August-Bebel-Institut (1947-1952)

Nach bisher unbestätigten Berichten sollen sich nach dem Krieg in der Villa zuerst sowjetische Marinesoldaten, dann später Offiziere der amerikanischen Besatzungstruppen aufgehalten haben. Für die Vermutung des Aufenthaltes von sowjetischen Marinesoldaten existiert lediglich ein Bericht der Polizeiinspektion Berlin Wannsee vom 2. März 1960. Auch die Angaben, dass die Villa zeitweilig genutzt wurde, um erkrankte jüdische Kinder aus dem DP-Lager Berlin-Schlachtensee gesund zu pflegen, konnten bislang weder von UN-Organisationen noch vom Deutschen Roten Kreuz bzw. dem Internationalen Roten Kreuz in Genf bestätigt werden. Nach glaubwürdigen Beschreibungen von zwei Betroffenen wurden 1946 elternlose Jugendliche in der Villa betreut, bis zu ihrer Verlegung in ein Heim nach Berlin-Kladow.

1946 ging das Grundstück in den Besitz des Magistrats von Groß-Berlin über, der es am 12. Dezember 1946 an die SPD Groß-Berlin vermietete. Die am 25. März 1947 von fünf sozialdemokratischen Verlegern gegründete Stiftung mit dem Namen „August-Bebel-Institut“ errichtete in der Villa am Wannsee eine Bildungsstätte.

Die Ausgabe vom 24. Februar 1947 der Zeitung „Der Sozialdemokrat“ berichtete auf Seite 1, dass die Verlage des „Sozialdemokrat“, des „Sozialistischen Jahrhunderts“ und des „Telegraf“ 150.000 RM zur Gründung einer August-Bebel-Stiftung zur Verfügung stellten: „Mit Hilfe dieser Stiftung soll ein Erholungsheim am Wannsee errichtet werden, dem gleichzeitig eine August-Bebel-Bibliothek angegliedert werden soll, in der alle Schätze der internationalen Arbeiterliteratur gesammelt werden.“

Angeboten wurden 5-Tage-Kurse und 2-Wochen-Lehrgänge, die sich u. a. mit Themen wie „Marxismus als Methode“, „Sozialisierung als Gegenwartsaufgabe“, „Politik und Propaganda“ oder „Demokratie und Totalitarismus“ befassten. Daneben wurden Kurse für Verwaltungsangestellte sowie Wirtschafts- und mehrtägige Sonderkurse zu Fragen der Sozialdemokratie, Verfassungsfragen und der Berliner Kommunalpolitik angeboten. An Kursgebühren waren „zu zahlen täglich 2,- Mark. Davon für alle Lohn- oder Gehaltsempfänger, die 25 Prozent oder mehr ihres Lohnes in Westmark erhalten, die Hälfte in Westmark.“ Zu den Referenten gehörten u. a. Ernst Reuter, Carlo Schmidt und Otto Suhr.

 Bereits im Herbst 1951 wurde der Beschluß gefasst, das Haus aus finanziellen Gründen aufzugeben. Im Januar 1952 erfolgte die Übergabe des Grundstücks an den Bezirk Neukölln zur Errichtung eines Schullandheims.