienstadt eingerichtet.
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Aktennotiz des Generalkommissars in Lettland,
Otto-Heinrich Drechsler, an den vorgesetzten Reichskommissar für das Ostland
über die geplante Ankunft von Juden vom 20. Oktober 1941
(YIVO New York)
Bei dem geplanten Lager bei Riga handelte es sich um
das spätere Polizeihaftlager Salaspils. |
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Protestschreiben des Wehrmachtbefehlshabers
Ostland an den Reichskommissar für das Ostland wegen der Deportationen
nach Minsk vom
20. November 1941
(YIVO New York)
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Zwei Seiten aus dem Rechenschaftsbericht des
Chefs des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A vom
1. Dezember 1941
über Massenerschießungen in Litauen. Dort sind unter dem 25. und 29.
November 1941 die Erschießungen von Juden aus Berlin, Breslau, Frankfurt
am Main, München und Wien erwähnt
(RGVA Moskwa) |
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"Sämtliche Juden der Generalkommissariate Litauen und Lettland sind
jetzt restlos in Ghettos untergebracht. Die Juden des Rigaer Ghettos,
die von Wehrmachts- und Zivilbehörden als Arbeitskräfte benutzt werden,
dürfen nicht mehr frei zur Arbeitsstätte gehen, sondern müssen von den
anfordernden Dienststellen geschlossen morgens vom Ghetto abgeholt
werden, unter Bewachung zu ihrem Arbeitsplatz geführt und abends
geschlossen wieder in das Ghetto zurückgebracht werden. Für die Aufnahme
der aus dem Reich ankommenden Judentransporte ist sowohl in Minsk als
auch in Riga alles vorbereitet. Der erste in Minsk angekommene
Transport, der sich aus Hamburger Juden zusammensetzte, traf am
10.11.1941 ein. Am gleichen Tage wurde den Juden im Ghetto Quartier
angewiesen. Es konnte beobachtet werden, daß die Juden sich z. T. ein
völlig falsches Bild über ihre Zukunft machten, z. B. daß sie sich als
Pioniere fühlten, die zur Kolonisierung des Ostens eingesetzt werden.
Die ersten 5 Transporte, die nach Riga kommen sollten, wurden nach Kauen
geleitet. Das Rigaer Lager, das zur Aufnahme von rd. 25.000 Juden dienen
soll, ist z. Zt. im Entstehen und wird in kürzester Zeit fertiggestellt
sein.
Der Höhere SS- und Polizeiführer in Riga,
SS-Obergruppenführer Jeckeln, hat inzwischen eine Erschießungsaktion in
Angriff genommen und am Sonntag, den 30.11.41 ca. 4.000 Juden des Rigaer
Ghettos und eines Evakuierungstransportes aus dem Reich beseitigt."
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Auszug aus der Ereignismeldung
UdSSR Nr. 151 vom 5. Januar 1942
(BA Berlin)
Während hier über den Mord an
den Juden in Kaunas nichts geäußert wurde, zeigt der Bericht, dass die
Juden des Deportationstransportes aus Berlin nach Ankunft in Riga am 30.
November 1941 erschossen wurden.
7.6.
Gespräche im Dezember 1941
Im Dezember 1941 kam es zu einer Reihe von
Konferenzen und Gesprächen, bei denen Hitler und Himmler kaum mehr verhüllt vom
Massenmord an den europäischen Juden sprachen. Hitler hatte mit seiner
Kriegserklärung an die USA den Krieg zum Weltkrieg ausgeweitet. Er schuf damit
selbst eine entscheidende Voraussetzung für die Erfüllung seiner 1939
ausgesprochenen Prophezeiung, die Juden als angebliche Urheber des neuen
Weltkrieges ermorden zu lassen. Heinrich Himmler berief sich in späteren
Äußerungen immer wieder auf einen ihm von Hitler gegebenen Befehl.
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"Bezüglich der Judenfrage ist der Führer entschlossen, reinen Tisch zu
machen. Er hat den Juden prophezeit, daß, wenn sie noch einmal einen
Weltkrieg herbeiführen würden, sie dabei ihre Vernichtung erleben
würden. Das ist keine Phrase gewesen. Der Weltkrieg ist da, die
Vernichtung des Judentums muß die notwendige Folge sein."
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Eintrag im Tagebuch von Joseph Goebbels am 13.
