Haus der Wannsee-Konferenz
"Wir sind jung, die Welt ist offen..." - Eine jüdische Jugendgruppe im 20. Jahrhundert
Sonderausstellung in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz vom 8. September 2002 - 31. August 2003
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Erste Seite des Liederbuchs "Unsere Lieder"
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Verfolgung und Widerstand im
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»Wir sind jung, die Welt ist offen...«
Angefangen hatte alles um die Jahrhundertwende mit gemeinsamen Wanderungen bürgerlicher Jugendlicher, die sich einige Jahre später Wandervögel nannten und die die Ablehnung der modernen industriellen Welt mit dem Wunsch nach einem "einfachen Leben" in der "freien Natur" verbanden. Da ein großer Teil der Wanderbünde sehr bald antisemitisch eingestellt war, sahen sich die jüdischen Jugendlichen dort; schon vor dem Ersten Weltkrieg isoliert und suchten nach Alternativen. Jüdische Jugendvereine, die von Erwachsenen geleitet wurden, hatte es schon länger gegeben, aber erst 1912 begann mit der Gründung des zionistischen Blau-Weiss die Ära der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland. Im Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden neue jüdische Bünde, so der orthodoxe Esra, der Jung-Jüdische Wanderbund und der liberale Deutsch-Jüdische Wanderbund-Kameraden, aus dem einige Jahre später der SH hervorgehen sollte.
Die Jugendlichen des Schwarzen Haufen wollten radikaler sein als ihre liberalen oder sozialdemokratischen Eltern und fühlten sich von linkssozialistischen oder kommunistischen Positionen angezogen. Nach einigen Querelen wurde der SH 1927 aus den Kameraden ausgeschlossen, ein Jahr später zerfiel er. Die jungen Männer und Frauen wurden in der kommunistischen Jugend oder anderen linken Splittergruppen aktiv und orientierten sich auch sonst in der einst verachteten Erwachsenenwelt, wobei sich das jugendbewegte Engagement oftmals in ihrer Berufswahl niederschlug.
Nach 1933 wurden viele ehemalige Mitglieder des Schwarzen Haufen als politische Gegner und Juden verfolgt und ermordet. Wenigen gelang es, im KZ oder im Untergrund zu überleben, meist durch die Hilfe nicht jüdischer Freunde. Der größere Teil der ehemaligen Mitglieder des SH hatte Deutschland schon vor 1939 verlassen. Sie lebten in Kibbuzim in Palästina/Israel oder engagierten sich in der antifaschistischen Arbeit in ihren jeweiligen Exilländern. Viele der in die Sowjetunion Geflüchteten wurden im Rahmen der 1936 einsetzenden "Grossen Säuberung" hingerichtet oder zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt. Während die meisten ehemaligen Angehörigen des Schwarzen Haufen versuchten, sich in den jeweiligen Exilländern eine neue Existenz aufzubauen, kehrten einige nach 1945 bzw. 1955 in die Bundesrepublik und in die DDR zurück. Ihnen allen gemeinsam blieb das politische Engagement in ihrer neuen oder alten Heimat, das sie jedoch nun, in Zeiten des Ost-West-Konflikts, gegensätzliche und manchmal unversöhnliche Positionen einnehmen ließ. Ihre Lebenswege stehen für eine besondere Verknüpfung von jüdisch jugendbewegtem Engagement und parteipolitischer Aktivität und damit exemplarisch für manche deutsch-jüdische Biographien im 20. Jahrhundert.
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| Update: 30.07.2011 |