Haus der Wannsee-Konferenz


 

 


Dauerausstellung:

 

"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"


 

 

 

 

Einführung in die Ausstellung

 

Raum 2

Rassismus und
Judenfeindschaft

 

Raum 3

Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik

 

Raum 4

Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939
 

Raum 5

Völkermord in Ost- und Südosteuropa

 

Raum 6

Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung

 

Raum 7

Der Weg zum Massenmord an den
Juden Europas

 

Raum 8

An der Konferenz beteiligte Behörden

 

Raum 9

Die Wannsee-Konferenz

 

Raum 10

Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
nach 1945

 

Raum 11

Deportationen

 

Raum 12

Die Ghettos

 

Raum 13

Konzentrations- und Todeslager

 

Raum 14

Zwangsarbeit und Tod im KZ

 

Raum 15

Die Gegenwart der Vergangenheit

 

Villa und SD in Wannsee

 

 

 

 

Raum 7  -  Der Weg zum Massenmord an den Juden Europas

 

 

 

Seit den frühen zwanziger Jahren hatte Hitler einen Antisemitismus propagiert, der darauf zielte, sich der Juden mit Gewalt zu entledigen. Doch erst seit dem Überfall auf Polen begannen sich Hitlers Phantasien mit realen Möglichkeiten der Verschleppung und des Mordes zu decken. Diese Vorhaben wurden von den Vertretern untergeordneter Besatzungsinstanzen in der Regel aktiv unterstützt. Dennoch scheiterten die Versuche zur Deportation polnischer, tschechischer, deutscher und österreichischer Juden. Im Sommer 1941 bot der Angriff auf die Sowjetunion den nationalsozialistischen Antisemiten neue Möglichkeiten. Verschiedene Polizeiverbände ermordeten Juden hinter der Front in Massenerschießungsaktionen. Gleichzeitig wurden Pläne entwickelt, auch Juden aus dem Westen dorthin zu deportieren. Hierfür war die Sicherheitspolizei unter Reinhard Heydrich zuständig. Viele der von Oktober 1941 bis zum Vorabend der Wannsee-Konferenz aus Deutschland, Wien, Prag und Luxemburg Verschleppten wurden an den Zielorten sofort erschossen. Die meisten wurden in Ghettos eingewiesen. Im selben Zeitraum wurde mit der Errichtung von kleinen Vernichtungsstätten begonnen. Im Januar 1942 verfügten die Mörder über Erfahrungen bei Massentötungen mit Dieselabgasen im Vernichtungslager nahe der Ortschaft Chełmno (Kulmhof). Im KZ Auschwitz hatten sie arbeitsunfähige Juden und sowjetische Kriegsgefangene mit dem Schädlingsgift Zyklon-B getötet.

 

 

 

7.1.

Hitlers Antisemitismus und die Weltkriege

 

Schon in seinem Buch "Mein Kampf" hatte Hitler behauptet, Deutschland hätte den Ersten Weltkrieg gewinnen können, wenn man tausende von Juden dem Giftgas so ausgesetzt hätte, wie es deutsche Soldaten an der Front hatten erfahren müssen. Fast zwanzig Jahre später wollte er die Deutschen angesichts der militärischen Niederlage auf einen fortdauernden Kampf gegen alle Juden verpflichten. Zwischen beiden Äußerungen aus den Jahren 1927 und 1945 begingen die Nationalsozialisten und ihre Helfer im Zweiten Weltkrieg einen auf vollständige Vernichtung zielenden Völkermord an den Juden Europas, der etwa sechs Millionen Menschen das Leben kostete.

 

 


"Kampf der Teufelsmacht, die Deutschland in dieses Elend hineingestürzt, Kampf dem Marxismus sowie dem geistigen Träger dieser Weltpest und Seuche, dem Juden. Kampf nicht nach bürgerlichem Muster, 'vorsichtig', damit er nicht zu wehe tut. Nein, und nochmals nein! Als wir uns damals zu dieser neuen Bewegung zusammenschlossen, waren wir uns klar, dass es in diesem Ringen nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder der Feind geht über unsere Leiche oder wir über die seine."
 

Aus Hitlers Rede am 27. Februar 1925 (Hitler, Aufzeichnungen)
 

Veranstaltungsplakat "Deutschlands Zukunft und unsere Bewegung", 1925

Veranstaltungsplakat


"Deutschlands Zukunft und unsere Bewegung"


Februar 1925

 

 

 


"Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätte vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet."
 

Adolf Hitler, Mein Kampf, Band 2, München 1927

 

 

 

"Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und ausserhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa."

 

Aus Hitlers Reichstagsrede am 30. Januar 1939
 

 


"Ich habe aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, dass, wenn die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden, dann auch jenes Volk mit zur Verantwortung gezogen werden wird, das der eigentlich Schuldige an diesem mörderischen Ringen ist: Das Judentum!"
 