Dezember 1941
(Goebbels, Tagebücher)
Goebbels war als Gauleiter Berlins einen Tag zuvor
auf der Reichs- und Gauleitertagung anwesend gewesen.
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Himmlers Dienstkalenderblatt vom 12.12.1941
(RGVA Moskwa)
"12.15 SS Gr.F. Greifelt Südtiroler Problem
13 h Seyss-Inquart Vereidigung Mussert. Lage in den Niederlanden"
Um 16 Uhr fand die Reichs- und Gauleitertagung in
den privaten Räumen
Hitlers in der Reichskanzlei statt. Hitler kündigte dort die Vernichtung der
europäischen Juden an |
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Schreiben Himmlers an seinen Verbindungsführer zum
Ostministerium,
Gottlob Berger, vom 28. Juli 1942
"Ich lasse dringend bitten, daß keine
Verordnung über den Begriff 'Jude' herauskommt..."
► Dokument als
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"Mit den Juden - das will ich Ihnen auch ganz offen sagen - muß so oder
so Schluß gemacht werden. Der Führer sprach einmal das Wort aus: wenn es
der vereinigten Judenschaft wieder gelingen wird, einen Weltkrieg zu
entfesseln, dann werden die Blutopfer nicht nur von den in den Krieg
gehetzten Völkern gebracht werden, sondern dann wird der Jude in Europa
sein Ende gefunden haben. [...] Ich werde daher den Juden
gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie
verschwinden. Sie müssen weg. Ich habe Verhandlungen zu dem Zwecke
angeknüpft, sie nach dem Osten abzuschieben. Im Januar findet über diese
Frage eine große Besprechung in Berlin statt, zu der ich Staatssekretär
Dr. Bühler entsenden werde. Diese Besprechung soll im
Reichssicherheitshauptamt bei SS-Obergruppenführer Heydrich gehalten
werden. Jedenfalls wird eine große jüdische Wanderung einsetzen. Aber
was soll mit den Juden geschehen? Glauben Sie, man wird sie im Osten in
Siedlungsdörfern unterbringen? Man hat uns in Berlin gesagt: weshalb
macht man diese Scherereien; wir können im Ostland oder im
Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen, liquidiert sie
selber! Meine Herren, ich muß Sie bitten, sich gegen alle
Mitleidserwägungen zu wappnen. Wir müssen die Juden vernichten, wo immer
wir sie treffen oder wo es irgend möglich ist, um das Gesamtgefüge des
Reiches hier aufrecht zu erhalten. [...] Die Juden sind auch für uns
außergewöhnlich schädliche Fresser. Wir haben im Generalgouvernement
schätzungsweise 2, 5, vielleicht mit den jüdisch versippten und dem, was
alles daran hängt, jetzt 3,5 Millionen Juden. Diese 3,5 Millionen Juden
können wir nicht erschießen, wir können sie nicht vergiften, werden aber
doch Eingriffe vornehmen können, die irgendwie zu einem
Vernichtungserfolg führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich
her zu besprechenden großen Maßnahmen."
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Auszüge aus einer Rede des
Generalgouverneurs Hans Frank während einer Regierungssitzung in Krakau
am 16. Dezember 1941
(Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in
Polen 1939-1945)
7.7.
Die deutsche Öffentlichkeit und der Massenmord an den Juden 1941
Seit dem Spätsommer wurden der deutschen Bevölkerung
immer wieder Hinweise auf eine mörderische Verfolgung der Juden in Osteuropa
gegeben. Hitlers Vernichtungsdrohung vom Januar 1939 hing nun als Schmuckblatt
an öffentlichen Plätzen. Der Propagandaminister rechtfertigte die Durchführung
der Vernichtung in einem Leitartikel auf der ersten Seite der bekanntesten
Wochenzeitung. In einer Kabarettrevue wurden vieldeutige Witze gemacht.
Antisemitische Wochenschauberichte blieben nicht ohne Wirkung.
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Anfang des Leitartikels
"Die Juden sind schuld!"
von Joseph Goebbels in der
Wochenzeitung "Das Reich"
vom 16. November 1941 |
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Hitlers Prophezeiung vom 30. Januar 1939 als
kalligraphisch gestaltetes Schmuckblatt.
Wochenlosung der NSDAP für die Woche vom
7. bis 13. September 1941
(GHWK)
"Wenn es dem internationalen Finanzjudentum gelingen sollte, die Völker noch
einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht der Sieg des
Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa"
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*pdf-Datei (78 KB) |
Text: Peter Klein
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