Haus der Wannsee-Konferenz


 

  
V. Vom Massenmord zum systematischen Völkermord:

Die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942


     Das Entscheidungsjahr 1941

 

Während des Jahres 1941 fielen in mehreren Etappen die mörderischen Entscheidungen bis hin zum systematischen Völkermord an allen europäischen Juden. Bei der Vorbereitung des Überfalls auf die Sowjetunion ab Frühjahr 1941 baute der SD die Einsatzgruppen zur Ermordung der russischen Juden auf. Die Einsatzgruppen begannen im Juni 1941 mit den Massenerschießungen. Ab Oktober 1941 wurden Juden aus dem Deutschen Reich in bestehende Gettos deportiert, dort gleichzeitig polnische und lettische Juden ermordet, um Platz zu schaffen. Den deutschen Verwaltungen in den besetzten Gebieten wurde versichert, dass alle Juden bald weiter „nach Osten“ deportiert würden.

Im Zuge der Planung eines Vernichtungskrieges gegen die „jüdisch-bolschewistisch-slawischen Untermenschen“ erließ die Wehrmachtsführung zwei verbrecherische Befehle: 1. den „Kommissar-Befehl“, kriegsgefangene politische Instrukteure und jüdische Soldaten der Roten Armee sollten von deutschen Soldaten sofort erschossen oder zur Ermordung an nachfolgende SD- und Polizei-Einheiten abgegeben werden. 2. den „Kriegsgerichtsbarkeits-Erlass“, Verbrechen deutscher Soldaten an der russischen Zivilbevölkerung sollten straffrei bleiben. Das zerschlagene Sowjetimperium sollte nämlich ausgeplündert und als Siedlungsraum für die „Germanen“ entvölkert werden. Mehr als 30 Millionen Menschen sollten nach dem „Generalplan Ost“ auf längere Sicht vertrieben und ermordet werden oder verhungern.

Bestellungsschreiben Görings an Heydrich, 31.7.1941

Quelle: Historisches Staatsarchiv Riga, Lettland,
P 1026, Bl. 164

Endlösung der Judenfrage
Archiv: Historisches Staatsarchiv Lettland, Riga, Bestand P 1026,
 [Befehlshaber der Sipo/SD Lettland, Stahlecker], Bl. 163

 

Ermächtigung vom 31.7.1941:


Am 31. Juli 1941 holte sich Heydrich auf einem selbst verfassten Dokument von Hermann Göring - der zweitmächtigsten Person nach Hitler - den Auftrag zur Vorbereitung der „Endlösung der Judenfrage“. Fotokopien dieser Ermächtigung fügte er den Einladungen zur Wannsee-Konferenz bei. Unmittelbar nach der stattgefundenen Konferenz sandte er Fotokopien an alle SD- und Sicherheitspolizeistellen und an die Einsatzgruppen mit dem Hinweis: „Die vorbereitenden Arbeiten sind eingeleitet.“ Damit machte Heydrich selbst das Dokument vom Juli 1941 zur höchsten überlieferten schriftlichen Legitimation des Völkermords sowie seiner Rolle dabei.

 

Nach dem Sieg über die Sowjetunion sollten die europäischen Juden nach Sibirien in Eismeer-Lager deportiert werden und dort an den Lebensumständen zugrunde gehen. Vor allem das Scheitern der Blitzkriegs-Strategie in Russland und der Kriegseintritt der USA, beides im Dezember 1941, bewogen Hitler offenbar dazu, der SS - früher als ursprünglich gedacht - den Auftrag zum systematischen Völkermord an allen Juden zu geben. Passagen im Protokoll der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 geben diesen Wendepunkt deutlich wieder.

Ab Frühjahr 1942 wurden die großen Vernichtungslager in Polen errichtet. Die Ermordung aller Juden wurde immer deutlicher zum ‚Ersatz-Kriegsziel’ in einem nicht mehr zu gewinnenden Zweiten Weltkrieg.




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