Dauerausstellung  -  Raum 9
Die Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz  -  Teil 2

 

 


Die Teilnehmer an der Konferenz

        -  Dr. Josef Bühler

Dr. Georg Leibbrandt

        -  Adolf Eichmann

Martin Luther

        -  Dr. Roland Freisler

Dr. Alfred Meyer

        -  Reinhard Heydrich

Heinrich Müller

        -  Otto Hofmann

Erich Neumann

        -  Dr. Gerhard Klopfer

Dr. Eberhard Schöngarth

        -  Wilhelm Kritzinger

Dr. Wilhelm Stuckart

        -  Dr. Rudolf Lange

               



Dr. Georg Leibbrandt (1899 - 1982)

Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete
Ministerialdirektor

Dr. Georg Leibbrandt (1899-1982)

 

Von 1941 bis 1943 unterstanden Leibbrandt die Abteilungen Allgemeine Politik, Ukraine, Ostland, Kaukasus, Russland sowie Presse und Kultur. In dieser Funktion war er in hohem Maße in den Völkermord an den Juden einbezogen. Bereits im Oktober 1941 nahm Leibbrandt an einer Besprechung mit Heydrich teil, in der über die Einbeziehung aller Juden in das Vernichtungsprogramm beraten wurde. Zwei Tage nach der Wannsee-Konferenz lud er zu einer Dienstbesprechung über die Definition des Begriffs „Jude" in den „Ostgebieten" ein.

 

Geboren in Hoffnungsfeld bei Odessa, Gymnasium in Dorpat und Odessa. Nach der Revolution Flucht nach Berlin. Ab 1920 Studium der Theologie, Philosophie und Volkswirtschaft in Tübingen und Leipzig. Studienreisen nach Paris, London, in die UdSSR und USA. 1927 Promotion zum Dr. phil. 1933 Eintritt in die NSDAP. Im Außenpolitischen Amt der NSDAP Leiter der Ostabteilung. Danach zuständig für antikommunistische und antisowjetische Propaganda. 1938 Beisitzer am Volksgerichtshof. Juli 1941 Leiter der Hauptabteilung I (Politik) im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete. Im Sommer 1943 Meldung zum Dienst in der Kriegsmarine. 1945 Internierung, 1949 entlassen. Januar 1950 Voruntersuchung durch das Landgericht Nürnberg‑Fürth, eingestellt im August 1950.

 


Martin Luther (1895 - 1945)

Unterstaatssekretär
Auswärtiges Amt

Martin Luther (1895-1945)

 

Luther war von 1940 bis 1943 als Leiter der Abteilung D (Deutschland) verantwortlich für die Zusammenarbeit mit Himmler und dem RSHA sowie für das Ressort D III („Judenfrage, Rassenpolitik; Information der Auslandsvertretungen über wichtige innenpolitische Vorgänge"). Durch seine intensive Zusammenarbeit mit der Dienststelle Adolf Eichmanns machte Luther die Abteilung D zu einer der beteiligten Behörden der „Endlösung". In der Folge bestand der Beitrag des Auswärtigen Amtes zum Völkermord vor allem darin, die Deportationen aus besetzten und befreundeten Ländern diplomatisch vorzubereiten und abzusichern. Auf der Wannsee-Konferenz empfahl Luther, nordische Länder in Anbetracht geringer „Judenzahlen" und zu erwartender Schwierigkeiten vorerst zurückzustellen und sich auf den Südosten und Westen Europas zu konzentrieren.

 

Geboren in Berlin. Ohne höheren Schulabschluß.1914 Kriegsfreiwilliger, 1918 Leutnant. Anschließend Möbelspediteur. März 1932 Eintritt in die NSDAP, 1933/34 Leiter der Wirtschaftsberatungsstelle in Berlin, 1936 Leiter der Parteiberatungsstelle beim Beauftragten der NSDAP für außenpolitische Fragen Joachim von Ribbentrop. Nach dessen Ernennung zum Außenminister 1938 Leiter des Sonderreferats NSDAP im Auswärtigen Amt. 1941 Ministerialdirektor mit der Amtsbezeichnung „Unterstaatssekretär“. Wegen des Versuchs, Ribbentrop zu stürzen, am 16. Februar 1943 entlassen und im KZ Sachsenhausen als „privilegierter Schutzhäftling“ inhaftiert. Von der Roten Armee befreit, starb Luther einen Monat später in Berlin.

