Jan Erik Schulte

 

 „... sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden ... zum Arbeitseinsatz kommen“
Die Wannsee-Konferenz im Kontext von SS-Arbeitskräfteplanung
und Völkermord 1941/42

- Teil 2 -



VII.


Die Wannsee-Konferenz: Europaweiter Deportationsplan und jüdische Zwangsarbeit,
Januar 1942

VIII.

In der Folge der Wannsee-Konferenz: Jüdische Zwangsarbeiter für die erweiterten
SS-Siedlungs- und Baupläne
Januar/Februar 1942

IX.

Transport jüdischer Zwangsarbeiter nach Auschwitz und Lublin
Februar - Juli 1942

X.

„Arbeitssklaven“ für die Ostsiedlung: Weiterentwicklung der SS-Pläne,
April - Juni 1942

XI.

Auschwitz-Birkenau - Der sukzessive übergang vom Arbeitslager zum Mordzentrum an den europäischen Juden,
Mai - Juli 1942

XII:

Zusammenfassung und Fazit


 

VII. Die Wannsee-Konferenz: Europaweiter Deportationsplan und jüdische Zwangsarbeit
Januar 1942


Der Dezember 1941 führte zumindest verbal zu einer erneuten Radikalisierung der „Judenpolitik“. Die Auftritte und Aufzeichnungen von Hitler und einigen seiner engsten Mitarbeiter deuten auf die abermalige Verschärfung hin. Ob der Dezember allerdings die entscheidende Zäsur brachte und Hitler Mitte des Monats den Befehl zur Ermordung der europäischen Juden gab, wie Christian Gerlach vor einigen Jahren vermutete, ist zweifelhaft. Auf jeden Fall werden die Tiraden Hitlers und vor allem auch die Ausführungen des Generalgouverneurs Hans Frank zur Ermordung der Juden in Polen das politische Klima nochmals verschärft und Himmler und die SS-Führung zu weiterreichenden Maßnahmen angeregt haben.

Vor diesem Hintergrund kamen am 14. Januar 1942 die Leiter fast aller Hauptämter der SS zu einer zweitägigen Besprechung im so genannten „Hegewaldheim“ zusammen. Neben einigen Einzelgesprächen, die Himmler jeweils am Morgen führte, trafen sich die Eingeladenen an beiden Tagen nach dem Mittagessen zur großen Runde. Über die Tagung und die Gesprächsthemen sind keine Einzelheiten überliefert. Für Pohl und seinen Apparat brachte die Besprechung auf jeden Fall eine wichtige Weichenstellung. Vermutlich am 15. Januar entschied Himmler, die Dienststellen Pohls zum SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt zusammenzulegen. Das Verwaltungswesen der SS und die vom Hauptamtschef geführte Ostsiedlungsorganisation wurden in einer Behörde zusammengefasst; Pohls Anspruch, das gesamte SS- und Polizeibauwesen auch unabhängig von der staatlichen Bauverwaltung zu kontrollieren, wurde unterstrichen.

Es ist anzunehmen, dass auf der Konferenz auch über die eine Woche zuvor von Heydrich für den 20. Januar in das Gästehaus am Großen Wannsee eingeladene Versammlung gesprochen wurde, da im „Hegewaldheim“ die Spitzen der Berliner Bürokratie der SS versammelt waren, die fast ausnahmslos direkt oder indirekt mit der Ermordung der Juden oder mit dem KL-System zu tun hatten. Sicherlich haben Himmler und Heydrich während ihrer längeren Aussprache am Morgen des 15. Januar die Marschroute für die bevorstehende Konferenz am Großen Wannsee und die Schwerpunkte der Besprechung festgelegt.

Nur fünf Tage nach Abschluss der „Hegewaldheim“-Tagung versammelten sich die von Heydrich Eingeladenen zur Wannsee-Konferenz. Die Besprechung ist nicht durch ein Wortprotokoll, sondern durch ein vermutlich von Heydrich redigiertes Ergebnisprotokoll überliefert. Roseman betont in seiner Studie zur Konferenz daher, dass das Protokoll die „Absichten und Interessen des Mannes wieder[gibt], der die Konferenz einberufen hat, Reinhard Heydrich“.

Das Protokoll lässt drei inhaltliche Schwerpunkte der Tagung erkennen: Nachdem Heydrich den Anwesenden kategorisch klar gemacht hatte, dass die „Federführung bei der Bearbeitung der Endlösung der Judenfrage“ bei der SS läge, machte er (1) die Anwesenden mit dem Umfang der Deportationspläne bekannt, erklärte er (2), dass „im Zuge der Endlösung“ die Juden zur Zwangsarbeit eingesetzt werden sollten, und versuchte er (3) eine eindeutige Abgrenzung in der Frage der „Mischlinge“ zu erreichen.

Allein schon aufgrund der exorbitanten geographischen Ausweitung der Opfergruppe ist die Wannsee-Konferenz eine weitere radikalisierende Zäsur auf dem Weg zum Holocaust. Die nunmehr von Heydrich vorgeschlagene Einbeziehung aller europäischen Juden in die Deportationspläne wurde von keinem der anwesenden Staats- und Parteibürokraten negativ kommentiert. Dagegen entspann sich über die Definition und die rechtliche Stellung von „Mischlingen“ ein längerer Streit, der während der Besprechung nicht gelöst und auf weitere Zusammenkünfte untergeordneter Chargen vertagt werden musste. Trotz dieses Problems hatte Heydrich ohne Zweifel sein hauptsächliches Ziel, seine „Federführung“ zu unterstreichen und die Zustimmung und Kooperationsbereitschaft der Ministerial- und Parteivertreter zu erlangen, erreicht.

Heydrichs Ausführungen zur Zwangsarbeit der jüdischen Deportationsopfer erregten ebenfalls keinen Widerspruch. Die in diesem Zusammenhang gemachten Hinweise gehörten zu den wenigen, konkreten Überlegungen des Chefs des RSHA in Bezug auf die Durchführung der Deportationen. (Darüber hinaus machte Heydrich die Anwesenden nur damit vertraut, dass „Europa von West nach Ost durchgekämmt“ und die Juden „zunächst Zug um Zug in so genannte Durchgangsghettos verbracht“ werden sollten. Von dort aus „würden sie weiter nach dem Osten transportiert.“)

Die Zwangsarbeit beschrieb er detailliert:

„Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die  arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird."
 

Heydrich gab unumwunden zu, dass die Beschäftigung der jüdischen Deportierten unter menschenverachtenden Bedingungen stattfinden würde. Gerade vor dem Hintergrund der bereits seit einem halben Jahr durchgeführten Massenmorde in der Sowjetunion wird keinem Konferenzteilnehmer verschlossen geblieben sein, dass es sich um ein mörderisches Programm handelte. Auf jüdische Opfer würde keine Rücksicht genommen, vielmehr würde der „Ausfall“ von Juden die „Endlösung der Judenfrage“ befördern.

