Willems, Susanne
Der entsiedelte Jude - Albert Speers Wohnungsmarktpolitik fuer den
Berliner Hauptstadtbau
Das Buch ist eine
Gesamtdarstellung der antijüdischen Politik, die Albert Speers Behörde
für die Durchsetzung des Berliner Hauptstadtbaus ab September 1938
initiierte: Diese begann mit dem "Projekt Judensiedlung" zur
zwangsweisen Exmittierung Berliner Juden und führte noch vor
Kriegsbeginn zur Festsetzung "judenreiner Gebiete", um die rassistisch
separierten Wohnungsmärkte zu regulieren. Ab Januar 1941 wurden Berliner
Juden zu Tausenden in beispielloses Wohnungselend gestoßen, bevor im
Oktober 1941 die Massendeportationen der mehr als 50.500 Berliner Juden
begannen.
Die Schilderung individueller Rettungsversuche und kollektiver Selbsthilfe
bezieht ihre Eindrücklichkeit aus der Perspektive, dass es lebensrettend
sein konnte, die Systematik bürokratischer Ausgrenzungsverfahren zu
kennen oder zu erahnen.
Das bürokratische System, in dem Berliner Juden zur Wohnungslosigkeit
verurteilt wurden, ist erstmals vollständig rekonstruiert. Die gesamte
Systematik der Wohnungsräumungen und der Deportationen ist
entschlüsselt, die Speers Behörde Hand in Hand mit der Gestapo betrieb.
Der bloße Geschäftsantisemitismus der Initiatoren des Verbrechens ist
akribisch dokumentiert. Ob es um Wohnungen, Grundstücke, Stein- und
Rüstungsproduktion oder um Zwangsarbeit und KZ-Ausbau ging - die
existenzzerstörende Politik gegen Berlins Juden war für Albert Speer und
seine in der Sonderbehörde des Stadtumbaus versammelten Experten:
Architekten, Juristen und Kommunalbeamte, nur eine Frage des Vorteils im
lukrativen Geschäft mit dem Berliner Hauptstadtbau.
Inhaltsverzeichnis
|
Willems, Susanne
Der entsiedelte Jude - Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den
Berliner Hauptstadtbau.
Berlin: Edition Hentrich 2002. 480 S., ISBN 3-89468-259-0
(Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.
10.)
Sonderpreis in der Gedenkstätte: 12,00 EURO