Haus der Wannsee-Konferenz


Sonderausstellung
Oktober 1998 - Februar 1999

 

 

Ausstellungsfoto

 

 

Turnerpyramide von Bar Kochba Berlin, 1904

Turnerpyramide von Bar Kochba Berlin, 1904

 

 

Titelblatt "Jüdische Turnzeitung", Jg. 1, 1900, Nr. 1

 

Jüdische Turnzeitung,
Jg. 1, 1900, Nr. 1

 

 

Karikatur Kikeriki, 1887

 

"Wie sich ein Jude gegenwärtig verkleiden muss,
um in einem deutsch-nationalen Turnverein
Aufnahme zu finden"


Karikatur im Kikeriki anlässlich der
Einführung des Arierparagraphen im
Ersten Wiener Turnverein 1887

 

 

Internationale Wanderausstellung

 

"Sport- unter dem Davidstern"

22. Oktober 1998 - 20. Februar 1999

 

Sportmuseum Berlin in der Stiftung Stadtmuseum Berlin

und

Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

 


 

     Im Rahmen des Symposiums wird am 21. Oktober 1998, 18.00 Uhr, durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, im Haus der Wannsee-Konferenz die Internationale Wanderausstellung "Sport unter dem Davidstern" eröffnet.

 

     Die Exposition ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sportmuseum Berlin, des Schweizer Sportmuseum in Basel und des Pierre Gildesgame Maccabi Sportsmuseum in Ramat Gan. Erstmals kooperieren Sportmuseen verschiedener Staaten in dieser Form miteinander, verbinden unterschiedliche Erfahrungen und bringen ihre Vorzüge der sportmusealen Arbeit in ein Ausstellungsvorhaben ein. Als Wanderausstellung konzipiert, gibt die Exposition in ihrem Bild- und Textteil einen Überblick über die Geschichte der jüdischen Sportkultur bis 1945. Die internationalen Dimensionen des jüdischen Sports und die dem Zionismus nahe stehende Makkabi-Sportbewegung stehen dabei im Mittelpunkt. hingewiesen wird ebenso auf konkurrierende jüdische Sportorganisationen sowie jüdische Sportler in anderen Sportvereinen. Die Ausstellung soll an die Ideale und Leistungen der jüdischen Sportkultur erinnern, aber auch an Bedrängnis und Leid, das jüdischen Sportlerinnen und Sportlern in der NS-Zeit zugefügt wurde.

 

     Im August/September 1997 wurde die Ausstellung erstmalig anlässlich des 100. Jahrestages des ersten Zionisten-Kongresses in Basel der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

     Die Präsentation in Berlin wird vom Sportmuseum Berlin und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz gemeinsam veranstaltet. Die Internationale Wanderausstellung "Sport unter dem Davidstern" wird in den historischen Räumen des Hauses im Rahmen der Dauerausstellung "Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden" gezeigt. Insgesamt sind nur sehr wenige Erinnerungsstücke, Zeitzeugnisse des jüdischen Sports bis 1945 bis heute erhalten geblieben, die meisten werden im Pierre Gildesgame Maccabi Sports Museum Ramat Gan bewahrt und ausgestellt. Für die Ausstellung in Berlin wurden ca. 80 Exponate aus Israel, Budapest, Wien und verschiedenen Städten Deutschlands zusammengestellt, sie sind erstmals hier in Berlin zu sehen.

 

 

Internationale Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Sportkultur

 

     Der Sport und die Sportbewegungen des 19. und des 20. Jahrhunderts haben in den verschiedenen Ländern und Kulturen in jeweils unterschiedlicher Ausprägung die Entwicklung der Gesellschaft bis heute wesentlich beeinflusst. Die jüdische Sportbewegung hat ihre Wurzeln in den Traditionen der jüdischen Kulturgeschichte und entwickelte sich andererseits als integraler Bestandteil des internationalen Sports. Dabei standen die jüdischen Turn- und Sportverbände vom Beginn ihrer Gründung an im Spannungsfeld konkurrierender Sport- und Gesellschaftsmodelle, suchten sie ihren Weg zwischen antisemitischer Ausgrenzung, assimilatorischer Anpassung und zionistischer Utopie.

 

     Der 100. Jahrestag des 1. Zionistischen Kongresses 1897 in Basel und der 100. Gründungstag des ersten jüdischen Turnvereins in Deutschland, Bar Kochba Berlin 1898 waren für die Veranstalter herausfordernder Anlass mit einem internationalen Ausstellungsvorhaben sowohl an die Leistungen der jüdischen Sportbewegung als auch an Bedrängnis und Leid, das jüdischen Sportlern und Sportlerinnen zugefügt wurde, zu erinnern. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Geschichte der dem Zionismus nahe stehenden Makkabi-Sportbewegung. Darüber hinaus werden aber auch jene jüdischen Turn- und Sportorganisationen vorgestellt, die im Gegensatz zur national-jüdischen Idee des Makkabi standen.

