Aktuelle Sonderausstellung: VILLENCOLONIE ALSEN AM GROßEN WANNSEE

Villencolonie Alsen am Großen Wannsee

Die Sonderausstellung hängt am Zaun des Grundstücks auf dem Weg zum Flensburger Löwen.
Leider wurden inzwischen einige der Ausstellungstafeln gestohlen (März 2016).


Ab 1870 entstand in der Gegend um den Wannsee eine Kulturlandschaft, die während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik in Berlin - vielleicht sogar in ganz Deutschland - einzigartig war. An die glanzvolle Welt des Berliner Großbürgertums und an die Bewohner der prachtvollen Villen der Wannsee-Kolonien erinnern nur noch wenige Häuser und Gartenanlagen und manche Grabmale auf dem Neuen Friedhof in der Lindenstraße in Wannsee.

Der Bankier Wilhelm Conrad (1822 - 1899), Direktor der Berliner Handelsgesellschaft, erwarb mehrere Parzellen Land auf der Insel Wannsee, um eine "Villencolonie" zu errichten. Conrad hatte sich ein Gesamtkunstwerk von Villen vorgestellt, das in einer Parklandschaft, umgeben vom Wasser der Havelseen, entstehen sollte. Er beauftragte den Lenné-Schüler und Berliner Gartenbaudirektor Gustav Meyer (1816 - 1877) mit der Ausarbeitung eines Parzellierungs- und Straßenplans. Meyer legte das Zentrum der Kolonie in Form eines Hippodroms an, durch das die Königstraße als Längsachse geführt wurde. Die ersten Parzellen der Kolonie, von denen keine kleiner war als ein preußischer Morgen (2.553 qm), wurden an Mitglieder des "Clubs von Berlin" und andere Angehörige der Berliner Oberschicht verkauft. Nur zwei Jahre, nachdem Conrad die Villa Alsen bezogen hatte, wohnten bereits 64 Siedler in 12 neu errichteten Villen in der Kolonie.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten hatten zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten (Bankiers, Industrielle, Künstler, Architekten, Wissenschaftler und Verleger) Parzellen in der „Colonie Alsen“ erworben und errichteten teilweise prachtvolle Villen. Zu ihnen gehörten u. a. Max Liebermann, Eduard von der Heydt, Oscar Begas, Hermine Feist, Johann Hamspohn, Johannes Otzen, Oscar Huldschinsky, die Verlegerfamilie Langenscheidt, Franz Oppenheim, Ferdinand Sauerbruch, Fritz und Ferdinand Springer, Hugo Vogel und Anton von Werner.