Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenk- und Bildungsstätte


 

Ermächtigungsschreiben Hermann Görings 
vom 31. Juli 1941

Diese (und eine weitere) Fotokopie des Ermächtigungsschreibens ist vom Historiker und Freien Mitarbeiter der Gedenkstätte Peter Klein im Jahre 2000 in Riga gefunden worden:

Historisches Staatsarchiv Lettland, Riga, Bestand P 1026, [Befehlshaber der Sipo/SD Lettland, Stahlecker], Bl. 164.

 




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Im Ausstellungsdatum ist die Angabe des Tages handschriftlich eingetragen (31.) und im Faksimile nur noch schwach erkennbar. Das Dokument ist eigenhändig von Göring unterzeichnet. Der Vergleich mit der in Nürnberg 1948 vorgelegten Fotokopie lässt auf die Existenz desselben Originals als Vorlage für die beiden Fotokopien schließen. In der Rigaer Fotokopie sind drei Schichten handschriftlich aufgebrachter Blattzählungen der Akte oben rechts zu erkennen, die beiden älteren Zählungen sind durchgestrichen.

Das Dokument verwendet keinen Briefbogen aus den verschiedenen Ämtern Görings, sondern ist offenbar in Heydrichs Dienststelle geschrieben worden (Schreibmaschine mit SS-Rune). Nach bisheriger Erkenntnis hat Heydrich diese Ermächtigung selbst verfasst und am Abend des 31. Juli 1941 persönlich Göring zur Unterschrift vorgelegt. Der Text bezieht sich auf eine vorhergehende Ermächtigung durch Göring vom 24. Januar 1939, in welcher zwecks Forcierung der  Vertreibung eine „Reichszentrale für die jüdische Auswanderung“ unter Leitung des Chefs der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich angeordnet wird. Heydrich wollte offenbar eine Kontinuität seines Amtes in der Beauftragung zur „Lösung der Judenfrage“ seitens des Reichsmarschalls betonen. Hermann Göring stand im fraglichen Zeitraum an zweiter Stelle der NS-Hierarchie. Adolf Hitler hatte Göring mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet, dazu gehörte auch die Koordination aller antijüdischen Maßnahmen.

Historiker haben diskutiert, was wohl ab diesen Zeitpunkt die Tarnfloskeln „Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa“ und „Endlösung der Judenfrage“ bedeuteten; also ab Ende Juli 1941 – gut einen Monat nach dem Beginn der Massenerschießungen der Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion –, da die Deportationsziele und Mordmethoden erst im Verlaufe der Monate ab Oktober 1941 konkretisiert wurden. Ist hier schon der Auftrag zur Deportation und Ermordung aller europäischen Juden erteilt worden, ohne dass bereits die Details vorhersehbar waren?

Heydrich hat das Ermächtigungsschreiben Monate später zweimal zur Legitimation seiner Person und seines Amtes breit gestreut. Die zur Wannsee-Konferenz Eingeladenen erhielten die Fotokopie im November 1941. Fünf Tage nach der Konferenz, nämlich am 25. Januar 1942 sandte Heydrich Fotokopien an die Befehlshaber, Inspekteure und Dienststellen der Sicherheitspolizei und des SD sowie an die Einsatzgruppen A bis D. In einem Begleitschreiben bat er „um Kenntnisnahme und Beachtung“ seiner Beauftragung durch Göring und schloss mit dem Satz: „Die vorbereitenden Arbeiten sind eingeleitet.“ (Staatsarchiv Lettland, a.a.O. Bl. 163, 165). Die Ermächtigung vom 31. Juli 1941 wird durch Heydrichs spätere Verwendung zur höchsten schriftlichen Legitimation für den Völkermord. 




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