 


Dr. Alfred Meyer (1891 - 1945)

Staatssekretär
Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete

Dr. Alfred Meyer (1891-1945)

 

Als Stellvertreter des Ministers Alfred Rosenberg übte Meyer vom Sommer 1941 bis November 1942 die Funktion eines Staatssekretärs aus und war verantwortlich für die drei Hauptabteilungen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich an der Ausbeutung und Plünderung der besetzten sowjetischen Gebiete, der Unterdrückung und Ermordung ihrer Bewohner, besonders der jüdischen Bevölkerung. Zur Wannsee-Konferenz war Meyer eingeladen, weil im Verwaltungsgebiet seines Ministeriums der Völkermord an den Juden durch die Einsatzgruppen bereits begonnen hatte. In Wannsee forderte Meyer, „gewisse vorbereitende Arbeiten" jeweils an Ort und Stelle durchzuführen, ohne jedoch die Bevölkerung zu beunruhigen. Im Juli 1942 schlug er vor, in der Sowjetunion gegen „Mischlinge" die selben Maßnahmen wie gegen Juden zu treffen.

 

In einem evangelischen Elternhaus in Göttingen als Sohn eines Regierungs‑ und Baurates geboren. 1911 Abitur . 1912 Fahnenjunker, 1914 Kompanie‑, später Bataillonschef, 1917 französische Kriegsgefangenschaft, 1920 als Hauptmann entlassen. Kaufmännischer Angestellter und Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Nationalökonomie, 1922 Promotion zum Dr. rer. pol. 1923 bis 1930 juristischer Referent auf einer Gelsenkirchener Zeche. 1928 Eintritt in die NSDAP und Ortsgruppenleiter, 1929/30 Leiter des Bezirks Emscher‑Lippe. September 1930 Mitglied des Reichstages, 1931 NSDAP‑Gauleiter in Westfalen‑Nord. Mai 1933 Reichsstatthalter von Lippe und Schaumburg‑Lippe, 1936 Führer der lippischen Landesregierung. 1938 Oberpräsident der Provinz Westfalen und SA‑Obergruppenführer. Ab November 1942 Reichsverteidigungskommissar Gau Westfalen-Nord. Ende April 1945 Selbstmord.

 


Heinrich Müller (1900 - ? )

Reichssicherheitshauptamt
Chef Amt IV

Heinrich Müller (1900 - ?)

 

Als Leiter der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war Müller an nahezu allen Verbrechenskomplexen führend beteiligt, die im RSHA geplant, vorbereitet und organisiert wurden. Ab Anfang September 1939 gab er Anweisungen zur „Sonderbehandlung" (Ermordung) politischer Gegner. Ihm unterstand auch das von Eichmann geleitete „Judenreferat". An der Planung und Ausführung des Völkermords an den Juden in der Sowjetunion war er bis ins Detail beteiligt. Müller formulierte in Heydrichs Auftrag Befehle an die Einsatzgruppen und war für die Abfassung der „Ereignismeldungen" zuständig, zu denen die Berichte der Einsatzgruppen zusammengefasst wurden. Müller war einer der mächtigsten „Schreibtischtäter“ des NS-Regimes.

 

Geboren in München in einer katholischen Familie, Vater Gendarmeriebeamter. Mittelschule, Flugzeugmonteurlehre. 1917 Kriegsfreiwilliger, 1919 als Unteroffizier entlassen. Ausbildung bei der Polizeidirektion München, 1929 Polizeisekretär in der Münchner Politischen Polizei mit Einsatz gegen kommunistische Organisationen. 1934 Eintritt in die SS. Versetzung zum Geheimen Staatspolizeiamt nach Berlin, 1936 stellvertretender Chef des Amtes Politische Polizei im Hauptamt Sicherheitspolizei. Ende 1938 Eintritt in die NSDAP. 1939 Geschäftsführer der Reichszentrale für jüdische Auswanderung, ab Oktober 1939 Chef des Amtes IV (Gestapo) des RSHA im Rang eines SS-Gruppenführers und Generalleutnants der Polizei. Seit Ende April 1945 verschollen.

 


Erich Neumann (1892 - 1948)

Staatssekretär
Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan

Erich Neumann (1892-1948)

 

Schon im November 1938 war Neumann Teilnehmer einer Besprechung bei Göring über die „Arisierung der Wirtschaft" sowie die Kennzeichnung und Isolierung der Juden. Auf der Wannsee‑Konferenz vertrat er die Ministerien für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Ernährung, Verkehr sowie für Bewaffnung und Munition. Als Staatssekretär Görings wachte Neumann über die Interessen der kriegswirtschaftlichen Behörde und forderte, jüdische Arbeiter aus kriegswichtigen Betrieben vorerst nicht zu deportieren.

