Haus der Wannsee-Konferenz

 

 

 

Zeittafel Getto Lódź

 

 

 

1. September 1939

Mit dem deutschen Überfall auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg.

 

8. September 1939

Die Wehrmacht besetzt Warschau und Lódź.

 

18. September 1939

Beginn der Repressionen gegen die Juden in Lódź. Willkürliche Einziehung zur Zwangsarbeit, Sperrung sämtlicher Bankguthaben, „Arisierung" der jüdischen Betriebe, Ausgangssperre, Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel usw.

 

13. Oktober 1939

Der deutsche Stadtkommissar ernennt Mordechai Chaim Rumkowski zum „Judenältesten" und beauftragt ihn mit der Bildung eines „Judenrats".

 

9. November 1939

Lódź wird dem „Warthegau" zugeordnet und damit eine deutsche Stadt.

 

10. November 1939

Die Deutschen stecken die Synagogen von Lódź in Brand.

 

11. November 1939

Die Mitglieder des ersten „Judenrats" werden verhaftet, deportiert, die meisten von ihnen ermordet. Rumkowski wird misshandelt und gezwungen, einen neuen Rat zu bilden.

 

November 1939

Rumkowski erhält die Anweisung, eine Liste mit 50.000 Namen für die Aussiedlung ins „Generalgouvernement" bereitzustellen. Vom 15. November 1939 bis zum 28. Dezember 1940 werden mehrere Tausend Menschen aus Lódź deportiert.

 

14. November 1939

Einführung der „Kennzeichnungspflicht": Alle Juden werden zum Tragen einer gelben Armbinde gezwungen.

 

11. Dezember 1939

Juden werden angewiesen, einen gelben Stern „auf der rechten Brust­ und Rückenseite" zu tragen.

 

8. Februar 1940

Sämtliche in Lódź lebende Juden haben sich laut Polizeiverordnung innerhalb weniger Tage in das ihnen zugewiesene Gettogebiet zu begeben. Die jüdische Bevölkerung zählt ca. 160.000 Menschen. Das Getto umfasst ein Areal von vier Quadratkilometern: einen Teil der nördlichen Altstadt, das Elendsviertel Balut, das Außenviertel Marysin und den jüdischen Friedhof. Es existieren etwa 31.000 Wohnungen, von denen nur 725 über fließendes Wasser verfügen. Die Mehrzahl der Häuser hat keine Kanalisation.

 

15. März 1940

Die Getto-Post wird eingerichtet.

 

5. April 1940

Rumkowski reicht beim Oberbürgermeister einen Vorschlag zu den Produktionsmöglichkeiten im Getto ein. Sein Ziel ist es, durch die Herstellung kriegswichtiger Waren die Existenz des Gettos langfristig zu sichern.

 

10. April 1940

Rumkowski fordert die Juden auf, ihre neuen Adressen am Postamt einzureichen. Es beginnt das Austragen der Post im Getto durch jüdische Briefträger.

 

11. April 1940

Lódź wird „auf Befehl des Führers" in Litzmannstadt umbenannt.

 

30. April 1940

Hermetische Abriegelung des Gettos. Das Verlassen ist bei Androhung der Todesstrafe untersagt. Rumkowski wird angewiesen, die Zwangsarbeit im Getto zu organisieren und sämtliche für beschlag­nahmt erklärte Vermögenswerte sicherzustellen.

 

1. Mai 1940

Der Bremer Kaffeehändler Hans Biebow wird Leiter der „Ernährungs- und Wirtschaftsstelle Getto" und somit Chef der deutschen Getto-Verwaltung von Lódź.

 

27. Mai 1940

In einer Sitzung beim deutschen Bürgermeister wird von den lokalen Behörden die Einführung der Markquittungen (Getto-Geld) beschlossen.

 

17. Juni 1940

Rumkowski verbietet den Postverkehr mit dem feindlichen Ausland. Briefe müssen in deutscher Sprache abgefasst und deutlich lesbar sein.

 

8. Juli 1940

Laut Bekanntmachung sind ab 18 Uhr Zloty und Reichsmark im Getto kein gültiges Zahlungsmittel mehr.

