Haus der Wannsee-Konferenz


 

Aufzeichnung von Legationsrat Franz Rademacher, "Judenreferent" im Auswärtigen Amt (Abt. D III) bei Unterstaatssekretär Luther, vom 07. März 1942 über die weitere Behandlung der Judenfrage

 


 

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Aufzeichnung Franz Rademacher betr. Sitzung vom 20.1.1942   Aufzeichnung Franz Rademacher betr. Sitzung vom 20.1.1942

                                                      (PAAA Berlin)


 

[Text des Dokuments nach WAI]:

 

 

[Seite 1:]

 

Ref.: LR Rademacher

Geheime Reichssache

Aufzeichnung.

An einer Sitzung über weitere Behandlung der Judenfragen am 6.3. im Reichssicherheitshauptamt habe ich teilgenommen. In der Sitzung sollte geklärt werden, wie die in der "Staatssekretärsbesprechung" am 20.1.42 gefaßten allgemeinen Richtlinien im einzelnen praktisch durchzuführen wären.

Besondere Schwierigkeiten werden in der Frage der Sterilisierung der rund 70 000 Mischlinge gesehen. Nach Auskunft der Reichsärzteführung würden dies 700 000 Krankenhaustage bedeuten. Bei der Inanspruchnahme der Krankenhäuser durch die Verwundeten erscheint dieser Weg während des Krieges jedenfalls nicht gangbar. Es soll also neben der zu Punkt IV/1 im Protokoll vom 20.1. ins Auge gefaßten Lösung vorgeschlagen werden, die gesamten Mischlinge ersten Grades in einer einzigen Stadt in Deutschland oder im Generalgouvernement zusammenzufassen und die Frage der Sterilisierung bis nach Kriegsende aufzuschieben.

Zu der unter IV/3 und IV/4 angeschnittenen Frage der Mischehen soll vorgeschlagen werden, die Ehen zwischen Deutschblütigen und Volljuden sowie die kinderlosen Ehen zwischen Mischlingen und Deutschblütigen kraft Gesetzes zu scheiden. Gegen die Scheidung durch einfachen Gesetzesakt sprachen sich der Vertreter des Propagandaministeriums und ich aus propagandistischen, der Vertreter des Justizministeriums aus allgemein rechtlichen Gründen aus. Der endgültige Vorschlag sieht daher vor, eine vereinfachte Form der Scheidung im Wege der freien Gerichtsbarkeit auf Antrag des Deutschblütigen oder des Staatsanwaltes. Die Judeneigenschaft wird in diesem Verfahren ausschließlich von der für den Juden zuständigen

 

[Seite 2:]

 

höheren Staatspolizeistelle entschieden.

Hiermit über Herrn Unterstaatssekretär Luther, Herrn Unterstaatssekretär Gaus, Herrn Unterstaatssekretär Woermann, [durchgestrichen: Herrn Staatssekretär von Weizsäcker] mit der Bitte um Kenntnisnahme vorgelegt. Berlin, den 7. März 1942.

[Unterschrift:] Rademacher

 

 


 

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