Villengarten Marlier

Die Anlage des Gartens (ca. 29.750 qm) erfolgte in einer Zeit des Übergangs vom vorherrschend landschaftlichen zum architektonisch angelegten Garten.

Es ist nicht überliefert, welcher Gartenarchitekt von Baumgarten zu Rate gezogen worden ist. Die Villa Marlier platzierte Baumgarten in die Mitte des Grundstücks und betonte zugleich dessen Tiefe durch eine axial auf das Haus gerichtete Zufahrt. Diese wiederum mündet in einen rechteckigen, die Breite des Gebäudes widerspiegelnden Vorplatz. Axialität und Symmetrie setzen sich auf der Garten- und Wasserseite des Gebäudes in den drei vorgelagerten, abgestuften Terrassen fort.

Eine Querachse vor dem Gebäude verbindet das südliche, abgesenkte Blumenparterre und den nördlichen geometrischen Waldgarten mit dem Haus zu einer dreiflügligen Anlage, die den repräsentativen Schlosscharakter verstärkt. Über das Gelände verstreut befinden sich verschiedene Gartenarchitekturen: die "Neugierde" an der äußersten westlichen Ecke des Grundstückes, der Pavillon nordöstlich des Hauses in der Nähe des Steingartens, das Gartenhäuschen, Treppen, Mauern, Ufermauern und Skulpturenschmuck (davon besonders bemerkenswert ist die Hermesstatue am Schnittpunkt der Querachse mit der Birken-/Rhododendron-Allee.

Im Bereich dieses nördlich des Hauses gelegenen Waldgartens findet sich als eine weitere Besonderheit für die Entstehungszeit eine Brunnenanlage mitsamt der gegenüberliegenden steinernen Rundbank. Kennzeichnend für diesen Bereich des Waldgartens ist auch die schräg zur Querachse verlaufende Kastanienallee, die dicht an der Hangkante der Uferlinie vom Osten zum Nordosten folgt. Die Birken-/Rhododendron-Allee verläuft parallel zur Hauptachse und teilt damit den Waldbereich. Ein breiter Rasenweg mit Bank, Nischen und Skulpturen gibt der Allee den Charakter einer Lichtung und macht sie so zum Aufenthaltsbereich.

Auf dem Gelände befinden sich diverse Nebengebäude, so das Pförtnerhaus am Haupteingang, das Gärtnerhaus mit Gewächs- und [früherem] Geflügelhaus am Nebeneingang. Südlich des Hauses existierte ein großer Blumengarten. Mehr nützlichen Charakter hatte der Obst- und Gemüsegarten westlich des Gewächshauses.

Im Laufe der Jahre kam es im Gartenbereich zu einigen Veränderungen. In den 30er Jahren wurde das Geflügelhaus zur Garage umgebaut, die Gartenwege asphaltiert und mit Kies abgedeckt. Neben den bereits genannten Verbindungen existierte ursprünglich ein großer Rundweg der am Haupttor beginnend zunächst in west-östlicher Richtung den Waldgarten durchquerte, um dann am Ufer entlang zum Bootshaus zu führen. Hinzu kamen ein kleiner Rundweg östlich des Hauptgebäudes sowie etliche Nebenwege, welche die Hauptachsen miteinander verbanden.

Nach dem Kauf des Hauses durch die SS wurde eine 24 x 10 m große Baracke im nördlichen Teil des Uferstreifens errichtet. Wahrscheinlich stammt auch aus dieser Zeit die Veränderung des großen Ovalbeetes auf dem Vorplatz. Man verkleinerte dieses, um Parkmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge zu schaffen. In der Nachkriegszeit wurden im Zuge von Instandsetzungsmaßnahmen zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Auf der seit 1970 vermieteten Teilfläche mit dem Bootshaus wurden zwischenzeitlich starke Veränderungen vorgenommen.

Durch die Einrichtung der Gedenkstätte und die damit verbundene Erstellung eines gartendenkmalpflegerischen Gutachtens ist es seit 1988 zu umfangreichen historischen Rekonstruktionsarbeiten gekommen. Zu nennen wäre die Wiederherstellung des Blumengartens und die Aufstellung des dortigen Brunnens. Auch der Obstgarten wurde ansatzweise wieder belebt. Der Asphaltbelag auf den Wegen wurde weitgehend entfernt und durch eine wassergebundene Wegedecke ersetzt. Im ehemaligen Gewächshaus wurde eine Cafeteria eingerichtet. Die Putten auf dem Dach der Villa wurden erneuert und teilweise auch im Garten wieder aufgestellt.

Pressemitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Wiederherstellung des denkmalgeschützten Gartens (1995)

Park-/Gartenordnung
(2015)