Haus der Wannsee-Konferenz


 


Ausstellung zum 60. Jahrestag der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942

"Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden 1933-1945"

 

Villa Marlier 1916, die heutige Gedenkstätte


1941 kaufte die SS eine teure Villa in einem eleganten Vorort im Süden von Berlin, gelegen an einem malerisch schönen See: dem Großen Wannsee. Diese Villa wurde zu einem Gäste- und Tagungshaus der SS umgebaut. Am 20. Januar 1942 fand dort eine höchstens zweistündige Besprechung von hohen Staatsbeamten und SS-Männern statt. Der einzige Tagesordnungspunkt der „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ war die „Endlösung der Judenfrage“ (ein Tarnbegriff für „Deportation und Ermordung“ der Juden.)

Die 15 Teilnehmer der „Wannsee-Konferenz“ besprachen ihre Zusammenarbeit bei der Deportation aller europäischen Juden in die eroberten Gebiete in Ost-Europa. Die SS rechnete mit bis zu 11 Millionen zu ermordenden Menschen! Die Beamten erfuhren von der SS Einzelheiten der bisher erprobten Mordmethoden an zehntausenden russischen, baltischen und polnischen Juden.

Kein Teilnehmer hatte grundsätzliche Bedenken gegen diese Verabredung zu einem bis dahin in der Geschichte einer zivilisierten und kulturell hochstehenden Nation undenkbaren Staatsverbrechen. Durch diese Verabredung wurde der gesamte deutsche Staatsapparat zum Mittäter beim Völkermord an den Juden, dem etwa sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Das Ergebnis dieser „Besprechung“ wurde in einem Protokoll festgehalten, das Adolf Eichmann – der Juden- und Deportationsexperte des SD (Sicherheitsdienst der SS) – verfasste und das 1947 in den Akten des deutschen Auswärtigen Amtes gefunden wurde. Die Sprache ist zwar bürokratisch und enthält viele Tarnbegriffe, dennoch bleibt kein Zweifel an der beabsichtigten vollständigen Auslöschung allen jüdischen Lebens im deutschen Machtbereich. 

Es sind viele Dokumente zu den Nazi-Verbrechen überliefert. Kein Dokument belegt jedoch auf so ranghoher staatlicher Ebene die Verabredung zum Völkermord. Nach dem Tagungsort wird es genannt: Das „Wannsee-Protokoll“.

 

Text des Protokolls der Wannsee-Konferenz

 

Warum sich beschäftigen mit dem nationalsozialistischen Völkermord?


Auch wenn heute die meisten Deutschen und Österreicher - geboren nach dem Krieg als Nachfahren der Generation der Täter - keine persönliche Schuld mehr treffen kann, haben sie doch eine Verpflichtung, diesen Teil der Geschichte zu kennen: Es handelt sich um den denkbar schrecklichsten Bruch mit allen überlieferten kulturellen und religiösen Werten. Die Bundesrepublik Deutschland und Österreich haben ihre Verfassungen nach dem Zweiten Weltkrieg in scharfer Abgrenzung vom NS-Terrorstaat entwickelt.

Der italienische Autor und Überlebende von Auschwitz Primo Levi hat den Satz geprägt: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ Seit 1945 und bis heute wurden bzw. werden überall auf der Welt grausame Völkermorde an nationalen oder sozialen Minderheiten begangen. Sogar ganz in unserer Nähe, im ehemaligen Jugoslawien. Meistens schaut die Weltöffentlichkeit nur zu, obwohl schon 1948 viele Staaten der „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ beigetreten sind.

 

In Deutschland und Österreich schrecken Neonazis nicht vor Mord und Brandstiftung zurück. Der Rassismus ist immer noch weit verbreitet. Bis in die „seriösen“ Parteien hinein finden sich Politiker, die mit Stimmungsmache gegen Minderheiten Anhänger gewinnen. Auch der Antisemitismus - die Judenfeindschaft, welche alle Übel der Welt mit dem angeblichen finsteren Wirken von Juden erklären will - ist nicht ausgestorben.

Es gibt eine umfangreiche internationale Forschung zum „Holocaust“ bzw. zur „Shoah“ – Begriffe, mit denen heute oft die deutlichere Formulierung „Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden“ ersetzt wird. In der Forschung werden viele Aspekte untersucht, die wir hier in unserem Überblick nicht entfernt alle ansprechen können. Wir haben für diese Ausstellung überlegt, was junge Menschen über den Verlauf der Geschichte wissen sollten und was sie besonders interessieren könnte.

 

 

Unsere Stichpunkte waren auf 35 Tafeln in 6 Kapiteln zusammengefasst.:

 

Rassistischer Antisemitismus seit dem 19. Jahrhundert


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Vorbemerkung: Verfolgung und "Judenemanzipation"
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Modernisierung und Judenfeindschaft: Rassismus und rassistischer Antisemitismus
  -  Völkische Phantasien: Juden als Geiseln - Denkschrift des Schützen Hans Knodn
  - 
Antisemitische Propaganda gegen die Weimarer Republik

 


Rassismus und Antisemitismus werden zur staatlichen Politik


  -  Machtübernahme und politische Verfolgung
  -  Antijüdische Hetze in der Schule
  - 
Rassistische Gesetze und Verordnungen
  - 
"Rassenschande": Das Ritual öffentlicher Demütigung
  - 
Jüdische Wohlfahrt, Kulturbund, Schulen

 


Gewalt, Demütigung und Zwangsauswanderung


  -  Beginn der Verfolgung auch in Österreich
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Die "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" in Wien
  -  Pogrom 9./10. November 1938
  - 
Der Blick einer Verfolgten: Charlotte Salomon
  - 
Massenverhaftungen nach dem Pogrom
  - 
Eine Flut von Gesetzen und Verordnungen gegen Juden

 


Rassismus im Krieg: Radikalisierung zum Massenmord


  -  Überfall auf Polen
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Krankenmord im Deutschen Reich: "Euthanasie"
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Die Konzentration der polnischen Juden in Gettos: Das Beispiel Lódz 1940-1944
  - 
Massenerschießungen: Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion
  - 
Die Auflösung des Gettos in Wilna: Bericht einer Zeugin

 


Vom Massenmord zum systematischen Völkermord:


  -  Das Entscheidungsjahr 1941
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Deportationen aus Deutschland: September bis Dezember 1941
  - 
Die Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz
  - 
Die beabsichtigte Ermordung aller europäischen Juden
  - 
Diskussion der Teilnehmer und Ergebnis der Besprechung
  - 
Systematische Deportationen in ganz Europa: Beispiel Marseille 1943

 


Raub, Zwangsarbeit und Vernichtungslager


  -  Die 'ordentliche' Beraubung der Deportierten: Beispiel Else Ury, Autorin
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Nationalsozialistische Konzentrationslager: Grausame Bilanz des Rassen- und Eroberungskriegs
  - 
Ankunft in Auschwitz
  - 
"Überlebender Rest" - Jüdische DPs in Deutschland und Österreich

 


 

Update: 25.08.2010 Startseite nächste Tafel Homepage