Die ältere Forschung hat daher angenommen, dass eine Beschäftigung in Wirklichkeit nicht vorgesehen, sondern der Hinweis auf den Arbeitseinsatz im „Osten“ ein Synonym für die Ermordung der Juden in den östlich gelegenen Vernichtungslagern gewesen sei. Jüngere Darstellungen haben diese Vorstellungen zurückgewiesen und hervorgehoben, dass tatsächlich Juden zur Zwangsarbeit eingesetzt worden sind, insbesondere bei den Arbeiten an der Durchgangsstraße IV. Dort waren die Arbeits- und Lebensbedingungen so schlecht, dass die jüdischen Arbeitskräfte im Höchstfall einige Monate durchhalten konnten. Die Straßenbauarbeiten waren im wahrsten Sinne des Wortes Todeskommandos. Diese Forschungen haben gezeigt, dass Heydrich durchaus beim Wort genommen werden kann. Er benutzte keine Tarnsprache. Allerdings scheinen Arbeitseinsatz und Projekte, wie sie in diesen Studien beschrieben wurden, letztlich nur einen untergeordneten Stellenwert gehabt zu haben.

Die tatsächliche Bedeutung des Arbeitseinsatzes ging allerdings über die bislang in der Forschung dargestellten Vorhaben hinaus. Sie erschließt sich zum einen durch die unmittelbar nach der Wannsee-Konferenz veranlassten Maßnahmen Himmlers, die eine systematische und groß angelegte Beschäftigung von jüdischen Zwangsarbeitern zum Ziel hatten. Die Anordnungen des Reichsführer-SS sollen im folgenden Kapitel (VIII.) erläutert werden. Zum anderen macht ein genauer Blick auf das Protokoll deutlich, dass Heydrich es geschickt verstand, den Arbeitseinsatz unter die alleinige Kontrolle der SS zu bringen. Für die von Himmler vorgesehenen Großprojekte war dies Voraussetzung.

Zu Beginn seiner das III. Kapitel des Protokolls einleitenden Ausführungen bezeichnete Heydrich die „Evakuierung der Juden nach dem Osten“ bemerkenswert verschwommen  nur als eine „weitere Lösungsmöglichkeit“ (neben der Auswanderung), die allerdings die Zustimmung Hitlers erhalten hätte. Vermutlich bezog Heydrich sich hierbei auf die Anordnung Hitlers vom September 1941, die deutschen Juden zu deportieren. Direkt im Anschluss an diesen Satz wies Heydrich darauf hin, dass diese „Aktionen [...] jedoch lediglich als Ausweichmöglichkeiten anzusprechen“ sind, während der für die „kommende Endlösung“ aber praktische Erfahrungen gesammelt werden könnten.

Heydrich konnte also zwei Bestallungen vorweisen. Einmal hatte ihn Göring bevollmächtigt, alle Vorbereitungen zur „Endlösung“ zu ergreifen, zum zweiten hatte Hitler die Deportationen angeordnet. Was das Ziel der Deportationen sein sollte (abgesehen vom schimärischen „Osten“), konnte und durfte Heydrich aber noch nicht sagen. Der Chef des RSHA hatte weder Göring einen detaillierten Plan für die „Endlösung“ vorgelegt, noch hatte der „Führer und Reichskanzler“ das Ziel der „Endlösung“ definiert. Hätte Hitler bereits eine eindeutige Zielrichtung vorgegeben, so hätte Heydrich nicht gezögert, den „Führerbefehl“ als Grundlage seines Auftrages anzugeben - Görings Brief und Hitlers Anordnung zur Deportation erwähnte der Polizeichef ja an prominenter Stelle.

Die Deportationen - wenn auch als „Ausweichmöglichkeiten“ anzusprechen - gehörten auf jeden Fall zu den „erforderlichen Vorbereitungen“ der „Endlösung“. In dieser Lesart kommt der Auftrag für die Verschleppungen sowohl von Göring als auch von Hitler. Eine höhere Autorität war nicht einzufordern.

Bereits im Zuge der Deportationen sollten die Juden Zwangsarbeit leisten, also innerhalb des von Heydrich bzw. der SS verantworteten Auftrags. Das heißt, im Augenblick des Beginns der Deportation war der Arbeitseinsatz allein Sache der SS, die ja die „Federführung“ inne hatte. Ziel war es, ebenfalls im „Zuge der Endlösung“, die Juden „in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz“ zu verpflichten. Auch am Ende der Deportationen sollte die Zwangsarbeit stehen. Anscheinend handelte es sich um ein Projekt zumindest von gewisser Dauer.

Heydrich ließ allerdings offen, ob die Zwangsarbeit im „Osten“ letztendliches Ziel der Deportationen war. Der Abschnitt des Protokolls, der hierüber Auskunft geben könnte, ist nicht eindeutig:
 

„Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.“


Sicherlich würde die Behandlung brutal sein. Letztlich blieb der Chef des RSHA aber auch in der Passage über die Behandlung des „widerstandsfähigsten Teil[s]“ der Juden unpräzise. Er machte nur deutlich, dass an eine Freilassung nicht zu denken sei, er also zumindest lebenslängliche Gefangenschaft vorsah.

Während er bei den Zielen der „Endlösung“ ungenau bleiben musste, hatte es Heydrich in der Frage des Arbeitseinsatzes der Deportierten geschafft, nicht nur die Stellung der Zwangsarbeit im Deportationsprozess zu definieren, sondern zugleich die unumschränkte Verfügungsgewalt der SS über ein riesiges Heer an Zwangsarbeitern zu sichern. Dieses Ergebnis der Konferenz ging ohne Zweifel mit den Prioritäten Himmlers, wie er sie nur wenige Tage später artikulierte, konform.
 

VIII. In der Folge der Wannsee-Konferenz:
Jüdische Zwangsarbeiter für die erweiterten SS-Siedlungs- und Baupläne
Januar/Februar 1942


Am 26. Januar 1941 - sechs Tag nach der Wannsee-Konferenz - erhielt Richard Glücks, der Inspekteur der Konzentrationslager, vom Reichsführer-SS ein Telegramm folgenden Inhalts:
 

„Nachdem russische Kriegsgefangene in der nächsten Zeit nicht zu erwarten sind, werde ich von den Juden und Jüdinnen, die aus Deutschland ausgewandert werden, eine große Anzahl in die Lager schicken. Richten Sie sich darauf ein, in den nächsten 4 Wochen 100.000 männliche Juden und bis zu 50.000 Jüdinnen in die KL aufzunehmen. Große wirtschaftliche Aufgaben und Aufträge werden in den nächsten Wochen an die
Konzentrationslager herantreten. SS-Gruppenführer Pohl wird Sie im Einzelnen unterrichten."


Einen Tag zuvor hatte Himmler bereits Pohl und Heydrich über seinen bevorstehenden Befehl informiert. Mit seinem Verwaltungschef telefonierte der Reichsführer-SS gegen 11 Uhr. Das Gespräch hatte „wirtschaftliche Neuaufgaben“ zum Inhalt. Zudem wurde Pohl für den 28. Januar ins Büro des Reichsführer-SS geladen. Heydrich und Himmler sprachen um 17 Uhr über „Juden in die KLs“.