Adolf Hitler, Mein politisches Testament, 29. April 1945 (NA Washington D.C.)
 

 

 

7.2.

Organisierter Terror gegen Juden

 

Die Besetzung Polens 1939 und der westlichen Sowjetunion 1941 nutzten die deutschen Besatzer, um zunächst die dort lebenden Juden auszubeuten, zu verschleppen und zu ermorden. Vor Ort herrschte bereits kurz nach dem Einmarsch eine Atmosphäre der permanenten Gewalt gegen Juden. Diese wurde von deutschen Behörden der Militär-, Polizei- und Zivilverwaltung aus eigener Initiative erzeugt. Eine Vielzahl deutscher Täter setzte die verbrecherischen Vorgaben gegen Juden bereitwillig um.

 

 

 

"Bei den Juden nicht viel Federlesens. Eine Freude, endlich einmal die jüdische Rasse körperlich angehen zu können. Je mehr sterben, umso besser; ihn [den Juden] zu treffen ist ein Sieg unseres Reiches."

 

Aus einer Rede des deutschen Generalgouverneurs in Polen, Hans Frank, vor Distriktshauptleuten in Radom
am 25. November 1939
(AZIH Warszawa)

 

 

 

"Zu welchen Zeitpunkten und mit welchen Mitteln das Ghetto und damit die Stadt Lodsch von Juden gesäubert wird, behalte ich mir vor. Endziel muss jedenfalls sein, dass wir diese Pestbeule restlos ausbrennen."

 

Aus einem Rundschreiben des Regierungspräsidenten im Warthegau, Friedrich Uebelhoer, an alle Kommunalbehörden, Militär- sowie Polizeidienststellen in Lodsch vom 10. Dezember 1939
(Dokumenty i Materiały, Bd. III)

 

"Lodsch" war die Eindeutschung des Namens der polnischen Großstadt Łódż. Am 11. April 1940 wurde sie in "Litzmannstadt" umbenannt.

 

 

 

"Es besteht in diesem Winter die Gefahr, dass die Juden nicht mehr sämtlich ernährt werden können. Es ist ernsthaft zu erwägen, ob es nicht die humanste Lösung ist, die Juden, soweit sie nicht arbeitseinsatzfähig sind, durch irgendein schnellwirkendes Mittel zu erledigen. Auf jeden Fall wäre dies angenehmer, als sie verhungern zu lassen."

 

Aus einem Schreiben des Führers des SD-Leitabschnittes Posen, Rolf-Heinz Höppner, an Adolf Eichmann
vom 16. Juli 1941
(Biuletyn Głównej Komisji, Bd. XIII)

 

 


"Wenn in einem Dorfe ein Sabotageakt ausgeführt wurde und man vernichtet sämtliche Juden in diesem Dorfe, so kann man sicher sein, dass man den Täter oder wenigstens den Urheber vernichtet hat."

 

Aus dem Lagebericht des Kommandanten in Weißruthenien in der Zeit vom 1.-15. Oktober 1941,
Generalmajor Gustav Freiherr von Bechtolsheim, vom 19. Oktober 1941
(NIAB Minsk)

 

 

 

7.3.

Erste Deportationsmaßnahmen

 

Deutsche, österreichische, tschechische, polnische und französische Juden wurden in der Zeit zwischen den Überfällen auf Polen und die Sowjetunion immer wieder Opfer von Deportationen. Diese Verschleppungen waren die radikalisierte Fortsetzung der Politik der Vertreibung aus dem Reich, sie dienten aber auch der Eindeutschung neuer Grenzgebiete. Letztlich sollten sie die Opfer in so genannten Judenreservaten isolieren.

In diesem Zeitraum waren noch an keinem der Ankunftsorte im besetzten Polen oder in Frankreich Massenmordaktionen gegen die Deportierten geplant. Doch blieben die dorthin Verschleppten unter katastrophalen Verhältnissen sich selbst überlassen.

 

Abtransport von Juden aus Kattowitz und Umgebung    Abtransport von Juden aus Kattowitz und Umgebung

 

Vermerk über eine Besprechung am 9. Oktober 1939 zwischen Adolf Eichmann, dem örtlichen Wehrmachtsvertreter und dem Chef der Zivilverwaltung in Kattowitz betr. Abtransport von Juden aus Kattowitz und Umgebung
(BA Berlin)

 

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...Ich habe an die SS-Gruppenführer Frank, Kaltenbrunner und Rodenbücher die Anweisung gegeben, dass bis auf weiteres wegen der technischen Schwierigkeiten die Abschiebung von Juden verboten ist und dass die Abschiebung nur auf meine Anweisung hin erfolgen kann.

