Haus der Wannsee-Konferenz
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1941 kaufte die SS eine teure Villa in einem eleganten Vorort im Süden von Berlin, gelegen an einem malerisch schönen See: dem Großen Wannsee. Diese Villa wurde zu einem Gäste- und Tagungshaus der SS umgebaut. Am 20. Januar 1942 fand dort eine höchstens zweistündige Besprechung von hohen Staatsbeamten und SS-Männern statt. Der einzige Tagesordnungspunkt der „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ war die „Endlösung der Judenfrage“ (ein Tarnbegriff für „Deportation und Ermordung“ der Juden.) Die 15
Teilnehmer der „Wannsee-Konferenz“ besprachen ihre Zusammenarbeit bei
der Deportation aller europäischen Juden in die eroberten Gebiete in
Ost-Europa. Die SS rechnete mit bis zu 11 Millionen zu ermordenden
Menschen! Die Beamten erfuhren von der SS Einzelheiten der bisher
erprobten Mordmethoden an zehntausenden russischen, baltischen und
polnischen Juden.
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Kein Teilnehmer hatte
grundsätzliche Bedenken gegen diese Verabredung zu einem bis dahin in der
Geschichte einer zivilisierten und kulturell hochstehenden Nation
undenkbaren Staatsverbrechen. Durch diese Verabredung wurde der gesamte
deutsche Staatsapparat zum Mittäter beim Völkermord an den Juden, dem
etwa sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen. Es sind viele Dokumente zu den Nazi-Verbrechen überliefert. Kein Dokument belegt jedoch auf so ranghoher staatlicher Ebene die Verabredung zum Völkermord. Nach dem Tagungsort wird es genannt: Das „Wannsee-Protokoll“.
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Warum sich beschäftigen mit dem nationalsozialistischen Völkermord?
Auch wenn heute die meisten Deutschen und Österreicher - geboren nach dem Krieg als Nachfahren der Generation der Täter - keine persönliche Schuld mehr treffen kann, haben sie doch eine Verpflichtung, diesen Teil der Geschichte zu kennen: Es handelt sich um den denkbar schrecklichsten Bruch mit allen überlieferten kulturellen und religiösen Werten. Die Bundesrepublik Deutschland und Österreich haben ihre Verfassungen nach dem Zweiten Weltkrieg in scharfer Abgrenzung vom NS-Terrorstaat entwickelt.
Der italienische Autor und Überlebende von Auschwitz Primo Levi hat den Satz geprägt: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ Seit 1945 und bis heute wurden bzw. werden überall auf der Welt grausame Völkermorde an nationalen oder sozialen Minderheiten begangen. Sogar ganz in unserer Nähe, im ehemaligen Jugoslawien. Meistens schaut die Weltöffentlichkeit nur zu, obwohl schon 1948 viele Staaten der „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ beigetreten sind.
In Deutschland und Österreich schrecken Neonazis nicht vor Mord und Brandstiftung zurück. Der Rassismus ist immer noch weit verbreitet. Bis in die „seriösen“ Parteien hinein finden sich Politiker, die mit Stimmungsmache gegen Minderheiten Anhänger gewinnen. Auch der Antisemitismus - die Judenfeindschaft, welche alle Übel der Welt mit dem angeblichen finsteren Wirken von Juden erklären will - ist nicht ausgestorben.
Es gibt eine umfangreiche internationale Forschung zum „Holocaust“ bzw. zur „Shoah“ – Begriffe, mit denen heute oft die deutlichere Formulierung „Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden“ ersetzt wird. In der Forschung werden viele Aspekte untersucht, die wir hier in unserem Überblick nicht entfernt alle ansprechen können. Wir haben für diese Ausstellung überlegt, was junge Menschen über den Verlauf der Geschichte wissen sollten und was sie besonders interessieren könnte.
Unsere
Stichpunkte waren auf 35 Tafeln in 6 Kapiteln zusammengefasst.:
Rassistischer Antisemitismus seit dem 19. Jahrhundert
- Vorbemerkung: Verfolgung
und "Judenemanzipation"
- Modernisierung
und Judenfeindschaft: Rassismus und rassistischer Antisemitismus
- Völkische
Phantasien: Juden als Geiseln - Denkschrift des Schützen Hans Knodn
- Antisemitische
Propaganda gegen die Weimarer Republik
Rassismus und
Antisemitismus werden zur staatlichen Politik
- Machtübernahme
und politische Verfolgung
- Antijüdische
Hetze in der Schule
- Rassistische
Gesetze und Verordnungen
- "Rassenschande":
Das Ritual öffentlicher Demütigung
- Jüdische Wohlfahrt,
Kulturbund, Schulen
Gewalt, Demütigung und
Zwangsauswanderung
- Beginn
der Verfolgung auch in Österreich
- Die
"Zentralstelle für jüdische Auswanderung" in Wien
- Pogrom
9./10. November 1938
- Der Blick
einer Verfolgten: Charlotte Salomon
- Massenverhaftungen
nach dem Pogrom
- Eine Flut von Gesetzen und Verordnungen gegen Juden
Rassismus im Krieg:
Radikalisierung zum Massenmord
- Überfall
auf Polen
- Krankenmord
im Deutschen Reich: "Euthanasie"
- Die
Konzentration der polnischen Juden in Gettos: Das Beispiel Lódz
1940-1944
- Massenerschießungen:
Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion
- Die
Auflösung des Gettos in Wilna: Bericht einer Zeugin
Vom Massenmord zum
systematischen Völkermord:
- Das
Entscheidungsjahr 1941
- Deportationen
aus Deutschland: September bis Dezember 1941
- Die
Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz
- Die
beabsichtigte Ermordung aller europäischen Juden
- Diskussion
der Teilnehmer und Ergebnis der Besprechung
- Systematische
Deportationen in ganz Europa: Beispiel Marseille 1943
Raub, Zwangsarbeit und
Vernichtungslager
- Die
'ordentliche' Beraubung der Deportierten: Beispiel Else Ury, Autorin
- Nationalsozialistische
Konzentrationslager: Grausame Bilanz des Rassen- und
Eroberungskriegs
- Ankunft
in Auschwitz
- "Überlebender
Rest" - Jüdische DPs in Deutschland und Österreich
| Update: 25.08.2010 | Startseite | nächste Tafel | Homepage |