Die Aufgaben der drei Protagonisten waren also eindeutig geregelt: Heydrich sollte die Juden verhaften und in die Konzentrationslager einweisen, Glücks würde die neuen Häftlinge in seine Lager aufnehmen, und Pohl war für den Arbeitseinsatz, also letztlich das Ziel der Verhaftungsaktion, zuständig. Obwohl die großen wirtschaftlichen Aufgaben und Aufträge nicht weiter beschrieben wurden, geben sowohl das Telegramm als auch der zeitliche Zusammenhang präzise Aufklärung.

Himmler ließ es nicht an Eindeutigkeit fehlen, als er Glücks ausdrücklich darauf hinwies, dass die jüdischen Zwangsarbeiter, die - und das sei hier eingeführt - nach den Ergebnissen der Wannsee-Konferenz deportiert werden sollten, an die Stelle der sowjetischen Kriegsgefangenen treten würden. Die gefangenen Rotarmisten wiederum waren vor allem als Arbeitskräftereservoir für die Ostsiedlung vorgesehen worden. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen waren die meisten dieser Menschen aber Anfang 1942 bereits verstorben oder ermordet worden. Da die Wehrmacht mit den in ihren Lagern zusammengepferchten Gefangenen nicht besser umgegangen war, konnte die SS vor dort keine weiteren potentiellen Arbeitskräfte erwarten.

Diese Situation müssen Himmler und die für die Planung der Ostsiedlung zuständigen SS-Führer gegen Ende Dezember 1941 oder Anfang Januar 1942 erkannt haben (Anfang Dezember 1941 scheint ein Arbeitskräfteengpass noch nicht realisiert worden zu sein.). Folglich fehlten den „grandiosen“ Plänen die eigentlich Ausführenden, die Arbeitskräfte. Das durch die Vernachlässigung und Ermordung der Kriegsgefangenen eingetretene selbst geschaffene Arbeitskräfteproblem sollte nun abermals durch eine SS-typische Maßnahme gelöst werden. Eine neue Zwangsarbeitergruppe würde die sowjetischen Kriegsgefangenen zumindest bis auf weiteres ersetzen und für den Einsatz bei der Ostsiedlung zur Verfügung stehen.

Eine andere Aufgabe stand für die 150.000 neuen Gefangenen nicht bereit. Weder die private und staatliche Rüstungsindustrie noch der SS-Wirtschaftskonzern fragten Anfang 1942 eine so große Anzahl von Arbeitskräften aus den Konzentrationslagern nach. Mit der Anordnung Himmlers war auch kein Einstieg in die Rüstungsindustrie oder der Aufbau eines eigenen SS-Rüstungskonzerns verbunden. Allein die geplante Ostsiedlung bzw. die Friedensbauaufgaben, mit denen sich Himmler und Pohl zu diesem Zeitpunkt befassten, forderten diese Masse an Zwangsarbeitern.

Heydrich hatte während der Wannsee-Konferenz geschickt die Grundlagen gelegt. Der Arbeitseinsatz als Teil der „Endlösung“ und der Deportation standen unter „Federführung“ der SS. Wenn man sich vor Augen hält, dass Himmlers erster Befehl, der die Ergebnisse der Wannsee-Konferenz aufgriff, sich auf den Arbeitseinsatz (und nicht auf die Ermordung) von Juden und seine favorisierten Ostsiedlungsplanungen bezog, dann wird die Bedeutung der Heydrichschen Ausführungen (und seines später abgeschlossenen Protokolls) deutlich. Der Arbeitseinsatz für die so genannten Friedensbauten bzw. die Ostsiedlung war für die SS-Führung kein marginales Vorhaben, sondern stand zumindest Mitte Januar 1942 im Zentrum der Politik der SS und ihrer Vorstellung von der „Endlösung der Judenfrage“.

Die Bedeutung, die Himmler den Friedens- und Siedlungsplanungen zumaß, wird durch sein Gespräch mit Pohl am 28. Januar 1942 nochmals unterstrichen. Wie am 25. Januar telefonisch abgesprochen, erschien Pohl am vorgesehenen Tag. Zunächst, gegen 14.00 Uhr aßen der Reichsführer-SS und sein Gast gemeinsam mit dem Landesbauernführer des Rheinlands und einem seiner Referenten zu Mittag. Ob in dieser Runde schon Fragen der Ostsiedlung oder der Landwirtschaft im „Osten“ angesprochen wurden, ist nicht überliefert. Abgesehen von zwei Telefongesprächen widmete sich Himmler nach dem Essen den ganzen Nachmittag bis in die frühen Abendstunden (19.30 Uhr) seinem Hauptamtschef. Ein wesentlicher Gesprächspunkt war das von Kammler über Pohl eingereichte Friedensbauprogramm, wie Himmler auf Pohls Anschreiben vom Dezember 1941 vermerkte.

Vermutlich wird der Reichsführer-SS seinem Untergebenen bereits am 28. Januar mündlich mitgeteilt haben, dass er Kammlers umfangreiches Bauprogramm noch für unvollständig hielt. Drei Tage nach dem Gespräch schickte Himmler Pohl die schriftliche Fassung zu. Der Reichsführer-SS machte in unmissverständlichen Worten klar, dass allein die offiziellen (d.h. die üblichen Dienstgebäude) für SS und Polizei in fünf Jahren 13 Milliarden Reichsmark kosten würden. „Ich glaube [,] dass dabei die ganz enormen Bauten, die wir für Waffen-SS, Allgemeine-SS und Polizei erstellen wollen, noch nicht mitgerechnet sind.“

Neben einer generellen Kritik am Umfang machte Himmler noch weitere Vorschläge hinsichtlich der Methoden künftiger SS-Bauvorhaben. Zunächst forderte er von Pohl, sich die notwendigen Baumaterialien, Stein, Kalk, Zement, Eisen und Holz, zu sichern. Holz sollte „durch Zuteilung von Holzkonzessionen im nordrussischen Raum“ bereitgestellt werden. Danach ging der Reichsführer-SS nochmals auf die Ausbildung und den Einsatz von Gefangenen für die Ostsiedlung ein. Er bat den Hauptamtschef, „mit allen Maßnahmen darauf abzuzielen, dass wir durch Heranbildung von Gefangenen zu Handwerkern, und zwar zu Spezialisten, [...] die Baukosten aller unserer staatlichen und privaten Bauten der SS und Polizei auf das Minimum herabgesetzt werden [sic].“ Achtzig Prozent eines Hauses oder Staatsgebäudes müssten „durch eigenes Material und durch eigene Kräfte erstellt werden.“ Als Ziel dieser Forderungen formulierte Himmler:
 

„Tun wir das nicht, so werden wir weder anständige Kasernen, Schulen, Dienstgebäude bekommen, noch werden wir Wohnungen für unsere SS-Männer im Altreich haben, noch werde ich als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums die Riesensiedlungen hinstellen können, mit denen wir den Osten deutsch machen.“


Um zu betonen, dass die Bauplanungen für die zukünftige Ostsiedlung nicht nur Pohl und dessen Organisation angingen, sondern sie für die gesamte SS von entscheidender Bedeutung waren, ließ Himmler dieses Schreiben an alle Hauptamtschefs (also die an der Konferenz vom 14.-15. Januar im Hegewaldheim Beteiligten) sowie an die Höheren SS- und Polizeiführer in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa schicken. Indem Himmler dieses Schreiben an die Hauptamtschefs und die bezeichneten HSSPF versandte, wies er zugleich darauf hin, dass Pohl für die gesamte Bauplanung und -durchführung, einschließlich des Arbeitseinsatzes von Zwangsarbeitern, zuständig sei.