Heinrich Himmler

 

Auszug aus dem Schreiben Himmlers an Gauleiter Bürckel in Wien betr. Unterbrechung der Transporte
vom 9. November 1939

 

 

Deportation von 1.200 Juden aus Stettin

Staatspolizeiliche Verfügung. Stettin, den 12. Februar 1940
(RGVA Moskwa)
 

Etwa 1.200 Juden aus Stettin wurden noch am selben Tag in den Distrikt Lublin deportiert.

 

 

Abtransport der Juden aus Stettin vom 23.02.1040   Abtransport der Juden aus Stettin vom 23.02.1040

 

Schreiben des Wehrkreisbefehlshabers Stettin an das Oberkommando des Heeres betr. Abtransport der Juden aus Stettin vom 23.Februar 1940
(BA Freiburg)

 

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Bericht über die Deportation der Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland
vom 30. Oktober 1940, Seite 1.
(PAAA Berlin)

 

Etwa 7.500 Juden waren von dieser Aktion betroffen.

 

7.4.

Die Rolle Reinhard Heydrichs

 

Seit Januar 1939 war der Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes einer der wichtigsten Entscheidungsträger beim Vorgehen gegen die Juden. Reinhard Heydrich nutzte diese neue Kompetenz zunächst zur Beschleunigung der Auswanderung und Vertreibung von Juden aus Deutschland und Österreich. Auch in die späteren Räumungs- und Reservatspläne schaltete er sich ein. Im Frühjahr 1941 zeichnete sich ab, dass der Krieg gegen die Sowjetunion neue Aufnahmeräume für Judentransporte bieten würde.

 

Heydrich und Karl Hermann Frank, Herbst 1941

Nach dem Überfall ließ sich Heydrich seine Vollmachten von Göring noch einmal bestätigen.

Seit dem Sommer 1941 war er nicht nur der Verantwortliche für die Massenmorde der Einsatzgruppen, sondern auch der Koordinator künftiger Deportationen in die besetzten Gebiete.

Mit seiner Ernennung zum Stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren war

Heydrich zusätzlich für das Schicksal der tschechischen Juden verantwortlich.
 



Reinhard Heydrich während einer Rede auf dem Hradschin in Prag, rechts der Höhere SS- und Polizeiführer Karl Hermann Frank, Herbst 1941

 

 

Schreiben Heydrichs an den Reichsaußenminister betr. Reichszentrale für jüdische Auswanderung vom 30. Januar 1939

Schreiben Heydrichs an den Reichsaußenminister betr. Reichszentrale für jüdische Auswanderung vom 30. Januar 1939
(PAAA Berlin)

 

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Heydrich meldete die Einrichtung der Behörde und die Einsetzung Heinrich Müllers als Geschäftsführer.

 

 

Heinrich Himmler, Erich von dem Bach-Zelewski

Reichsführer SS Heinrich Himmler (vorn links) besucht den Höheren SS- und Polizeiführer  Russland-Mitte, Erich von dem Bach-Zelewski (Mitte hinten) in Minsk,
15. August 1941
(BStU Berlin)

 

 

Errichtung, Sonderreferat zur zentralen Bearbeitung von Räumungsaktionen, 1939

Am 21. Dezember 1939 benachrichtigte Heydrich die Vertreter der Polizei in den östlichen Grenzgebieten und im besetzten Polen, dass er ein Sonderreferat zur zentralen Bearbeitung von Räumungsaktionen gebildet habe. Zu dessen Leiter wurde Adolf Eichmann ernannt.

(Biuletyn Głównej Komisji, Bd. XII)

 

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Schreiben Heydrichs an den Reichsaußenminister vom 24. Juni 1940, wonach er bei Besprechungen über eine "territoriale Endlösung", 24. Juni 1940

Schreiben Heydrichs an den Reichsaußenminister vom 24. Juni 1940, wonach er bei Besprechungen über eine "territoriale Endlösung" beteiligt werden wollte
(PAAA Berlin)

 

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Im Auswärtigen Amt wurde zu dieser Zeit die Insel Madagaskar als Deportationsziel für die Juden im deutschen Machtbereich ausgesucht.

 

 

Schreiben Görings an Heydrich mit der Beauftragung zur "Endlösung", Juli 1941

Am 31. Juli 1941 ließ sich Reinhard Heydrich die Beauftragung zur Planung einer Endlösung der Judenfrage im europäischen Machtbereich von Hermann Göring schriftlich bestätigen 
(BA Berlin)

 

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"Wochenspruch der NSDAP"

"Wochenspruch der NSDAP:

Führer in Deinen Händen liegt das Schicksal von Millionen,

die in Deinem Herzen wohnen,

denen Du ein Glaube ist. Führe uns!"
Litzmannstädter Zeitung, Sonntag, den 2. Juni 1940, S. 6

 

 

 

 


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