Haus der Wannsee-Konferenz


 

Sonderausstellung "Sport unter dem Davidstern" - 22. Oktober 1998 - 20. Februar 1999

 

 

Abzeichen "Der gelbe Stern"

 

Buchumschlag: "Olympia 1936"

 

Berlin zur Olympiade, Postkarte 1936

Berlin 1936, Postkarte

 

Illustrierte Beobachter, 13.08.1936

Illustrierter Beobachter,
Folge 33 v. 13.08.1936

 

Berlin: Brandenburger Tor zur Olympiade 1936

    Berlin: Brandenburger Tor zur Olympiade 1936

 

 

 

"Tragt ihn mit Stolz den gelben Stern"

 

     Die Machtergreifung Hitlers bedeutete für die jüdische Sportbewegung in Deutschland einen dramatischen Wandel ihrer Existenzbedingungen. Bis 1933 waren die jüdischen Sportvereine und -verbände' in die allgemeine Turn- und Sportbewegung integriert, nahmen an Rundenspielen und Meisterschaften teil. Jetzt wurden sie innerhalb weniger Monate aus den allgemeinen Verbänden ausgeschlossen, der Spielbetrieb mit ihnen wurde eingestellt und die jüdischen Sportler und Sportlerinnen wurden aus den allgemeinen Sportvereinen gedrängt. Was folgte, war jedoch nicht der totale Zusammenbruch des jüdischen Sports, sondern das genaue Gegenteil: Ausgegrenzt aus dem allgemeinen Sportleben demonstrierten die jüdischen Sportvereine und ihre Mitglieder Stärke und Selbstbewusstsein. Im täglichen Überlebenskampf in einer zunehmend feindlicher werdenden Umwelt erwiesen sich die Vereine als unersetzliche Inseln der Selbstbehauptung. Innerhalb weniger Monate wurde ein eigener Spielbetrieb aufgebaut, Meisterschaften ausgeschrieben und das Sportangebot wie auch die gesamte Vereinsarbeit den neuen Gegebenheiten angepasst. Die Mitgliederzahl des deutschen Makkabi-Kreises wuchs von ca. 8.000 im Jahre 1933 auf ca. 22.000 Anfang 1935. Trotz zahlreicher Beschränkungen und oft unberechenbarer Eingriffe in den Sportbetrieb durch NS-Behörden und trotz immer stärker voranschreitender Auswanderung gelang es den Vereinen, den Sportbetrieb bis zum Pogrom am 9./10. November 1938 weitgehend aufrechtzuerhalten.

 

Hitler bei der Eröffnung der Olympiade 1936    
Hitler bei der Eröffnung der Olympiade 1936

 

 

Schöner Schein in tödlicher Gefahr - Berlin 1936

 

      Nachdem Hitler die Olympischen Spiele 1933 vor allem aus außenpolitischen Gründen zur "Reichssache" erklärt hatte, lief eine bis dahin nicht für möglich gehaltene Propagandamaschinerie an, um der Welt den möglichst perfekten Schein eines ökonomisch wie politisch erfolgreichen, vor allem aber friedlichen NS-Staates vorzugaukeln. Zu dieser Inszenierung gehörte auch die Zusicherung nicht nur jüdische Sportler und Sportlerinnen aus dem Ausland zuzulassen, sondern auch jüdische Sportler in die deutsche Mannschaft aufzunehmen, sofern sie die Leistungsnormen erfüllten.

 

     Um für das Ausland den Schein einer unbehinderten Teilnahme jüdischer Sportler und Sportlerinnen im deutschen Team aufrecht zu erhalten lud die Reichssportführung zwei "Halbjuden" zur Teilnahme an den Spielen in Garmisch-Partenkirchen und Berlin ein: die seit 1932 in den USA lebende Fechterin Helene Mayer und den Eishockeyspieler Rudi Ball. Der "Volljüdin" Gretel Bergmann, die trotz aller Behinderungen mit der Einstellung des deutschen Hochsprungrekords die Olympiaqualifikation erfüllte, wurde dagegen die Teilnahme verweigert. Eine "Volljüdin" als Medaillengewinnerin der deutschen Olympiamannschaft wollten die NS-Machthaber nicht riskieren.

 

     Die Reaktion jüdischer Sportler und Sportlerinnen auf die Nominierung in ihren jeweiligen Ländermannschaften war uneinheitlich. Viele traten aus unterschiedlichen Gründen bei den Spielen in Berlin an. Es gab jedoch auch jüdische Sportler und Sportlerinnen, die sich weigerten, in einem Land anzutreten, in dem Juden weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt waren und nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 nur noch als Bürger zweiter Klasse geduldet wurden.

 

 

 

"Nur Erinnern hilft vor blinder Wiederholung"

 

     Mit dem Pogrom am 9./10. November 1938 und den sich daran anschließenden Verfolgungen war das  vorläufige Ende des jüdischen Sports in Deutschland besiegelt. Der Zeit der Ausgrenzungs- und Entrechtungspolitik folgte nun die Phase der Vernichtungspolitik. Für den sportlichen Wettkampf gab es keinen Platz mehr - was blieb, war der Kampf ums Überleben. Im Januar 1939 ließ Hitler mit seiner Drohung, ein Krieg würde die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa zur Folge haben, erkennen, dass die wahnhafte nationalsozialistische Rassenideologie ein neues Stadium ihres Vernichtungsfeldzuges gegen Juden einzuleiten bereit war. Am 20. Januar 1942 fand in Berlin die nach ihrem Tagungsort benannte Wannsee-Konferenz unter Leitung des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich, statt. Ziel der Konferenz war es, die bereits angelaufene Mordmaschinerie zu "effektivieren" und die Maßnahmen zur massenhaften, systematischen Vernichtung der Juden zu koordinieren.

 

Aufruf, Makkabi-Hilfswerk der Schweiz 1942
 

Aufruf des Makkabi-Hilfswerkes, Schweiz
Jüdische Rundschau, September 1942

 

 

     Obwohl zunächst vor allem der deutsche Makkabi-Kreis später dann auch der Sportbund Schild lange vor 1942 begonnen hatten, ihren Mitgliedern die Ausreise zu ermöglichen, gelang es vielen nicht mehr, rechtzeitig ein Land zu finden, das ihnen Aufnahme und Zuflucht gewährte.

 

     Bis heute ist nicht erforscht, wie viele jüdischen Sportler und Sportlerinnen dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Allein ein nach Zeitzeugenaussagen zusammengestelltes Gedenkbuch im Pierre Gildesgame Maccabi Sports Museum, enthält über 300 namentlich bekannte Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.

 

 

 


 

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