Unter dem Eindruck der Überlegungen zur Beschäftigung von großen Massen jüdischer Zwangsarbeiter wird auch die grundlegende Rede gestanden haben, die Heydrich am 4. Februar in Prag vor einer ausgewählten Schar leitender Angehöriger der deutschen Protektoratsregierung hielt. Im Zuge seiner Ausführungen wies er darauf hin:
 

„Die noch nicht Eindeutschbaren [Tschechen] wird man vielleicht bei der weiteren Erschließung des Eismeer-Raumes - wo wir ja die Konzentrationslager der Russen übernehmen, die nach unserer augenblicklichen Kenntnis etwa 15-20 Millionen Deportierte haben und dadurch zukünftig ideales Heimatland der 11 Millionen Juden aus Europa sein werden - vielleicht könnten wir dort nun die Tschechen, die nicht eindeutschbar sind, unter einem positiven Vorzeichen einer prodeutschen Aufgabe als Aufseher, Vorarbeiter usw. einsetzen [...]“


Heydrich offenbarte seine Überzeugung, auch die Tschechen aus ihrem Heimatland zu vertreiben. Im Sinne der rassistischen Vorstellungen der SS mussten sie allerdings eine bessere Behandlung erfahren als die Juden. Der Chef des RSHA und stellvertretende Reichsprotektor von Böhmen und Mähren sah einen Teil der tschechischen Bevölkerung daher als Gefangenenwärter für die in die Eismeerregion verschleppten europäischen Juden vor.

Die Hinweise, Juden in die ehemals sowjetischen Lager zu schicken, beruhten nicht auf einem klaren Plan. Allein die Hinweise auf 11 Millionen Juden waren bei näherer Betrachtung Fiktion. Diese Zahl hatte Heydrich auf der Wannsee-Konferenz als Gesamtzahl der europäischen Juden, die deportiert werden sollten, verkündigt. Gerade Heydrich wusste natürlich, dass schon Hunderttausende umgebracht worden waren und die Vorbereitungen für weitere Mordaktionen auf vollen Touren liefen.

Trotzdem ist anzunehmen, dass die Eismeerlager nicht als Chiffre für die Ermordung der Juden verwandt wurden. Heydrich hätte eine solche elaborierte Umschreibung nicht nötig gehabt und nur auf die Deportationen in den „Osten“ hinweisen müssen. Zudem existierte auch 14 Tage nach der Wannsee-Konferenz noch kein klarer Plan für die „Endlösung“. Neben den territorialen Genoziden, in die Anfang Februar die Deportationsopfer aus Zentral- und Westeuropa noch nicht einbezogen wurden, gab es eine eindeutige Befehlsgebung nur für den Arbeitseinsatz von deportierten Juden. Da Himmler der Zwangsarbeit von Juden für die Ostsiedlung hohe Priorität beigelegt hatte, lag es durchaus im Interesse Heydrichs, einen weit vom Reich entfernten Aufnahmeraum für den „anfällig endlich verbleibenden Restbestand“ - wie im Wannsee-Protokoll vermerkt - vorzusehen und die Lager auch gleich mit ebenfalls für die Vertreibung vorgesehenen tschechischen Bewachungskräften auszustatten.

Ob Heydrich diesen Plan weiterverfolgt hat oder es sich nur um eine plötzliche Eingebung handelte, ist nicht zu entscheiden. Er steht auf jeden Fall in der Kontinuität der Planungen eines jüdischen Arbeitseinsatzes für die gigantischen Bauprojekte in Osteuropa.

Kammler nahm die am 31. Januar gemachten Anregungen und Anforderungen Himmlers sogleich auf und legte sechs Tage nach Heydrichs Rede in Prag, am 10. Februar 1942, einen neuen Plan für die „Bauaufgaben des Reichsführers-SS im Kriege und Frieden“ vor, in dem er sowohl den Umfang der Projekte als auch die Organisation der Baueinheiten neu bestimmte. Kammler schätzte nun, dass die Baukosten für die Jahre nach dem Krieg rund 20 bis 30 Milliarden Reichsmark betragen würden. Hierin waren die Bauten des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums eingeschlossen. Wie von Himmler gefordert, diskutierte der SS-Bauchef detailliert den Aufbau eigener Baustoffbetriebe und bezog auch private Baufirmen in seine Planungen mit ein.

Die Zwangsarbeiter sollten gemäß den Plänen Kammlers nun in SS-Baubrigaden organisiert werden. Diese Einheiten würden sich in zwei SS-Bauregimenter unterteilen, die sich jeweils aus drei SS-Baubataillonen mit je vier SS-Baukompanien zusammensetzten. Die Baubataillone würden sich spezialisieren (siehe Himmlers Anforderung!) auf „Tiefbau“, „Hochbau“ und „Ausbau“. Insgesamt sollte eine Kompanie 200 Mann umfassen, also die SS-Baubrigade aus 4.800 Personen bestehen.

Auch über die Art und den Umfang als Bauzwangsarbeiter beschäftigte Kräfte ließ Kammler Näheres verlauten. Er wollte „Häftlinge, Kriegsgefangene, Juden usw.“ einsetzen. Der Bauchef war also über die Arbeitskräfteproblematik genauestens unterrichtet. Zunächst sollten gemäß Himmlers Vorstellungen Häftlinge des KL Lublin das hauptsächliche Arbeitskräftekontingent bereitstellen, danach forderte der Reichsführer-SS sowjetische Kriegsgefangene an und nun, seit Himmlers Telegramm an Glücks, wurden auch Juden als Arbeitskräfte vorgesehen. Um keine potentielle Zwangsarbeitergruppe auszulassen, führte Kammler sie (an mehreren Stellen im Text) summarisch an - allerdings genau in der Reihenfolge der vorhergegangenen Entwicklung.

Die Zahl der Bauarbeitskräfte, oder genauer, der „Häftlinge, Kriegsgefangenen, Juden usw., die Kammler für 1942 benötigte, betrug genau für die einzelnen geographischen Gebiete:

 

„Reich

67.500

Generalgouvernement

47.500

Ostraum

60.000“


Insgesamt forderte der SS-Bauchef 175.000 Zwangsarbeiter als „Baufach- und Bauhilfsarbeiter“. Dies stellte ein Mehrfaches des aktuellen Bestands an KL-Häftlingen sowie Kriegsgefangenen dar. Bezieht man die von Himmler angekündigten 150.000 jüdischen Zwangsarbeiter in die Rechnung mit ein, dann ergibt sich eine durchaus realistische Anforderung. Nachvollziehbar waren diese Zahlenspiele also nur vor dem Hintergrund des Himmlerschen Befehls. Tatsächlich hätte Kammler 1942 nie diese große Anzahl von Zwangsarbeitern einsetzen können. Es fehlte ihm schlicht das Aufsichtspersonal, die Organisation und eine auch nur rudimentär für solche Dimensionen ausreichende Logistik. Zum Vergleich führte der SS-Bauchef selbst an, dass Mitte Dezember 1941 keine 9.000 KL-Häftlinge auf Baustellen der SS eingesetzt waren.

