Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenk- und Bildungsstätte


 

Erstes Einladungsschreiben Heydrichs an 
Luther vom 29. November 1941

Dieses und die folgenden Dokumente befinden sich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin, R 100857, hier Bl. 188, Vor- und Rückseite. Diese Akte mit dem Titel „Endlösung der Judenfrage“ wurde zumeist nach der Altsignatur zitiert: Inland II g 177, Laufzeit 1939-1943. Die ursprünglich beiden Hefte der später darin zusammengefassten Akte (zwei einfache Klemm-Ordner) wurden gebildet im Referat D (für „Deutschland“, nach dem Sturz Luthers im Februar 1943 aufgelöst und neuen Referaten Inland I und II zugeordnet, deshalb die Altsign. „Inland II“, „g“ steht für „geheim“), das der Unterstaatssekretär Martin Luther leitete.


  

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Der Eingangsstempel „D III“ mit dem folgenden Ablagevermerk steht für das „Judenreferat“, dem der Legationsrat Franz Rademacher vorstand.

Es finden sich auf diesem und allen folgenden Dokumenten inklusive des Wannsee-Protokolls jeweils drei Signaturschichten (Stempel mit fortlaufender Blatt-Zählung): Die ursprüngliche Blattzählung befindet sich in der rechten, unteren Ecke - hier die Blatt-Zahl 372043 bzw. 372044. Offensichtlich wurde ein größerer Aktenbestand fortlaufend paginiert. Das Heft 1 begann auf dem Klemm-Ordner mit der Zahl 371889. Dieser Blattzählung läuft eine zweite parallel (unten links bis unten Mitte) - hier die Zahl K210419 bzw. K210420, vermutlich aufgestempelt bei der Umbettung der Blätter der diversen Klemmordner in größere Ringordner. Beide Blattzählungen laufen gegen die Chronologie, d.h. im Klemm-Ordner wurden die neuen auf die älteren Vorgänge geheftet. Im Zuge der endgültigen Bildung der Akte, wie sie heute besteht - nach Auskunft des Politischen Archivs wurden die von den West-Alliierten beschlagnahmten Akten etwa 1955 an das deutsche Auswärtige Amt in Bonn zurückgegeben - wurde die aktuelle Blattzählung oben rechts gestempelt, hier 188.

Die Akte „Endlösung der Judenfrage“ zeigt also die üblichen Signaturschichten vom Eingangsstempel mit der Angabe des ersten Ablageortes im aktuellen Aktenbestand des Büros Rademacher. Vermutlich ab oder nach 1943 wurden diese als erledigt angesehenen Vorgänge an das zentrale Archiv der Behörde abgegeben, wo dann spätere Signaturen aufgebracht wurden und Findbücher angelegt wurden. Das ist der übliche und dienstlich geregelte Bearbeitungs- und Ablageweg einer Akte in einer preußisch-deutschen Behörde; eine Routine, die jeder ausgebildete Archivar kennt.

Diese Hinweise hier haben eine wichtige Bedeutung im Kontext des revisionistischen Fälschungsvorwurfs gegen das Wannsee-Protokoll, weil dann nämlich Robert Kempners Team hunderte von Seiten fortlaufend paginierter Akten gefälscht haben müsste, um die Fälschung mitten in einer Akte zu platzieren - in der sich auch viele originale handschriftliche Randbemerkungen und Paraphen der leitenden Beamten befanden, deren Echtheit an diversen anderen, zeitgleichen Akten leicht zu überprüfen ist. Die formale Analyse der Geschichte der Dokumente und der Aktenbildung gehört - neben der kriminologischen und der historisch-kritischen inhaltlichen Analyse - zu den eindeutigen Beweisen gegen den Fälschungsvorwurf.

Die Fotografien (hochwertige Farb-Ektachrome) aus der Akte „Zur Judenfrage“ wurden im Jahre 1991 im Auftrag der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz zu Ausstellungszwecken im damals in Bonn befindlichen Politischen Archiv angefertigt. Im Jahre 1996 habe ich die Akte dort eingesehen und die Übereinstimmung mit unseren Ektachromen - der Vorlage für die unten folgenden Faksimile - festgestellt.

Transkription der handschriftlichen Vermerke (Absendervermerk des Amtes IV B 4 / Leitung Eichmann, oben Stempel „Geheim“, der verspätete Eingangsstempel von D III mit Datum "23. Dez. 1941" wurde erst nach den Randbemerkungen, vermutlich anlässlich der ersten Ablage aufgebracht):

 

Pg. [Parteigenosse] Rademacher [Legationsrat Franz Rademacher, Leiter von D III, dem sog. „Judenreferat“ in der Abteilung „Deutschland“], bitte O-Gruf [Obergruppenführer] Heydrich mitzuteilen, daß ich erkrankt bin, ihm für seine Einladung sehr danke und wenn irgend möglich teilnehme. Bitte mir für die Sitzung eine Aufzeichnung über unsere Wünsche und Ideen anzufertigen, bitte auch sofort St.S. [Staatssekretär Ernst von Weizsäcker] zu unterrichten. [Paraphe Luther] 4/12


Links unten Vermerk von Rademacher:

Staatssekretär ist unterrichtet, Sitzung ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

[Paraphe Rademacher] 8/12

 


Rückseite, mit durchscheinenden Eingangsstempel und Randbemerkungen der Vorderseite: 

Handschriftliche Adressenänderung von „
Am Kleinen Wannsee Nr. 16“ zu „Am Großen Wannsee Nr. 56-58


Unterschrift: Heydrich





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