Haus der Wannsee-Konferenz
| III.5. Massenverhaftungen nach dem Pogrom |
Am Tage nach dem Pogrom, am 10. November 1938, wurden 26.000 jüdische Männer von Polizei und SS verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Darunter war auch Charlotte Salomons Vater. Diejenigen, die in der Lage waren, sich freizukaufen und Dokumente für die Auswanderung zu beschaffen, konnten die Konzentrationslager nach einigen Wochen wieder verlassen und versuchen, aus Deutschland zu fliehen.
An diesem Tag wurden z.B. in Baden-Baden, einer Stadt im Südwesten Deutschlands, etwa 80 verhaftete jüdische Männer vom Polizeigebäude aus zur Synagoge gebracht. Dort wurden sie gedemütigt; gezwungen ohne Kopfbedeckung zu sitzen und aus dem „Stürmer“, der schlimmsten antisemitischen Zeitung vorzulesen. Danach wurde die Synagoge zerstört und ein Teil der Männer in das Konzentrationslager Dachau bei München verschleppt.

Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Im Folgenden soll das Foto genauer besprochen werden, das aus einer Serie stammt, welche die Verhaftung der jüdischen Männer in Baden-Baden festhält. Wir wissen nicht, wer das zu beschreibende Foto aufgenommen hat. Doch ist anzunehmen, dass es sich bei dem Fotografen um einen Menschen gehandelt hat, der professionell fotografieren konnte. Bemerkenswert ist, dass der Fotograf die Ereignisse offenbar unverhohlen betrachten konnte und genug Zeit hatte, ein „perfektes“ Foto zu machen.
Weil
dieses Foto so beeindruckend ist, wurde es in vielen Veröffentlichungen
und Ausstellungen gezeigt, selten aber in den ungewöhnlichen originalen
Abmessungen wie hier. Das Foto wurde oft beschnitten und dadurch wird die
Aussage des Fotos verändert – je nachdem, welchen Ausschnitt man wählt.
| Startseite | zum Anfang der Ausstellung | vorherige Tafel | nächste Tafel | Homepage |