Haus der Wannsee-Konferenz
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Die beabsichtigte Ermordung aller europäischen Juden
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Die Europakarte zeigt die Kriegsfronten, die militärischen Gegner, Verbündeten
und neutralen Staaten am Tage der Wannsee-Konferenz – und damit die tatsächliche
Bedrohung für die europäischen Juden. Diese Bedrohung soll in Bezug
gesetzt werden zu der im Protokoll auf Seite 6 anvisierten Zahl von „über
11 Millionen“ Opfern. Ungeachtet des Scheiterns sowohl der
„Luftschlacht um England“ 1940/41, als auch des Scheiterns des
erwarteten schnellen deutschen Sieges im Krieg gegen die Sowjetunion im
Dezember 1941 werden im Protokoll die Juden aller europäischen Staaten
aufgeführt:
Unter „A“ die bereits beherrschten Gebiete mit direktem
Zugriff auf die dortigen Juden. (Estland wird nach den dort bereits
erfolgten Mordaktionen als „judenfrei“ aufgelistet.)
Unter „B“
noch zu erobernde, befreundete und neutrale Staaten.

Die bürokratische
Sprache und die verwendeten Tarnbegriffe im Protokoll verbergen nicht die
Absicht der vollständigen Ermordung aller europäischen Juden. Der Text
der abgebildeten Seite 5 des Protokolls (hier: Auszug) beschreibt die
Wende des Jahres 1941 beim obersten Ziel der antijüdischen Politik, nämlich
von einer Politik der gewalttätigen Vertreibung in eine Politik der
systematischen Ermordung.

Foto: Protokoll Seite 5 (Auszug)
Die schrittweise Umsetzung der schon lange vorhandenen antisemitischen Mordphantasien in eine bis dahin noch unvorstellbare Realität war ganz unmittelbar an Krieg und Eroberung in Osteuropa gekoppelt. Deportationen in die Gettos sollten nur als Zwischenlösungen vor der „kommenden Endlösung“, der Ermordung gelten, erzwungen durch den unerwartet schwierigen Kriegsverlauf. Heydrich ging in seinem Vortrag aber noch davon aus, dass die Ermordung der aus ganz Europa deportierten Juden in fernen Teilen der Sowjetunion stattfinden werde (Sibirien, Eismeerlager). Der beabsichtigte Völkermord schlägt sich als Formulierung an weiteren Stellen des Protokolls eindeutig nieder:
Aus dem Protokoll der Wannsee-Konferenz
»(...) Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird.
Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist (Siehe die Erfahrung der Geschichte.)
Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchgekämmt. (...)
Die evakuierten Juden werden zunächst Zug um Zug in sogenannte Durchgangsghettos verbracht, um von dort aus weiter nach dem Osten transportiert zu werden. (...)
Der Beginn der einzelnen größeren Evakuierungsaktionen wird weitgehend von der militärischen Entwicklung abhängig sein. Bezüglich der Behandlung der Endlösung in den von uns besetzten und beeinflußten europäischen Gebieten wurde vorgeschlagen, daß die in Betracht kommenden Sachbearbeiter des Auswärtigen Amtes sich mit dem zuständigen Referenten der Sicherheitspolizei und des SD besprechen. (...) «
Archiv:
Besprechungsprotokoll vom 20.1.1942, Politisches
Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin, R 100857, Bl. 165-188.
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