Haus der Wannsee-Konferenz
Auf dieser Internetseite werden folgende Texte von einem Screenreader vorgelesen, sofern dieser installiert ist:
1. Die Gedenkstätte als historischer Ort
2. Die Bildungsabteilung
3. Die ständige Ausstellung
4. Die Joseph Wulf Bibliothek und Mediothek
5. Geschichte des Hauses
1. Die Gedenkstätte als historischer Ort
In der heutigen Gedenkstätte, einer ehemaligen Industriellenvilla aus dem Jahre 1915, die von 1941 bis 1945 als Gäste- und Tagungshaus der SS genutzt wurde, besprachen am 20. Januar 1942 fünfzehn hochrangige Vertreter der SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien die Kooperation bei der geplanten Deportation und Ermordung der europäischen Juden.
Die Vertreter der SS
berichteten den anwesenden Staatsekretären von den bereits seit August 1941
durchgeführten Mordaktionen der Einsatzgruppen in der Sowjetunion sowie von den
schon praktizierten Tötungsmethoden.
Die heute als „Wannsee-Konferenz“ bezeichnete Besprechung wurde von Reinhard
Heydrich, dem Chef des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), geleitet. Sein
Deportationsexperte Adolf Eichmann fertigte das Protokoll an, das 1947 in den
Akten des Auswärtigen Amtes gefunden wurde. Es dokumentiert mit erschreckender
Deutlichkeit den Plan zur Ermordung aller europäischen Juden und die aktive
Beteiligung der deutschen Staatsverwaltung an diesem Völkermord.
2. Die Bildungsabteilung
Die Gedenk- und Bildungsstätte bietet Jugendgruppen und Schulklassen vielfältige Möglichkeiten an, sich mit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, mit der Geschichte des Nationalsozialismus, mit der Vorgeschichte oder den Nachwirkungen zu befassen. Sie können sich die ständige Ausstellung unter sachkundiger Führung oder in einer von Mitarbeitern betreuten so genannten wechselseitigen Führung erschließen. An Studientagen können selbst gewählte Themen unter Anleitung exemplarisch erarbeitet werden. Mit Erwachsenen in der politischen und beruflichen Weiterbildung, Ausbildern und Unterrichtenden werden berufsspezifische Studientage und mehrtägige Seminarveranstaltungen durchgeführt. Mitgliedern von Studien- oder Fachseminaren und Lehrerkollegien bietet das Haus Fortbildungsveranstaltungen zur Gedenkstättenpädagogik und für den Unterricht in verschiedenen Fächern an.
Eine rechtzeitige telefonische oder schriftliche Anmeldung ist unbedingt erforderlich.
3. Die ständige Ausstellung
In den Räumen des Erdgeschosses der Villa informiert die ständige Ausstellung „Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden“ in deutscher und englischer Sprache über die Vorgeschichte der nationalsozialistischen Verfolgung der Juden, über ihre Ausgrenzung, Entrechtung und Vertreibung zwischen 1933 und 1939 sowie über die während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten durchgeführte Deportation, Ghettoisierung und Ermordung der europäischen Juden im deutschen Einflussbereich. Im Zentrum steht die Konferenz am 20. Januar 1942, die im ehemaligen Speisezimmer der Villa stattfand. Kurze Texte führen in die genannten Themen ein. Das Geschehen ist durch Unterlagen aus den Akten der Täter, aber auch durch Aussagen von Opfern, durch Fotos, Ton- und Filmsequenzen dokumentiert. Der Katalog zur Ausstellung ist im Hause käuflich zu erwerben.
Die Ausstellung ist in insgesamt 15 Räumen thematisch gegliedert:
Raum 1 Einführung in die Ausstellung
Raum 2 Rassismus und Judenfeindschaft
Raum 3 Integration und Antisemitismus in der Weimarer Republik
Raum 4 Rassistische Politik und Judenverfolgung in Deutschland 1933-1939
Raum 5 Krieg und Völkermord in Ost- und Südosteuropa
Raum 6 Handlungsspielräume unter deutscher Besatzung
Raum 7 Der Weg zum Massenmord an den Juden Europas
Raum 8 An der Konferenz beteiligte Behörden
Raum 9 Die Wannsee-Konferenz
Raum 10 Konferenz-Teilnehmer und Protokoll nach 1945
Raum 11 Deportationen
Raum 12 Die Ghettos
Raum 13 Konzentrations- und Todeslager
Raum 14 Zwangsarbeit und Tod im KZ
Raum 15 Die Gegenwart der Vergangenheit.
4. Die Joseph Wulf Bibliothek und Mediothek
Die Mediothek ist nach dem Historiker Joseph Wulf (1912-1974) benannt, der mit dem Versuch gescheitert ist, in der Villa ein Dokumentationszentrum zur Erforschung des Nationalsozialismus einzurichten.
Die Mediothek und Bibliothek besteht aus einer Präsenzbibliothek mit etwa 22.000 Büchern und 120 Zeitschriften, einer Dokumentensammlung auf Mikrofilm bzw. Mikrofiche sowie audiovisuellen Medien. Die Bibliothek enthält Forschungsliteratur, Augenzeugenberichte, Nachschlagewerke, Gedenkbücher, Erinnerungen, Kinder- und Jugendliteratur, literarische Werke, sowie Fachzeitschriften zu den Themen Geschichte der Juden in Europa, Antisemitismus, Verfolgung und Völkermord, vergleichende Genozidforschung, Nationalsozialismus, Umgang mit der NS-Geschichte nach 1945 und Gedenkstättenpädagogik. Ein erheblicher Teil des Bestandes ist fremdsprachig. Die audiovisuellen Medien behandeln die gleichen Themenbereiche wie die Bücher und Zeitschriften.
5. Geschichte des Hauses
1914/15 erbaut als Villa des Fabrikanten Ernst Marlier
1921 Verkauf an den Industriellen Friedrich Minoux
1940 Ankauf durch die SS-Stiftung Nordhav und Einrichtung als Gästehaus des Sicherheitsdienstes der SS
1942 20. Januar, Wannsee-Konferenz
1943 Verkauf an das Reichssicherheitshauptamt (RSHA)
1945/46 Nutzung durch alliierte Militärs
1947-51 August-Bebel-Institut (Heimvolkshochschule) der SPD
1952-88 Landschulheim des Bezirks Berlin-Neukölln
1965-72 erfolglose Bemühungen des Historikers Joseph Wulf um Gründung eines Dokumentationszentrums in der Villa
1992 Eröffnung der Gedenk- und Bildungsstätte zum 50. Jahrestag der
Wannsee-Konferenz
2006 Eröffnung der neuen ständigen Ausstellung.
Ende der Seite
Letzte Änderung: 17.06.2009