 

12. Juli 1940

Rumkowski kündigt die Schaffung einer Selbstzensurstelle an.

 

6. März 1941

Es kommt zu erneuten Demonstrationen für die Erhöhung der Essensrationen, die Senkung der Lebensmittelpreise und die Abschaffung der Sonderrationen für die Mitarbeiter der Verwaltung des „Ältesten".

 

10. März 1941

Rumkowski verhängt wegen erneuter massiver Hungerproteste den Ausnahmezustand über das Getto. Etwa 1.000 Menschen werden zum Arbeitseinsatz außerhalb des Gettos verschickt.

 

6. Juni 1941

Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei, besucht das Getto.

 

16. Oktober 1941

Beginn der Deportationen aus Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Köln sowie aus Wien, Prag und Luxemburg. 20.000 Menschen werden bis zum 3. November in das Getto von Lódź verschleppt.

 

5. November 1941

5.007 Sinti und Roma werden bis zum 9. November ins Getto deportiert und in das so genannte „Zigeunerlager" gesperrt. Innerhalb weniger Wochen sterben mehrere hundert Menschen an Hunger und Typhus oder werden ermordet.

 

1. Dezember 1941

Zu diesem Zeitpunkt leben 163.623 Menschen im Getto Lódź.

 

7. Dezember 1941

Im Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof), etwa 55 Kilometer von Lódź entfernt, beginnt der Massenmord an polnischen Juden durch Einsatz von Kohlenmonoxid. Bis Ende Mai 1942 werden 55.000 Juden aus Lódź nach Chelmno deportiert und dort ermordet.

 

Januar 1942

Bis zum 12. Januar werden alle noch lebenden Sinti und Roma aus Lódź nach Chelmno deportiert und vergast.

 

20. Januar 1942

Wannsee-Konferenz in Berlin zu den bürokratischen Details der Deportation der europäischen Juden.

 

10. Juni 1942

Hans Biebow erklärt, es gäbe im Getto wegen des Kräfteverfalls „keine Arbeitskräfte mehr, die zu körperlich schwerer Arbeit fähig wären". Zur Bewältigung der Arbeitsaufträge der Wehrmacht seien sogar Kinder ab 10 Jahren im Einsatz.

 

1. September 1942

700 Kranke und Kinder werden nach Chelmno deportiert.

 

5. September 1942

Verhängung einer allgemeinen Ausgangssperre im Getto.

 

7. September 1942

Bis zum 12. September werden 16.000 Menschen, unter ihnen alle Kinder unter 10 Jahren sowie alte und schwache Menschen, nach Chelmno deportiert. Die Gestapo veranstaltet eine brutale Menschenjagd im Getto.

 

12. September 1942

Es leben noch etwa 89.500 Menschen im Getto.

 

Frühjahr 1944

Etwa 2.000 Menschen werden in verschiedene Zwangsarbeitslager deportiert.

 

29. Juli 1944

Sowjetische Truppen erreichen das Weichselufer gegenüber von Warschau.

 

2. August 1944

Bekanntmachung Rumkowskis über die Verlegung des Gettos.

 

7. August 1944

Bis zum 30. August werden knapp 61.000 Menschen aus dem Getto nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Einige tausend werden zur Zwangsarbeit selektiert, alle anderen werden noch am Tag ihrer Ankunft ins Gas geschickt.

 

28. August 1944

Mordechai Chaim Rumkowski wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 

17. Januar 1945

Lódź wird durch einmarschierende sowjetische Truppen befreit.

Etwa 870 Menschen haben in Verstecken im Getto überlebt.

 

 

-    Das Getto Lódź 1940 - 1944
 

-    Zeittafel (1. September 1939 - 17. Januar 1945)
 

-    Ausgewählte Dokumente zum Leben im Getto
 

-    Ausgewählte Dokumente zur Getto-Post ("Judenpost")
 

-    Ausgewählte Dokumente zur Produktion der "reichsdeutschen" Textilindustrie im Getto
 

-    Ausgewählte Fotos aus dem Getto

 

 

 

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