Der historische Ort am Großen Wannsee



Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Region am Großen und Kleinen Wannsee zu einem großbürgerlichen Vorort der Reichshauptstadt Berlin.

Bekannte Architekten, Künstler und Landschaftsarchitekten gestalteten die Villen und Sommerhäuser für Industrielle, Bankiers, Künstler und Verleger.

Der Fabrikant Ernst Marlier (1875-1948) erwarb 1914 von der Königlich-Preußischen Regierung ein Grundstück von insgesamt 30.578 qm Land und ließ sich von dem Architekten Paul O. A. Baumgarten eine repräsentative Villa im italienischen Landhausstil errichten. 1921 verkaufte er das Grundstück für 2.300.000 Reichsmark an den Generaldirektor im Stinnes-Konzern Friedrich Minoux (1877 - 1945), der 1940 wegen mehrfachen Betruges verhaftet wird und aus dem Gefängnis heraus 1941 das Grundstück an die vom Chef des Reichssicherheitshauptamts Reinhard Heydrich gegründete "Stiftung Nordhav" verkaufte.

In der von 1941 bis 1945 als Gäste- und Erholungsheim der SS genutzten Villa am Großen Wannsee fand am 20. Januar 1942 die heute als „Wannsee-Konferenz“ bezeichnete Besprechung zur "Endlösung der Judenfrage" statt, die von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich geleitet wurde. Adolf Eichmann, Deportationsexperte im Reichssicherheitshauptamt, fertigte das Protokoll an, das 1947 in den Akten des Auswärtigen Amtes gefunden wurde.

Nach bisher unbestätigten Berichten sollen sich nach dem Krieg in der Villa zuerst sowjetische Marinesoldaten, dann später Offiziere der amerikanischen Besatzungstruppen aufgehalten haben. 1946 ging das Grundstück in den Besitz des Magistrats von Groß-Berlin über, der es am 12. Dezember 1946 an die SPD Groß-Berlin vermietete. Die am 25. März 1947 von fünf sozialdemokratischen Verlegern gegründete Stiftung mit dem Namen „August-Bebel-Institut“ errichtete in der Villa am Wannsee eine Bildungsstätte.

Nach dem Auszug des August-Bebel-Instituts 1952 verpachtete das Land Berlin das Gelände an den Bezirk Neukölln zur Errichtung eines Schullandheims. Der Bezirk unterhielt von 1952 bis 1988 das Schullandheim.

Ende 1986 wurde vom damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen eine Kommission ins Leben gerufen, die Pläne für die Konzeption einer Dauerausstellung und für ein Bildungsprogramm für eine Gedenkstätte ausarbeiten sollte. Der gemeinnützige Verein "Erinnern für die Zukunft - Trägerverein des Hauses der Wannsee-Konferenz e.V." (Vereinsregister Berlin 95 VR 10493 B) wurde am 17. Oktober 1990 gegründet. Am 19. Januar 1992 erfolgte die offizielle Eröffnung der Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz".

Literaturhinweis:
Haupt, Michael: Das Haus der Wannsee-Konferenz. Von der Industriellenvilla zur Gedenkstätte. Berlin: Haus der Wannsee-Konferenz 2009, 200 S.