 

IX. Transport jüdischer Zwangsarbeiter nach Auschwitz und Lublin
Februar-Juli 1942


Die Aktivitäten der SS-Führung und Ostsiedlungsplaner blieben nicht bei Gedankenspielen stehen. Vielmehr sollten die Pläne auf der praktischen Ebene umgesetzt werden. In Auschwitz wurde mit großer Eile und auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Gefangenen der Ausbau des Lagers in Birkenau vorangetrieben. Zwei Tage vor Eröffnung des neuen Teillagers nahm Kammler noch einmal persönlich die Bauten ab. Am 1. März 1942 verlegte dann die KL-Kommandantur die ersten Häftlinge nach Birkenau. Das Lager war somit aus der Sicht der SS-Führung für die Aufnahme von Gefangenen bereit. Wie sich allerdings schon zu Beginn zeigte, waren die Lebensbedingungen in Birkenau noch schlechter als im Stammlager von Auschwitz. Nach nur wenigen Monaten waren die meisten der Anfang März nach Birkenau verlegten KL-Insassen verstorben.

Wie von Himmler, Pohl und Kammler geplant, bildeten die Gefangenen von Auschwitz-Birkenau und Lublin das Arbeitskräftereservoir für die Ostsiedlung. Da die sowjetischen Kriegsgefangenen durch 150.000 Juden ersetzt werden würden, wie Himmler in seinem Telegramm an Glücks klargestellt hatte, sollten die beiden extra für die Siedlungsvorbereitung errichteten Lager nun Juden aufnehmen.

Himmler machte sich die bereits seit geraumer Zeit zwischen dem Auswärtigen Amt und der slowakischen Führung geführten Gespräche um die Auslieferung der slowakischen Juden zunutze, und bat die deutsche Behörde, sich für eine Überstellung von 20.000 jungen, jüdischen Arbeitskräften für einen Einsatz im „Osten“ einzusetzen. Rund 13.000 sollten in das Kriegsgefangenenlager in Lublin, die weiteren in das Auschwitzer Lager deportiert werden.

Tatsächlich sagte die slowakische Regierung die Menschentransporte zu. Ein erster Zug mit 1.000 jüdischen Frauen verließ die Slowakei in der Nacht vom 25. auf den 26. März 1942 in Richtung Auschwitz. Zur gleichen Zeit und unter maßgeblicher Beteiligung Himmlers waren rund 1.000 weibliche Häftlinge aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück nach Auschwitz überstellt worden. Gemeinsam mit den slowakischen Frauen wurden sie in einem abgetrennten Teil des Auschwitzer Stammlagers untergebracht. Die Frauenabteilung in Auschwitz entstand.

Zwei Tage nach dem ersten Transport aus der Slowakei trafen weitere 789 junge slowakische Frauen in Auschwitz ein. Noch zwei Transporte folgten. Auch nach Lublin wurden insgesamt vier Transporte mit jüdischen Männern aus der Slowakei geleitet. Diese Transporte bildeten die Speerspitze des Programms, das Himmler nach der Wannsee-Konferenz verkündet und zunächst auf die deutschen Juden bezogen hatte. Die „arbeitsfähigen“, jungen Juden sollten anstatt der verstorbenen Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter für die Ostsiedlung dienen.

Allerdings folgten bereits seit dem 11. April 1942 den zunächst nur aus „Arbeitsfähigen“ bestehenden Transporten Deportationszüge mit ganzen Familien. Die nach Lublin geschickten jüdischen Familien wurden auf die Dörfer und Ghettos der Umgegend aufgeteilt, in Auschwitz kamen alle dorthin verschleppten Slowaken ins Lager, wo jedoch die meisten aufgrund der mörderischen Lebensbedingungen innerhalb kürzester Zeit starben.

Zur gleichen Zeit wurden Deportationstransporte aus dem Deutschen Reich ebenfalls in die Gegend von Lublin geschickt. Die Züge hielten üblicherweise zunächst einmal in Lublin, wo die als „arbeitsfähig“ klassifizierten Männer den Transport verlassen mussten. Sie wurden in das Lubliner Lager eingewiesen. Die Ghettos, die als Aufenthaltsort der übrigen Familienangehörigen vorgesehen waren, hatte die SS schon vorher von der einheimischen jüdischen Bevölkerung geräumt. Diese ehemaligen Bewohner der Ghettos wurden seit März 1942 in der Vernichtungsstätte Belzec ermordet. Im Zeitraum vom März bis Juni 1942 trafen rund 55.000 Juden aus dem Altreich, Wien und dem Reichsprotektorat im Distrikt Lublin ein. Wie viele ausgesondert und als Häftlinge dem Kriegsgefangenenlager Lublin überstellt wurden, ist nicht bekannt.

Parallel zu den Verhandlungen um die Herausgabe von „arbeitsfähigen“ slowakischen Juden begann das Reichssicherheitshauptamt auch den Abtransport von Juden aus Frankreich vorzubereiten. Regional tätige SS-Funktionsträger hatten schon seit einiger Zeit die Deportation zumindest der ausländischen und in Lagern zusammengefassten Juden gefordert. Während einer Konferenz der Judenreferenten im RSHA befahl Adolf Eichmann am 4. März 1942, dass der französischen Regierung die Deportation von „rd. 5 000 Juden nach dem Osten“ vorgeschlagen werden solle. Der Judenreferent im RSHA betonte, dass es sich „zunächst um männliche, arbeitsfähige Juden, nicht über 55 Jahren zu handeln“ habe. Wie im Fall der slowakischen Juden ging es auch Eichmann nicht um eine allgemeine Deportationsorder, sondern um die Überstellung von „arbeitsfähigen“ Juden in die Lager im „Osten“.

Ein erster Transport des schließlich im März auf 6.000 Juden festgesetzten französischen Kontingents erreichte Auschwitz am 30. März 1942. Die weiteren Deportationszüge trafen vom 7. Juni bis 19. Juli im Konzentrationslager ein. Wie vorher die slowakischen, so wurden auch die französischen Transporte nicht in „Arbeitsfähige“ und „Arbeitsunfähige“ unterteilt. Alle Ankömmlinge wurden ohne Ausnahme in das Lager aufgenommen. 

