Haus der Wannsee-Konferenz
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Dauerausstellung:
"Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden"
Raum 2
Rassismus und
Raum 3 Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4
Rassistische Politik und
Judenverfolgung in Deutschland 1933 – 1939 Raum 5 Völkermord in Ost- und Südosteuropa
Raum 6 Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Raum 7
Der Weg zum Massenmord an
den
Raum 8 An der Konferenz beteiligte Behörden
Raum 9
Raum 10
Konferenz-Teilnehmer und Protokoll
Raum 11
Raum 12
Raum 13 Konzentrations- und Todeslager
Raum 14
Raum 15 Die Gegenwart der Vergangenheit
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Raum 9 - Die Wannsee-Konferenz
In diesem Raum – dem Speisezimmer der Villa – fand auf Einladung des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD Reinhard Heydrich am Mittag des 20. Januar 1942 eine etwa 90 Minuten dauernde Besprechung von Vertretern der SS, der NSDAP und verschiedener Reichsministerien statt. Das Thema war die “Endlösung der Judenfrage”. Heydrichs Ziele waren die Durchsetzung seiner Führungsrolle bei den Deportationen und die Einbeziehung wichtiger Ministerien und Parteiämter in die Vorbereitungen zur Ermordung der europäischen Juden. Gleichzeitig sollten Konflikte zwischen den zivilen deutschen Besatzungsverwaltungen in Polen und im „Ostland“ und den dortigen SS-Führern ausgeräumt werden. Die Teilnehmer sicherten die volle Kooperation ihrer Ministerien und Ämter zu. Damit wurde die Leitungsebene des gesamten deutschen Staatsapparats zum Mitwisser und Mittäter.
Das Ergebnis der Besprechung fasste der Leiter des Judenreferats der Gestapo Adolf Eichmann in einem Protokoll zusammen. Demzufolge eröffnete Heydrich den Teilnehmern, dass auf der Grundlage einer “vorherigen Genehmigung” Hitlers nunmehr die Deportation aller europäischen Juden nach Osteuropa stattfände. Die Teilnehmer diskutierten nur Einzelfragen. Der umstrittene Punkt war die Frage der Einbeziehung von so genannten “Mischlingen” (Personen mit christlichen und jüdischen Eltern- bzw. Großelternteilen) in die Deportationen sowie der jüdischen Partner in „Mischehen”. Heydrichs überfallartiger Versuch der Ausweitung von Deportationen auf diesen Personenkreis scheiterte. Die Klärung dieser Frage wurde auf spätere Konferenzen vertagt.
Aus dem Konferenzprotokoll kann geschlossen werden, dass vor dem Konferenztermin an höchster Stelle entschieden worden war, den bereits seit Juni 1941 stattfindende Massenmord mittels Deportationen zu einem systematischen Völkermord an allen europäischen Juden auszuweiten.
9.1. Der Auftrag zur Planung des Völkermords an den europäischen Juden
Seit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde die dortige jüdische Bevölkerung von den „Einsatzgruppen“ des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) ermordet. Dafür und für weitergehende Pläne suchte Heydrich nach einer schriftlichen Legitimation, die gewichtiger war als der Auftrag durch den Reichsführer SS Heinrich Himmler. Am Abend des 31. Juli 1941 legte er ein in seinem Amt verfasstes Schriftstück Hermann Göring zur Unterzeichnung vor. Göring hatte Heydrich bereits im Januar 1939 zum Leiter der Zwangsauswanderung ernannt. Göring stand an zweiter Stelle der NS-Hierarchie. Adolf Hitler hatte ihn mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet. Dazu gehörte auch die Koordination aller antijüdischen Maßnahmen. Mit Görings Unterschrift wurde Heydrichs Rolle als Chef der Planung des monströsen Mordprogramms bestätigt. Die Formulierung ermächtigt Heydrich zur Weiterentwicklung „der Gesamtlösung“ entsprechend „den Zeitverhältnissen“.
Heydrich verwendete dieses Dokument gegenüber anderen Behörden und innerhalb der SS zur Legitimierung seiner eigenen Führungsrolle bei der “Endlösung der Judenfrage” (Tarnbezeichnung für Deportation und Ermordung aller europäischen Juden, “Evakuierung” bedeutete Deportation). Alle per Rundschreiben am 29. November 1941 zur Konferenz eingeladenen Teilnehmer erhielten eine Kopie dieser Ermächtigung. Unmittelbar nach der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 schickte Heydrich Kopien an die regionale Führung von Sicherheitspolizei (Sipo), Sicherheitsdienst der SS (SD) und Einsatzgruppen. Von dort aus gingen Abschriften an die lokalen Kommandeure von Sipo und SD.
9.2. Die Teilnehmer der Wannsee Konferenz
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Unmittelbar nach der Konferenz: Die Vorbereitung der Deportationen
Ende Januar 1942 wies Adolf Eichmann per Schnellbrief alle betreffenden Dienststellen im Deutschen Reich an, die Deportation der Juden vorzubereiten. Eichmann listete detailliert den zu deportierenden Personenkreis auf und nannte die von der Deportation vorerst Auszunehmenden - entsprechend der Ersten Verordnung zum Staatsbürgergesetz von 1935. Mit diesem Schreiben Eichmanns, das auf dem Besprechungsergebnis der Wannsee-Konferenz beruht und das dortige Scheitern Heydrichs hinsichtlich der Ausweitung des Kreises der zu Deportierenden berücksichtigt, begannen die Vorbereitungen für die systematische Deportation.
Auf zwei Folgekonferenzen unter Leitung von Eichmann verhandelten am 6. März 1942 und am 27. Oktober 1942 „Judenreferenten“ und Experten von einberufenen Arbeitsgruppen über den Weg einer „Lösung der Mischlingsfrage“ durch Sterilisation sowie über formaljuristisch ‚korrekte’ Wege zur Zwangsscheidung von „Mischehen“. Da sich Hitler bis zum Kriegsende nicht zu einer Entscheidung durchringen konnte, fanden die geplanten äußerst radikalen Maßnahmen im Reichsgebiet nicht statt. Diese Rücksichten wurden in den besetzten Ländern nicht geübt.
Schnellbrief
Eichmanns vom 31. Januar 1942 zur Vorbereitung der Deportationen aus dem
Deutschen Reich
► Dokument als *.pdf-Datei (765 KB)
Vermerk von Franz
Rademacher, Leiter des Judenreferats im Auswärtigen Amt, über die
Nachfolgekonferenz vom 6. März 1942 im RSHA unter Leitung Adolf Eichmanns
Text: Dr. Norbert
Kampe
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