Haus der Wannsee-Konferenz
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Eduard und Johanna Arnhold – Geld, Kunst und Karitas
Eduard Arnhold (1849-1925) wurde als drittes Kind eines Arztes in Dessau geboren. Seinen Aufstieg zu einem der "Kohlenkönige" Deutschlands begann er als 15jähriger Lehrling in der Firma von Caesar Wollheim in Berlin: mit 21 Jahren war er Prokurist, mit 26 Jahren wurde er Teilhaber. Nach dem Tod Wollheims 1882 übernahm er die Firma als Alleininhaber und baute sie zu einem Weltunternehmen mit modernsten Produktions- und Vertriebsmethoden aus. Um die Jahrhundertwende deckte die Firma fast ein Viertel des Kohlebedarfs der Reichshauptstadt. Arnholds geschätztes Vermögen belief sich 1912 auf 35,5 Millionen Mark. In der Rangliste der Berliner Millionäre nahm er 1914 den dritten Platz ein. Arnhold gehörte dem Zentralausschuß der Reichsbank an und saß in mehreren Aufsichtsräten, so z. B. fast 37 Jahre bei der Agfa. In der Colonie Alsen hatte er Kontakt zum Generaldirektor der Agfa, Franz Oppenheim, und zu dessen Frau Margarete. Auch bei der AEG wirkte er als Aufsichtsratsmitglied. Eine langjährige Freundschaft verband ihn mit Emil Rathenau, die auch auf dessen Sohn Walther überging.
Eduard Arnhold wurde eine der größten Autoritäten auf dem Gebiet des Verkehrswesens. Er setzte sich für den Ausbau der Wasserwege ebenso ein wie für die große Berliner Straßenbahn. Ab 1902 unterstützt er auch die Luftfahrt. Graf Zeppelin erhielt nach der Zerstörung seines Luftschiffs von ihm eine großzügige Spende. Wilhelm II., der Arnhold sehr schätzte, berief ihn 1913 als ersten und einzigen Juden ins Preußische Herrenhaus. Der Übertritt zum Christentum, den Arnhold allerdings entschieden ablehnte, hätte ihm vermutlich den Weg ins Amt des Verkehrsministers geebnet.
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Eduard Arnhold in seinem Arbeitszimmer, Berlin 1928
Das Wappen von Eduard Arnhold
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Max Liebermann, Blick
auf den Arnholdschen Garten, 1911
Die Villa Massimo in
Rom, Außenansicht Hauptgebäude Internetadresse: Deutsche Akademie Rom Villa Massimo
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Der überzeugte Monarchist bekannte sich Arnhold auch nach dem Sturz Wilhelms II. und in der Republik zu seiner kaisertreuen Gesinnung: Beim Ausbruch der Novemberrevolution stellte er sein Vermögen und seine Besitzungen dem gestürzten Monarchen zur Verfügung. Prinz August Wilhelm wohnte zeitweilig auf Arnholds Besitzung in Wannsee, nachdem er 1920 sein Palais in der Wilhelmstraße hatte räumen müssen.
1885 hatten Eduard Arnhold und seine Frau Johanna (1860-1928) die von den Architekten Kyllmann und Heyden erbaute Villa Am Großen Wannsee 4 erworben. Auf dem Grundstück waren ein Gewächshaus, Stallgebäude, ein Bootsschuppen sowie eine Kegelbahn vorhanden. Unter der Terrasse der Villa befand sich eine von Efeu umrankte Grotte. Der Garten war mit Skulpturen aus der Kunstsammlung Arnholds geschmückt.
Nach dem Tod Johanna Arnholds erbte die Enkelin, Erika Gericke, das Anwesen. Sie ließ nach Abbruch der alten Villa 1933 einen Bungalow nach Plänen des Architekten Moritz Lesser errichten. In den zwanziger Jahren lebte die Schauspielerin Brigitte Helm, die durch Fritz Langs berühmten Film "Metropolis" zum Star geworden war, in dem Bungalow am Wannsee.
Eduard und Johanna Arnhold waren bedeutende Sammler und Kunstförderer. Die Galerie Arnhold war eine der wichtigsten privaten Gemäldesammlungen in Deutschland, in der sowohl alte wie auch moderne Kunst vertreten war. Zunächst sammelte Arnhold Werke von Feuerbach, Lenbach, Menzel und Böcklin, nach dessen Tod er die Villa Bellagio bei Florenz als Böcklin-Museum einrichten ließ. Später galt sein Interesse den Sezessionisten wie Klinger, Leistikow, Ury und Gaul.
Ab 1896 lag der Schwerpunkt seiner Sammlung auf den französischen Impressionisten. Er besaß mehrere Werke von Manet, Monet und Degas. Auch die Kunst seines Nachbarn Max Liebermann schätzte Arnhold sehr. Seine Sammlung umfasste Werke aus sämtlichen Perioden Liebermanns. Arnhold konnte seine Sammlung über die Wirtschaftskrise retten; in alle Welt verstreut wurde sie erst nach 1933.
Arnholds besonderes Engagement galt der Förderung junger Talente. 1911 stiftete er die Deutsche Akademie Villa Massimo in Rom als Aufenthaltsort für die mit dem „Rompreis“ der Preußischen Akademie der Künste ausgezeichneten Stipendiaten. Im selben Jahr wurde Arnhold zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt. Die Leitung der Villa Massimo übernahm 1927 der mit Arnholds Enkelin verheiratete Herbert Gericke. Schon Jahre vor dem Machtantritt der Nazis hetzten antisemitische Kreise gegen die „jüdische Leitung“ der Villa Massimo. 1938 wurde Herbert Gericke abgesetzt. Nach dem Krieg übernahm er 1958 die Leitung des wiedereröffneten Hauses.
Auch Johanna Arnhold, eine geborene Arnthal aus Hamburg, war eine aktive Mäzenin und Spenderin. Sie war Mitglied im „Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin“, in dessen Vorstand sie von 1911-1916 saß, und förderte als Sammlerin und Auftraggeberin vor allem weibliche Kunst. Sie besaß Werke von Künstlerinnen des Vereins wie Julie Wolfthorn, Käthe Kollwitz und Sella Hasse. 1914 wurde während der „Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“ in Leipzig eine Auswahl aus ihrer Sammlung präsentiert.
Johanna Arnholds besonderes Engagement galt bedürftigen Mädchen und jungen Frauen. 1907 gründete sie anlässlich ihrer Silberhochzeit das „Johanna-Heim“ in der Nähe von Werneuchen/Oberbarnim. Hier erhielten mittellose Mädchen eine Berufsausbildung. Schneiderinnen, Buchhalterinnen und Säuglingsschwestern gingen aus diesem Landerziehungsheim ebenso hervor wie Lehrerinnen und junge Frauen, die ein Hochschulstudium aufnahmen. Die Absolventinnen des „Johanna-Heims“ wurden wegen ihrer Qualifikation sehr geschätzt.
Ein Jahr nach dem Tode ihres Mannes gründete Johanna Arnhold den „Eduard Arnhold-Hilfsfonds für Künstler“, der vor allen Dingen Schriftsteller unterstützen sollte. Noch wenige Wochen vor Ende des Krieges betrieb der „Regierungspräsident der Reichshauptstadt“ Satzungsänderungen, um den Namen des jüdischen Stifters aus dem Titel des Hilfsfonds zu tilgen.
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Update: 14.07.2011 |
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