 

X. „Arbeitssklaven“ für die Ostsiedlung: Weiterentwicklung der SS-Pläne
April - Juni 1942


Die Ostsiedlung und die Schaffung eines Zwangsarbeiterbestandes gehörten auch im ersten Halbjahr 1942 zu den Prioritäten der SS. Am 30. April 1942 wies Pohl in einem Schreiben an Himmler darauf hin, dass KL-Häftlinge zunächst bei Rüstungsprojekten beschäftigt werden sollten, letztlich aber „später für Friedensbauaufgaben“ vorgesehen wären. Einen zukünftigen Einsatz der Gefangenen in der besetzten Sowjetunion wollte der Hauptamtschef auch zu diesem Zeitpunkt noch vorbereiten. Jedenfalls mochte er es nicht zulassen, dass die Sicherheitspolizei in Riga, Kiew und Bobruisk eigene Lager aufbaute. Vielmehr forderte er indirekt ein Eingreifen Himmlers, indem er klarstellte: „Ich halte es für richtig, wenn solche Pläne an das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt herangetragen werden, damit sie einheitlich von einer Stelle für SS und Polizei geplant und durchgeführt werden.“ Der Reichsführer machte sich Pohls Standpunkt tatsächlich zu eigen und notierte am Rand dieses Abschnittes ein handschriftliches „ja“.

Auch der von Konrad Meyer aufgestellte, umfangreiche „Generalplan Ost“, den Himmler am 3. Juni 1942 erhielt, sah ein riesiges Zwangsarbeiterheer für die Bauvorhaben der Ostsiedlung vor. Meyer errechnete allein für die ersten fünf Jahre einen Bedarf von 850.000 Arbeitskräften. Da sich nicht genug zivile Bauarbeiter finden würden, schlug er den Einsatz von Kriegsgefangenen oder anderen „fremdvölkische[n] Arbeitskräfte[n]“ vor.

Himmler hielt besonders beharrlich an seinen Visionen sowohl von der Ostsiedlung als auch von einem massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern fest. Kurz nach Erhalt des Generalplans nahm er zu ihm Stellung und plädierte abermals für eine Ausdehnung der Planungen. Und am 9. Juni 1942 hob er anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für den einem Attentat zum Opfer gefallenen Heydrich in einer programmatischen Rede vor den SS-Oberabschnittsführern und Hauptamtschefs hervor:

„Das dritte große Problem für den Frieden ist die Siedlung. Der Krieg hatte keinen Sinn, wenn nicht nach dem Kriege [...] Böhmen-Mähren, die deutschen Ostgaue Südostpreußen, Danzig-Westpreußen, Warthegau, Oberschlesien, das Generalgouvernement, Ostland, die Krim, Ingermanland nach 20 Jahren total deutsch besiedelt würden [...] Wenn wir nicht die Ziegelsteine hier schaffen, wenn wir nicht unsere Lager mit Sklaven voll füllen - in diesem Raum sage ich die Dinge sehr deutlich und sehr klar -, mit Arbeitssklaven, die ohne Rücksicht auf irgendeinen Verlust unsere Städte, unsere Dörfer, unsere Bauernhöfe bauen, dann werden wir auch nach einem jahrelangen Krieg das Geld nicht haben, um die Siedlungen so auszustatten, dass wirklich germanische Menschen dort wohnen und in der ersten Generation verwurzeln können”.
 

XI. Auschwitz-Birkenau - Der sukzessive Übergang vom Arbeitslager zum Mordzentrum an den europäischen Juden
Mai - Juli 1942


Obwohl Himmler, Pohl und die SS-Siedlungsexperten an ihren Germanisierungsprojekten und an der Notwendigkeit Hunderttausende von Zwangsarbeitern auszubeuten festhielten, erreichte nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Juden, die als Arbeitskräfte vorgesehen waren, die Lager der Ostsiedlung. Auch forderten die katastrophalen Lebensbedingungen in den Lagern beständig Opfer. Wie für die sowjetischen Kriegsgefangenen, so waren Auschwitz und Lublin im Frühjahr 1942 für die meisten Juden nicht Arbeits-, sondern Sterbelager.

Zudem wurden „arbeitsunfähige“ Häftlinge und zunehmend auch ähnlich kategorisierte Juden aus den Schmelt-Lagern im Krematorium des Stammlagers und im so genannten Bunker 1 nordöstlich von Auschwitz-Birkenau durch Gas erstickt. Seit dem 5. Mai 1942 fanden auch immer wieder Selektionen von kranken KL-Häftlingen statt, die im Bunker 1 ermordet wurden.

Die Ausdehnung der Tötungsaktionen und der bald regelmäßige Einsatz der Gaskammern in Auschwitz-Birkenau korrespondierten mit einer weiteren Radikalisierung des Genozides an der jüdischen Bevölkerung. In der neueren Forschung wird das Frühjahr 1942, genauer gesagt die Monate Mai und Juni, als eine Phase bezeichnet, die die entscheidende Weichenstellung hin zu einem umfassenden, europaweiten Mordprogramm brachte. In diesem Zeitraum wurde mit den Vorbereitungen zur Ermordung aller Juden im Generalgouvernement begonnen, in der Sowjetunion initiierte die SS die letzte große, alles vernichtende Mordwelle, bislang von den Mordaktionen ausgesparte Deportationsgruppen, wie die aus Zentraleuropa nach Lodz verschleppten Menschen, fielen der Vernichtung anheim, und sowohl die nach Lublin deportierten Slowaken als auch die Angehörigen der seit Mai aus dem Reich nach Minsk verschickten Transporte wurden nun umgehend ermordet.

Anfang Mai 1942 bezog die SS nun auch Auschwitz in die regionalen Vernichtungsaktionen ein. Die zur Ermordung bestimmten ostoberschlesischen Juden wurden ins das Lager transportiert und dort ohne Selektion umgebracht. Auschwitz fungierte damit als regionale Vernichtungsstätte ähnlich Belzec für den Distrikt Lublin und Chelmno für den Warthegau. Die als Arbeitskräfte nach Auschwitz Eingelieferten wurden von den systematischen Morden noch nicht betroffen. Wie im Herbst 1941, als sowjetische Kriegsgefangene in zwei Gruppen, einmal zum Arbeitseinsatz und einmal zur sofortigen Ermordung eingeliefert wurden, so war Auschwitz auch im Frühjahr Todeslager für die ostoberschlesischen Juden und zugleich Arbeitslager für die Juden aus der Slowakei und Frankreich.

Nach der Deportationssperre vom 10. Juni 1942 und dem damit einhergehenden vorläufigen Ende der Transporte in die besetzte Sowjetunion und nach Lublin traf Himmler eine weitgehende Entscheidung. Zwar sollten noch immer überwiegend „arbeitsfähige“ westeuropäische Juden nach Auschwitz transportiert werden, er ließ aber jetzt auch zu, dass „10 % nicht arbeitsfähige Juden [...] mitgeschickt werden“ könnten. Die klare Regelung, dass per definitionem die Deportierten aus Westeuropa „arbeitsfähig“ wären, wurde von Himmler selbst aufgeweicht. Von nun an musste die Lager-SS selbst die Entscheidung treffen, wer „arbeitsfähig“ und wer „arbeitsunfähig“ war.