 

Geboren in Forst (Niederlausitz) in einer evangelischen Familie als Sohn eines Fabrikbesitzers. Abitur, studierte Jura und Volkswirtschaft in Freiburg, Leipzig und Halle. 1914‑17 Kriegsdienst, zuletzt als Oberleutnant. 1920 Regierungsassessor im Preußischen Innenministerium, danach beim Landratsamt Essen. 1923 Regierungsrat im Preußischen Handelsministerium. 1927 bis 1928 Landrat in Freystadt (Niederschlesien), danach als Ministerialrat erneut im Handelsministerium. September 1932 Ministerialdirektor im Preußischen Staatsministerium, dort zuständig für Verwaltungsreformen. Mai 1933 Eintritt in die NSDAP, August 1934 Eintritt in die SS. Ende 1935 im Preußischen Staatsministerium, Oktober 1936 im Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan, Hermann Göring. Ab Sommer 1938 Zweiter Staatssekretär neben Paul Körner, ab 1941 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Kontinentalen Erdöl AG zur Ausbeutung der Ölvorkommen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Ab August 1942 Generaldirektor des Deutschen Kalisyndikats GmbH, 1945 Internierung. Anfang 1948 wegen Krankheit entlassen.

 


Dr. Eberhard Schöngarth (1903 - 1946)

Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS)

Dr. Eberhard Schöngarth (1903-1946)

 

Als Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD für das gesamte „Generalgouvernement“ war Schöngarth an allen Unterdrückungs- und Vernichtungsmaßnahmen gegen die polnische und jüdische Bevölkerung im besetzten Polen beteiligt. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion stellte er von Juli bis September 1941 ein Einsatzkommando z.b.V. in Ostgalizien auf, das mehr als 4.000 jüdische Männer erschoss. Unter den Teilnehmern an der Wannsee-Konferenz war er neben Lange der zweite „Praktiker“ der Massenexekutionen.

 

Geboren in Leipzig als Sohn eines Bauführers.1920 Freikorpskämpfer. 1922 Abitur und Eintritt in NSDAP und SA. 1922 bis 1924 Bankangestellter. 1924 rechts- und staatswissenschaftliches Studium in Leipzig, 1929 Promotion zum Dr. jur. Ab 1932 Gerichtsassessor an den Landgerichten in Magdeburg, Erfurt und Torgau. 1933 Eintritt in die SS. Ab November 1933 bei der Reichspostdirektion Erfurt. 1935 in der Presseabteilung des Geheimen Staatspolizeiamtes, ab Frühjahr 1936 Leiter der Staatspolizeistellen in Dortmund, Bielefeld und Münster. 1939 Oberregierungsrat und SS-Obersturmbannführer. Mai 1944 Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in den besetzten Niederlanden.

Im Februar 1946 von einem britischen Militärgericht wegen der Erschießung eines Kriegsgefangenen zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 


Dr. Wilhelm Stuckart (1902 - 1953)

Staatssekretär
Reichsministerium des Innern

Dr. Wilhelm Stuckart (1902-1953)

 

Seit 1935 war Stuckart im Reichsministerium des Inneren mit der ihm unterstehenden Abteilung I („Verfassung, Gesetzgebung, Verwaltung“) an der Ausarbeitung aller grundlegenden Gesetze und Verordnungen gegen die im Deutschen Reich wohnenden Juden beteiligt, insbesondere am „Reichsbürgergesetz“ und dem „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" (Nürnberger Gesetze). 1940 beteiligte er sich an den Vorbereitungen, Juden die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. 1941 erarbeitete er einen Vorschlag zur Kennzeichnung der Juden im Deutschen Reich. Auf der Wannsee-Konferenz schlug Stuckart die Zwangssterilisierung der „Mischlinge" vor. Im April 1943 leitete er eine Staatssekretärskonferenz über die „Ahndung strafbarer Handlungen von Juden durch die Polizei" (13. Verordnung zum Reichsbürgergesetz).

 

Geboren in Wiesbaden als Sohn eines Bahnangestellten, christlich erzogen. Abitur. 1919 Freikorpskämpfer. Ab 1922 Jurastudium in München und Frankfurt/Main. Dezember 1922 Eintritt in die NSDAP. 1928 Promotion zum Dr. jur. Ab 1930 Amtsrichter. 1932 bis März 1933 Anwalt und Rechtsreferent der SA in Pommern. Juni 1933 Staatssekretär im Preußischen Wissenschaftsministerium, 1934 Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, 1935 Staatssekretär im Reichsinnenministerium. 1936 Eintritt in die SS, 1944 SS‑Obergruppenführer. Im Mai 1945 als Innenminister der Regierung Dönitz in Flensburg interniert. Im April 1949 im „Wilhelmstraßenprozess" Verurteilung zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis, die wegen der vorangegangenen Haft als verbüßt galten. 1950 durch Spruchkammerverfahren als „Mitläufer" eingestuft und 1952 zu 500 DM Geldstrafe verurteilt. Im November 1953 tödlich verunglückt.

 

 

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