 

     Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Schweizer Sportmuseum in Basel, des Sportmuseum Berlin in der Stiftung Stadtmuseum Berlin und des Pierre Gildesgame Maccabi Sports Museum in Ramat Gan/Israel. Sie zielt darauf die Geschichte der jüdischen Sportkultur und insbesondere den Stellenwert des Sports in der jüdischen Kultur und beim Aufbau einer jüdischen Identität einem breiten Publikum nahe zu bringen. Und nicht zuletzt soll die Ausstellung eine vertiefende und international vergleichende sporthistorische Forschung zu diesem Thema anregen und damit auch einen in unserer heutigen Zeit so dringend notwendigen Beitrag zur Förderung von Völkerverständigung und einer von Wissen und Toleranz getragenen Auseinandersetzung mit anderen, fremden Lebenswelten leisten.

 

 

Körperkultur und jüdische Geschichte

 

     Körper- und Bewegungskultur nehmen in der jüdischen Geschichte, in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, die das Leben der Juden bestimmten, einen unterschiedlichen Stellenwert ein. Nach der Vertreibung aus Palästina war die jüdische Bewegungskultur zudem immer auch dem Einfluss der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt. In der biblischen und talmudischen Literatur gibt es zahlreiche Hinweise für eine positive Bewertung von Körperkultur, insbesondere von Körperkraft. Abgelehnt wurden allerdings die griechische und die römische Gymnastik und Agonistik, weil sie jüdische Traditionen zu bedrohen schien. Im Mittelalter stand die intellektuelle Erziehung im Vordergrund. Nur wenige, wie z.B. einer der bedeutendsten jüdischen Philosophen des Mittelalters, Mose ben Maimon (Maimonides), erkannten die gesundheitliche Bedeutung körperlicher Anstrengungen. Trotzdem gibt es auch in dieser Zeit Hinweise auf die Beteiligung von Juden an 'sportlichen' Wettkämpfen, so z. B. in Deutschland, Frankreich und Spanien.

 

     Im 18. und 19. Jahrhundert begann sich der Sport nach englischem Muster zu verbreiten. Auch jüdische Athleten spielten dabei mit ihren herausragenden Leistungen eine wichtige Rolle, so z. B. Daniel Mendoza, der "Vater des modernen Boxens", oder der erfolgreichste Kurzstreckenläufer des 19. Jahrhunderts, der Amerikaner Laurence E. Myers (1858-1899), der zeitweise alle amerikanischen Rekorde zwischen 50 Yards und 1 Meile inne hatte.

 

 

Hintergründe

 

     Ausgrenzung und Abgrenzung, Verfolgung und Vertreibung, abgelöst von häufig nur kurzen Phasen unsicherer Anerkennung bestimmten über viele Jahrhunderte das Leben der Juden in der Diaspora. Mit dem Zeitalter der Aufklärung, das in vielen Staaten Europas zur Abschaffung der Sondergesetze für Juden führte, schien ein dauerhafter Prozess der rechtlichen Gleichstellung mit der Hoffnung auf eine gleichberechtigte Integration der Juden in die Mehrheitsgesellschaft eingeleitet zu sein. Tiefgreifende politische und wirtschaftliche Umwälzungen im 19. Jahrhundert führten erneut zu einem starken Anwachsen antijüdischer Ressentiments. Der jahrhundertealte religiös bedingte Judenhass schlug nun um in einen rassisch aufgeladenen politischen Antisemitismus, der Juden für alle Übel des Modernisierungsprozesses verantwortlich zu machen suchte.

 

     Auf den neuen Antisemitismus und das offensichtliche Scheitern des Emanzipationsprozesses reagierten schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts jüdische Reformer, wie Moses Hess und Leon Pinsker, mit dem Versuch, eine neue jüdische Volksbewegung ins Leben zu rufen.

 

     Aber erst Herzls 1896 veröffentlichte Schrift "Der Judenstaat" gab den entscheidenden Anstoß zur Herausbildung einer Zionistischen Organisation. Mit der Forderung des 1. Zionistischen Kongresses 1897 in Basel, der Zionismus erstrebe für das jüdische Volk eine öffentlich rechtliche gesicherte Heimstätte in Palästina, war die politische Richtung der Bewegung vorgeschrieben. ".

 

 


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