Da letztlich alle westeuropäischen Juden ihre Heimatländer verlassen müssten, wie auch schon von Heydrich während der Wannsee-Konferenz verkündigt, nahmen die regionalen SS-Deportationsbehörden Himmlers Befehl zum Anlass, nun auch ganze Familien nach Auschwitz zu schicken. In Auschwitz-Birkenau sollten aber gemäß den ursprünglichen Vorstellungen der SS-Führung nur Arbeitskräfte aufgenommen werden. Die Lager-SS ging daher dazu über, die Eintreffenden in „Arbeitsfähige“ und „Arbeitsunfähige“ zu unterteilen. Die als Zwangsarbeiter für einen späteren Arbeitseinsatz vorgesehenen Juden wurden in das Lager aufgenommen. Für deren Familienangehörigen, für Alte, Kranke und Kinder gab es keinen Platz im Lager. Sie wurden ermordet. Soweit überliefert, fand am 4. Juli 1942 zum ersten Mal die Selektion eines kompletten Deportationszuges statt. Insgesamt 372 slowakische Juden wurden als zukünftige Arbeitskräfte ins Lager überstellt, die übrigen 628 schickte die SS sofort in die Gaskammern.

Seit dieser Zeit führte die Lager-SS regelmäßig Selektionen der ankommenden Transporte durch. Ein Teil der nach Auschwitz verschleppten Menschen kam ins Lager, die Mehrzahl starb in den Todeskammern von Birkenau. Eine Ausnahme bildete nur der bereits im März von Eichmann vorgesehene sechste Transport aus Frankreich. Da dieser Zug gemäß Befehl nur einsatzfähige Arbeitskräfte brachte, unterlag er auch nicht der Selektion. Die Lager-SS überstellte am 19. Juli 1942 - also zwei Wochen nach Beginn der Selektion - alle Juden in das Lager. Ein nur zwei Tage später in Frankreich abgefahrener Deportationszug wurde dagegen wie andere eintreffende Transporte nach „Arbeitsfähigen“ und „Arbeitsunfähigen“ sortiert. 375 Menschen starben unmittelbar nach der Ankunft des Zuges in den Gaskammern. Mit den Selektionen in Auschwitz begann im Juli die fast unterschiedslose Ermordung von Juden aus Westeuropa.

Für die Lager-SS stellte der Beginn der systematischen Ermordung der westeuropäischen Juden keine große Zäsur dar. Schon vorher war ihr Lager ein Ort massenhaften Sterbens gewesen. Und seit Mai wurden regelmäßig Kranke aus Auschwitz und aus anderen Lagern, die die SS kontrollierte, sowie schließlich auch tausende ostoberschlesische Juden in Birkenau vergast. In der SS-Logik gelang es mit Hilfe der Selektion, Arbeits- und Mordauftrag zugleich zu erfüllen. Da es keine konkreten Vorstellungen über Umfang und Einsatz der Zwangsarbeiter aus Auschwitz-Birkenau gab und das WVHA keine Vorgaben machte, lag die Entscheidung über die Form der Selektion und die Zahl der für Zwangsarbeiten bereitgestellten Gefangenen bei der SS-Führung des Konzentrationslagers.

Himmler besuchte bereits am 17. Juli 1942 Auschwitz und wohnte in Birkenau der Selektion eines Transportes sowie der Ermordung eines Teils der Neuankömmlinge bei. Obwohl er die Vorgehensweise der Lager-SS nicht kommentierte, konnte die KL-Führung Himmlers Verhalten als Zustimmung auffassen. Faktisch sanktionierte der Reichsführer-SS an diesem Tag das von Höß und seinen Schergen eingeführte Verfahren.

Himmlers Zustimmung zur Selektion und damit zum Massenmord an den westeuropäischen Juden war keine singuläre Entscheidung. Zwei Tage nach seinem Besuch in Auschwitz befahl er die Ermordung aller Juden im Generalgouvernement - mit Ausnahme von einigen wenigen Zwangsarbeitern. Am 22. Juli 1942 begannen daraufhin die Deportationen aus dem Warschauer Ghetto in die Vernichtungsstätte Treblinka.

Obwohl einige „Arbeitsfähige“ zurückgehalten werden sollten, trat die Zwangsarbeit von jüdischen Gefangenen doch immer mehr in den Hintergrund. Überlegungen zur Ostsiedlung blieben als theoretisches Konstrukt in den Köpfen der SS-Führer, aber es beeinflusste kaum noch ihr Handeln. Die Entscheidungen Himmlers und die Vorgehensweise der Lager-SS gaben der Vernichtung seit Juli 1941 oberste Priorität. Auschwitz-Birkenau wurde zum Mordzentrum an den west- und südosteuropäischen Juden.

 

XII. Zusammenfassung und Fazit


Die zunächst vor allem von Himmler und seinem Chefplaner Professor Konrad Meyer entworfenen Pläne von einer deutschen Besiedlung Ostmittel- und Osteuropas („Generalplan Ost“) erforderten ein großes, nur der SS zur Verfügung stehendes Arbeitskräftereservoir. Mit der beginnenden Eroberung der europäischen Sowjetunion schien Himmler der Realisierung seiner Utopien näher gekommen zu sein. Aus diesem Grund befahl er am 20. Juli 1941 den Aufbau eines Konzentrationslagers in Lublin. Die dorthin einzuweisenden Häftlinge sollten später als Arbeitskräfte beim Siedlungs- und Stützpunktbau im „Osten“ eingesetzt werden.

Im September 1941 kam Himmler zu dem Schluss, sich an der Ausbeutung der sowjetischen Kriegsgefangenen zu beteiligen und sah - nach Absprache mit der Wehrmacht - 100.000 bis 200.000 Gefangene für seine Ostbauprogramme vor. Um diese Zwangsarbeiter aufnehmen zu können, ordnete der Reichsführer-SS am 25. oder 26. September 1941 die Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers in Auschwitz (-Birkenau) und die Umwandlung des Lubliner Konzentrationslagers in ein Kriegsgefangenenlager an. Diese Chronologie widerlegt die Nachkriegsbehauptungen von Rudolf Höß, der den Aufstellungsbefehl für Auschwitz-Birkenau auf Anfang März 1941 datierte.

Mit dem Aufbau der Lager, der Aufstellung von Bauplänen für die SS- und Polizeistützpunkte im „neuen Ostraum“ und dem Arbeitseinsatz der Zwangsarbeiter beauftragte Himmler SS-Gruppenführer Oswald Pohl. Die von ihm kontrollierte Verwaltungs- und Baubürokratie übernahm sukzessive alle Vorbereitungen zur Umsetzung der Ostsiedlungspläne.

Die Maßnahmen zur Realisierung der Ostsiedlung und die Mordaktionen an der einheimischen Bevölkerung vor allem in Osteuropa verliefen parallel. Meyers Siedlungspläne forderten von Einheimischen geräumte Gebiete. Der Massenmord oder zumindest eine gewaltsame Vertreibung waren Voraussetzung für die Umsetzung der Germanisierungs- und Siedlungsprojekte.

Obwohl bereits im Herbst 1941 jüdische Arbeitskräfte zumindest partiell von der Ermordung ausgenommen wurden, spielten sie in den 1941 angestellten Überlegungen der Siedlungsplaner noch keine Rolle. Dies änderte sich mit der Jahreswende 1941/1942: Die SS-Führung erkannte, dass die sowjetischen Kriegsgefangenen nicht mehr für einen Einsatz im Rahmen der Ostsiedlung zur Verfügung standen, da sie in den Lagern der Wehrmacht und SS in Massen verhungert und ermordet worden waren.

