Haus der Wannsee-Konferenz
"Wir sind jung, die Welt ist offen..." - Eine jüdische Jugendgruppe im 20. Jahrhundert
Sonderausstellung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz vom 8. September 2002 - 31. August 2003
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Fahrtenbuch der Berliner Gruppe
Haftkarte Siegfried Adler, 1933
Rudi Arndt in Gestapo-Haft, 1933
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Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus
Hans Litten wusste, dass er auf den "Schwarzen Listen" (SH) der Nationalsozialisten stand. Aber als Freunde ihn nach der "Machtergreifung" aufforderten zu emigrieren, wehrte er dies mit dem Argument ab, dass die Emigration den meisten Arbeitern auch nicht möglich sei und er damit Verrat an seinen Mandaten begehen würde. Noch in der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er in "Schutzhaft" genommen. Anfänglich schien in diesem Begriff sogar noch ein Körnchen Wahrheit zu liegen, denn Litten ging es zunächst unter dem Wachpersonal in Spandau, das noch mit Beamten der Weimarer Republik durchsetzt war, besser als seinen Freunden und Genossen, die von SA-Gruppen festgenommen und in den Kellern der Sturmlokale geschlagen, misshandelt und zum Teil ermordet wurden. Dies änderte sich jedoch mit Littens Verlegung nach Sonnenburg, einem zum Konzentrationslager umfunktionierten Zuchthaus, in dem der SA-Sturm 33 das Wachpersonal stellte. Berichte von Misshandlungen und Folter gelangten bald zu seiner Mutter Irmgard Litten und seinen Freunden, die sich intensiv und erfolglos um seine Freilassung bemühten.
Der besondere Hass der Nationalsozialisten auf Juden, die gleichzeitig als Kommunisten aktiv waren, entlud sich auch in Bayern. In Nürnberg, der Stadt des "Stürmer"-Herausgebers Julius Streicher, wurden die ehemaligen Mitglieder des Schwarzen Haufens Karl Lehrburger und Erich Gans zusammen mit anderen jüdischen Sozialisten verhaftet und in das neu errichtete Konzentrationslager Dachau gebracht. "Korle" (so sein Spitzname aus der Jugendbewegung) Lehrburger war Leiter der KPD im Arbeiterbezirk Gostenhof und arbeitete im väterlichen Betrieb, einem Postkartengroßhandel. In Dachau war er zunächst nicht als Jude registriert worden, was sich nach der Ankunft eines Nürnberger Kriminalkommissars änderte. Am 25. Mai 1933 wurde Karl Lehrburger von dem SS-Mann Hans Steinbrenner in seiner Zelle erschossen. Er war der erste von den ehemaligen Anhängern des Schwarzen Haufens, der der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer fiel; sein Freund Erich Gans wurde ein Jahr später, im Juni 1934, unter ähnlichen Umständen ermordet.
Andere ehemalige Mitglieder des SH wurden im Frühjahr und Sommer 1933 ebenfalls verhaftet oder aus Studium oder Beruf vertrieben. Günther Heinau aus Leipzig z.B. wurde "als Jude, Mitglied der SPD und des sozialistischen Juristenbundes" aus dem Staatsdienst entlassen und emigrierte nach Paris. Für den Tänzer Heinz Rosen und zwei seiner jüdischen Kollegen hatte das Essener Theater keine Verwendung mehr. Im Ruhrgebiet fiel Siegfried Adler im Frühjahr 1933 der SA in die Hände. Im April wurde er von einem Gefängnisarzt in Essen untersucht, der zahlreiche schwer verheilende Blutergüsse feststellte. Von Oktober 1933 bis zu seiner Entlassung Ende März 1934 kam Adler in das KZ Börgermoor bei Papenburg, wo er für kurze Zeit mit Hans Litten zusammentraf.
1938 war für Hans Litten das fünfte Jahr in Haft in verschiedenen Lagern: Brandenburg, Esterwegen, Lichtenburg, Buchenwald und schließlich - ab Oktober 1937 - Dachau. Die lange Gefangenschaft hatte ihn zum Invaliden gemacht: Nachwirkungen der Schläge, eine nie ausgeheilte Knieverletzung aus Esterwegen, Herzprobleme, dazu der psychische Druck, jederzeit gedemütigt und bestraft werden zu können, und all dies ohne Hoffnung auf Entlassung. Als nach einer Denunziation ein Freund, der Blockälteste Heinz Eschen, in den "Bunker" kam und dort Anfang Februar 1938 ermordet wurde, entschloss sich Hans Litten zu handeln. In der Nacht vom 5. Februar 1938 erhängte er sich in der Latrine seines Blocks.
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- "Wir sind jung, die Welt ist offen..."
- Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus
| Update: 30.07.2011 |