Haus der Wannsee-Konferenz


 

Nachricht von Chotzen  -  "Wer immer hofft, stirbt singend"

 

Sonderausstellung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz vom 1. April 2001 - 31. März 2002

 

 

 

Hinweis: Bei den Bildern handelt es sich um Miniaturansichten. Durch Anklicken erhalten Sie größere Fotos:

 

 

Transportliste vom 6.10.1944

Transportliste des Transports "Eo"
vom 06.10.1944
von Theresienstadt nach Auschwitz
Nr. 305: Ruth Chotzen

 


Transportliste vom 10.10.1944, Seite 1      Transportliste vom 10.10.1944, Seite 2

Transportliste vom 10.10.1944
von Auschwitz nach Dachau
Nr. 115.603: Ullrich Chotzen
Nr. 115.623: Hugo-Kurt Chotzen


Abschiedsbrief Erich Chotzens
an seine Familie, 16.01.1942

 

Abschiedsbrief von Lisa Chotzen
Brief von Lisa Chotzen
vom 19.06.1943


Abschiedsbrief von Ullrich Chotzen
Abschiedsbrief
von Ullrich Chotzen

 

 

Quellenskizze zur Familiengeschichte Chotzen

 

     Joseph Chotzen hatte testamentarisch verfügt, dass die wesentlichen Familien­dokumente nach seinem Tod im Archiv der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz aufbewahrt werden sollen. Dazu gehören im Kern 369 Rückantwortkarten aus Theresienstadt (1943/44) sowie neun illegal abgesandte Briefe aus dem Ghetto Riga (1942). Die Bedeutung dieser Dokumente kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Zwar sind viele Rückantwort- und Paketbestätigungskarten aus Theresienstadt erhalten, doch ein so umfangreicher Bestand wie im Fall der Familie Chotzen ist einzigartig. Ebenso die aus dem Ghetto Riga herausgeschmuggelten Briefe. Auch sie besitzen einen einmaligen dokumentarischen Wert.

 

     Weitere Familiendokumente (Ausweise, Briefe, Urkunden) kommen hinzu, sind jedoch lückenhaft und bei weitem nicht vollständig. Der Bestand aller Fotos umfasst gut 1.000 Fotos, wobei es von vielen zwei- oder dreifache Abzüge gibt, da die Brüder sie in ihre jeweiligen Alben aufnahmen. Der Zeitraum ihrer Entstehung geht parallel mit der Geburt und dem Heranwachsen der drei jüngeren Brüder - also vom Ersten Weltkrieg bis zum Beginn der 40er Jahre. Das letzte Foto stammt vom Oktober 1942.

 

     Die meisten Fotos entstanden in den 30er Jahren, als alle vier Brüder mehr oder weniger intensiv fotografierten. Für alle Brüder galt, dass sie gerne Situationen mit Menschen ins Visier nahmen, vor allem ihre Familie, Verwandte, Freunde, Freundinnen und Sportkameraden. Auf Ferienreisen wurden Landschaften abgebildet und Sehenswürdigkeiten der besuchten Städte. Auch faszinierten Autos und Motorräder, aber immer nur im Zusammenhang mit den Fahrern. Viele Bilder gibt es vom sommerlichen Segeln am Krossinsee, östlich von Berlin, und noch heute spürt der Betrachter die Unbeschwertheit der jungen Leute. Würde man nur die Fotos und nicht die dazu gehörenden Geschichten kennen, keiner könnte anhand der Fotos erkennen, dass es sich um verfolgte Juden in den 30er und 40er Jahren handelt. So bilden die Fotos einen Gegensatz zu den Geschichten, die hier erzählt werden. Die Fotos können der Nachwelt viel mitteilen, doch sie zeigen immer nur einen bestimmten Moment - den gesamten Kosmos, der sich hinter der Oberfläche auftut, kann ein Foto nicht transportieren. Wer den Hintergrund jedoch kennt und ein Foto mit diesem speziellen Wissen betrachtet, dem ist es durchaus möglich, in bestimmten Zügen der Gesichter das zu erahnen, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Unschätzbaren dokumentarischen Wert haben Fotos, die einzelne Familienmitglieder bei der Zwangsarbeit abbilden, beim verbotenen Betreten der Bannmeile, beim illegalen Sporttreiben und im Wohnkomplex eines „Judenhauses".

 

     Akten und Dokumente, die Joseph Chotzen bei der Niederschrift seiner Erinnerungen nicht zur Verfügung standen, befinden sich an folgenden Stellen: im Archiv der Stiftung „Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum" und in den Akten des Entschädigungsamtes. Die Akten des Oberflnanzpräsidenten geben Auskunft über die Deportationsdaten und u. U. über die letzten Orte der Zwangsarbeit. Die Mikrofiche-Edition des Instituts für Zeitgeschichte in München half sehr bei der Erhellung des Volksgerichtshof-Prozesses gegen Erika Jakubowski, der Tochter eines Bruders von Josef Chotzen sen. Über den Verbleib der Brüder Chotzen im „Berliner Sport-Verein 1892" konnten Spuren in den Akten des Vereinsregisters im Amtsgericht Charlottenburg gefunden werden. In den Archiven der damaligen Konzentrations- und Vernichtungslager fanden sich die Deportationslisten als einzige Hinweise auf die Leidenswege der verschiedenen Familienmitglieder. Die akribische Buchhaltung der Vernichtungsbürokratie über ihre Opfer ermöglicht es heute, deren z. T. letzte Spuren zu finden. Neben den schriftlichen Zeugnissen sind Interviews mit den Überlebenden wichtige, qualitativ aber völlig andere Quellen. Die Entschädigungsakten zeigen deutlich, dass die Erinnerung der Betroffenen mit zeitlicher Distanz ungenauer wird. Das heißt: Der PrV-Fragebogen (Es ging um die Anerkennung als politisch oder rassisch Verfolgter) 1946 ist präziser, detailreicher und korrekter ausgefüllt als die Fragebogen, die Mitte der 50er Jahre eingereicht wurden. In diesen Akten befanden sich jedoch auch Primärquellen, wie J-Ausweis und Arbeitsbuch. Die Entschädigungsakten der verschiedenen Familienmitglieder enthalten wertvolle Informationen über die beruflichen Tätigkeiten während der NS-Zeit.

 

     Mit Hilfe des Bestandes der „Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehr­macht" konnte der Soldat Franz Bauner, der Ilse Chotzen im Ghetto Riga half, identifiziert werden.

 

Barbara Schieb

 

 

-   Die Familie Chotzen

 

-   Quellenskizze zur Familie Chotzen

 

-   Familienfotos

 

-   Dokumente und Ausweise

 

-   Postkarten und Briefe

 

-   Dokumente nach 1945

 

 


 

Update: 30.07.2011