Auf der Wannseekonferenz betonte daher Reinhard Heydrich, dass die Juden im Rahmen der „Endlösung“ und damit implizit unter der Kontrolle der SS zur Zwangsarbeit eingesetzt werden sollten. Auch wenn viele Juden sterben würden, war der Arbeitseinsatz nicht nur Mittel zum Zweck der Vernichtung jüdischer Menschen. Mit der faktischen Zustimmung der anwesenden Ministerialbürokratie hatte Heydrich für die SS die unumschränkte Kontrolle über ein scheinbar unerschöpfliches Arbeitskräftepotential gesichert.

Ob die Juden nur für kurze Zeit Zwangsarbeit leisten sollten, geht aus dem Protokoll nicht eindeutig hervor. Auf jeden Fall würden sie nicht freigelassen werden. Entscheidungen und Äußerungen von Himmler und Heydrich unmittelbar nach der Wannsee-Konferenz legen jedoch nahe, dass zumindest darüber nachgedacht wurde, sich der jüdischen Zwangsarbeiter für einen längeren Zeitraum zu versichern.

Unter dem Blickwinkel des Arbeitseinsatzes wird deutlich, dass die Wannsee-Konferenz zwar zu einer Radikalisierung der „Judenpolitik“ beitrug, aber zu diesem Zeitpunkt weder ein detaillierter Plan für einen Genozid vorlag, noch das letzte Ziel einer „Endlösung der Judenfrage“ bekannt war. Heydrich beließ es bei ausweichenden Formulierungen und konnte nur auf Hitlers und Görings Autorisierung der Deportationen hinweisen. Einen darüber hinausgehenden Auftrag blieb der Chef des RSHA schuldig.

Das nach der Wannsee-Konferenz von der SS-Führung initiierte Deportationsprogramm stand zunächst unter dem Vorzeichen der Verschleppung von „arbeitsfähigen“ Juden. Dies deutet nicht darauf hin, dass die Ermordung aller Juden spätestens zum Zeitpunkt der Wannsee-Konferenz beschlossene Sache war. Vielmehr liefen auch nach der Konferenz verschiedene Entwicklungen parallel ab. Hierzu gehörte sowohl die Deportation ausgewählter, „arbeitsfähiger“ Juden aus Frankreich und der Slowakei als auch die zunehmende Ausweitung der regionalen Genozide an der jüdischen Bevölkerung.

Himmler erste Reaktion auf die Wannsee-Konferenz bestand in einem Befehl zur Überstellung von 150.000 Juden an die Konzentrationslager (25./26. Januar 1942). Pohl sollte sie anstelle der sowjetischen Kriegsgefangenen einsetzen. Damit wurden die Juden als Arbeitskräfte für die Ostsiedlung und sowohl Auschwitz-Birkenau als auch Lublin als Aufnahmelager für jüdische Gefangene vorgesehen.

Obwohl Auschwitz-Birkenau nun statt Rotarmisten Juden aufnahm, diente es zumindest bis April 1941 vorwiegend als Arbeits- und nicht als Vernichtungslager. Erst im Mai 1941 wurde das Lager in die regionalen Vernichtungsaktionen der SS einbezogen und fungierte als Mordstätte für die ostoberschlesischen Juden.

Noch im Juni sollten die nach Auschwitz dirigierten Transporte aus Westeuropa vorwiegend „Arbeitsfähige“ umfassen. Doch weichte Himmler selber seine zunächst kategorische Forderung auf, nur Zwangsarbeiter nach Auschwitz zu deportieren, und ließ es zu, dass auch Familienmitglieder mitgeschickt wurden.

Um „Arbeitsfähige“ von „Arbeitsunfähigen“ zu trennen und somit in der Logik der SS den Auftrag, Zwangsarbeiter in Auschwitz-Birkenau zu versammeln, weiter befolgen zu können, führte die Lager-SS am 4. Juli 1942 die Selektion ein und somit die umgehende Vergasung der als nicht „arbeitsfähig“ eingestuften Menschen. Bei einem Besuch am 17. Juli 1942 sanktionierte Himmler das Vorgehen der Lager-SS. Da der Arbeitseinsatz im Rahmen der Ostsiedlung immer unrealistischer wurde und zudem das Mordprogramm sowohl von Himmler als auch von der Lager-SS Priorität erhielt, wurde Auschwitz-Birkenau seit Juli 1942 nicht mehr vorwiegend als Arbeits-, sondern als Vernichtungslager für die west- und südosteuropäischen Juden genutzt.

Die Zwangsarbeit von Juden im Zuge der Ostsiedlung war in den Augen der SS ein durchaus ernsthaftes Projekt, das Heydrich auf der Wannsee-Konferenz vorbereitete und Himmler mit seinem Befehl an den Inspekteur der Konzentrationslager, Glücks, anstieß. Da die Arbeitskräfteplanungen aber wenig genau gefasst wurden und es der SS nicht gelang, ihr Zwangsarbeiterprojekt von den Mordplänen zu trennen, musste der jüdische Arbeitseinsatz scheitern. Allerdings bewirkte das Vorhaben Himmlers und Pohls, ein Arbeitskräftereservoir für die Ostsiedlung aufzubauen, die Errichtung von Auschwitz-Birkenau, und ihre Forderung nach jüdischen Zwangsarbeitern führte zur Einbeziehung dieses Lagers in die „Endlösung“. Trotz ihres Scheiterns blieben die Zwangsarbeiterpläne nicht ohne Folgen: Sie wiesen den Weg nach Auschwitz und machten das Lager letztlich zum Vernichtungszentrum, in dem die west- und südosteuropäischen Juden ermordet wurden.
 

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Veröffentlichungen:

Schulte, Jan Erik
Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS - Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945.
Paderborn (u.a.): Schöningh (2001). VII, 550 S.

-, Der SS-Konzern - ein multinationales Provisorium.
In: Haustein, P. (Hrsg.): Konzentrationslager. - Geschichte und Erinnerung.
Ulm: Klemm & Oelschläger 2001. S. 91-105

-, Die Konvergenz von Normen- und Maßnahmestaat: Das Beispiel SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, 1925-1945.
In: "Bürokratien" - Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus.
Berlin: Assoziation A. Bd. 17. S. 151-188

-, Rüstungsunternehmen oder Handwerksbetrieb? Das KZ-Häftlinge ausbeutende Unternehmen
"Deutsche Ausrüstungswerke GmbH".
In: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Bd II: Entwicklung und Struktur.
Göttingen: Wallstein 1998. S. 558-583.

-, Vom Arbeits- zum Vernichtungslager. Die Entstehungsgeschichte von Auschwitz-Birkenau 1941/42.
In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte.
München: Oldenbourg. 50.Jg. 2001, Heft 1, S. 41-69

-, Zwangsarbeit für die SS: Juden in der Ostindustrie GmbH.
In: Ausbeutung, Vernichtung, Öffentlichkeit.
München: Saur 2000. S. 43-74
(Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz. 4.) 

 


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