Ernst Marlier (1875-1948)

1914 erwarb der Fabrikant für pharmazeutische Präparate Ernst Marlier (1875-1948) von der Oberförsterei Potsdam und der Königlich Preußischen Wasserbauverwaltung mehrere Parzellen Land von insgesamt 30.578 qm an der Großen Seestraße (später umbenannt in Am Großen Wannsee) zum Gesamtkaufpreis von 507.337 Mark.

Paragraph 5 des Kaufvertrages vom 30. April 1914 legte fest: "Auf dem Grundstücke dürfen Irrenanstalten sowie gewerbliche Anlagen, welche dem § 16 der Gewerbeordnung unterliegen, oder sonstige Anlagen, welche Geräusch, Rauch oder Geruch verbreiten, überhaupt nicht, andere gewerbliche Anstalten, Heil- und Erholungsanstalten, Gast- und Schankwirtschaften nur mit Genehmigung des Forstfiskus eingerichtet und betrieben werden..."

Villa und Garten wurden 1914/15 nach Plänen des Architekten Paul O. A. Baumgarten gestaltet, der auch bereits die Villa des Malers Max Liebermann in der Colomierstraße und das nebenan liegende Sommerhaus des AEG-Direktors und Reichstagsabgeordneten Johann Hamspohn entwarf.

Marlier, 1875 in Coburg geboren, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, siedelte 1903 nach Berlin und gründete in Berlin eine Reihe von Firmen, die pharmazeutische Präparate gegen Fettleibigkeit, Nervenschwäche, Schlaflosigkeit, "Gliederzittern" (z. B. "Antipositin", "Antineurasthin", "Visnervin", "Hämasol" oder "Levathin") und auch "Abführ-Pastillen aus deutschem Rhabarber" herstellten, die aber nach wissenschaftlichen Untersuchungen in der Regel keine Wirkungen hatten, da sie oft nur aus Eigelb, Milchzucker, Zitronensäure und Kaliumsatz bestanden.

Marlier, der mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt kam, verkaufte das Grundstück 1921 für 2.300.000 Reichsmark an die "Norddeutsche Grundstücks-Aktiengesellschaft", Berlin.

Die Gedenkstätte ist im Besitz des Original Fotoalbums von Ernst Marlier aus dem Jahr 1916. Das Album umfasst 20 Fotos der Wannsee-Villa.
Das Fotoalbum Ernst Marlier, 1916



Literaturhinweis:
Haupt, Michael: Das Haus der Wannsee-Konferenz. Von der Industriellenvilla zur Gedenkstätte. Berlin: Haus der Wannsee-Konferenz 2009, 200 S.