Seminare für Lehramtsanwärter und Lehrer

Das Haus der Wannsee-Konferenz bietet Fortbildungsveranstaltungen für Mitglieder von Studien- und Fachseminaren, Lehrerkollegien oder Fachkonferenzen an. Bei diesen Seminaren geht es zum einen um das Lernen am historischen Ort. Dazu werden das Haus und seine Geschichte sowie das Angebot der pädagogischen Abteilung detailliert und anschaulich vorgestellt und diskutiert. Erwartungen der Teilnehmer an einen Gedenkstättenbesuch, aber auch Bedenken und Befürchtungen können besprochen und zu den Möglichkeiten im Haus der Wannsee-Konferenz in Beziehung gesetzt werden. Auf dieser Grundlage können die Teilnehmer entscheiden, ob sie einen Besuch der Gedenk- und Bildungsstätte mit ihren Schülern für sinnvoll halten. Die Planung eines Gedenkstättenbesuchs wird eingehend besprochen: Welche Arbeitsformen sind für die jeweilige Schülergruppe geeignet? Welche Themen können exemplarisch bearbeitet werden? Welche besonderen methodischen Möglichkeiten bietet die Gedenk- und Bildungsstätte? Wie sollten Gedenkstättenbesuche vor- und nachbereitet werden?

Zum andern zielen die Seminare darauf, die schulische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gemeinsam zu reflektieren und zu fragen, welche Veränderungen im schulischen Rahmen notwendig und möglich sind. Dabei geht es nicht nur darum, neue Erkenntnisse und Thesen der historischen Forschung aufzugreifen und zu diskutieren. Ausgehend von der Frage, welche Ziele mit der Behandlung des Nationalsozialismus im Unterricht verbunden sind, werden didaktische Überlegungen angestellt und Konzepte entwickelt. Das Alter und die Vorkenntnisse der Schüler, vor allem aber die mitgebrachten Einstellungen sind dabei zu berücksichtigen. Es wird diskutiert, wie man mit Abwehrreaktionen von Schülern und Äußerungen von Überdruss, aber auch mit der Faszination umgehen kann, die der Nationalsozialismus auf manche Schüler ausübt, nicht nur auf solche, die sich als "rechts" verstehen. Die Möglichkeiten, weit verbreiteten Geschichtslegenden und Versuchen zur Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen entgegenzutreten, können einen weiteren Arbeitsschwerpunkt bilden. Das Gelingen der Seminare hängt nicht zuletzt davon ab, inwieweit die Teilneh­mer ihre Interessen artikulieren und ihre Erfahrungen einbringen. Die Schwerpunkte sollten deshalb vorab vereinbart werden.

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus kann sich nicht auf die Aneignung historischen Wissens beschränken. Sie ist eine pädagogische Aufgabe, die nicht dem Geschichts- und Politikunterricht allein überlassen werden sollte. Daher werden Fortbildungsveranstaltungen auch für Lehrer anderer Fächer (Deutsch, Musik, Kunst, Sport, Biologie) und für Berufsschullehrer verschiedener Fachrichtungen angeboten. Bei den Seminaren werden fachspezifische Zugänge erkundet und methodische Ideen für den Fachunterricht und für fächerübergreifende Arbeit entwickelt. Außerdem werden Anregungen für Projekte und zur Vorbereitung von Projekttagen gegeben, die Schülern die Chance bieten, sich selbständig mit Aspekten des Nationalsozialismus zu befassen und neue Ergebnisse zur lokalen Geschichte, zu Biographien u. a. zu gewinnen, aber auch auf weiterführende Fragen zu stoßen. Für die Planung außerunterrichtlicher Vorhaben und die Kontaktaufnahme zu anderen Einrichtungen bieten wir Unterstützung an.