Haus der Wannsee-Konferenz


 

Nachricht von Chotzen  -  "Wer immer hofft, stirbt singend"

 

Sonderausstellung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz vom 1. April 2001 - 31. März 2002

 

 

Umschlag des Buches von Barbara Schieb

 

 

 

 

     Joseph Chotzen, der letzte überlebende Sohn der Familie, hatte testamentarisch verfügt, dass das von ihm zusammengetragene Familienarchiv nach seinem Tod dem Archiv der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz übergeben werden soll. Die Erschließung und Bearbeitung dieser außergewöhnlichen und umfangreichen Dokumenten-Sammlung, deren Bedeutung über die reine Familiengeschichte hinaus geht, führte in unserem Auftrag Frau Barbara Schieb, eine Historikerin, die sachkundig mit der Thematik umging, zumal sie Joseph Chotzen bereits 1988 kennen gelernt und interviewt hatte, durch.

 

     Die Sonderausstellung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz eröffnet über das nachvollziehbar dargestellte konkrete Familienschicksal gerade auch für die pädagogische Arbeit einen Zugang zur Realität der NS-Zeit.

 

     Im Mittelpunkt der Familie Chotzen steht die "arische" Mutter EIsa. Sie führte einen verzweifelten Kampf um das Überleben ihrer vier Söhne und deren Ehefrauen. Zusammen mit dem letzten in Berlin verbliebenen Sohn Joseph (Eppi) versuchte sie alles Menschenmögliche, um Verbindung mit den Deportierten zu halten und ihnen mit zahlreichen Paketen und tröstenden Worten zu helfen. Von den neun Familienmitgliedern im Jahr 1941 überlebten nur drei die Verfolgung.

 

     Die Geschichte der Familie Chotzen vermittelt in bewegender Eindringlichkeit das unermessliche Leid, das die amtliche "Rassenpolitik" des deutschen Staates deutschen Bürgern zugefügt hat und bei der Lektüre des Buches von Barbara Schieb über die Familie Chotzen entsteht das Bild der extremen Bedrohung einer Familie, auf die NS-Begriffe wie "Mischehe", "Mischlinge" und "Geltungsjuden" zutrafen.

 

Norbert Kampe
Leiter der Gedenkstätte

 

Update: 30.07.2011