Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Villa Marlier, Fotoalbum Marlier 1916

 

Villa Marlier, Fotoalbum Marlier 1916

 

Villa Marlier, Fotoalbum Marlier 1916

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Architekt Paul Baumgarten

 

     Der in Schwedt geborene Paul Baumgarten (1873-1946(?)) arbeitete nach seiner Ausbildung zum Architekten zunächst im Atelier des Stadtbaurats Alfred Hoffmann, ab 1901 im Büro von Alfred Messel. Nach dessen Tod galt Baumgarten als inoffizieller Nachfolger des Stararchitekten.

 

     Max Liebermann folgte dem Beispiel seines Nachbarn Johann Hamspohn und beauftragte Baumgarten 1909 mit der Planung seines Landhauses in Wannsee. Baumgarten erhielt auch Aufträge für größere Bauten, z. B. für die Badeanstalt in Potsdam oder ein Hotel und Kurhaus in Bad Eilsen. 1911 heiratete er Eva Tuaillon, die Tochter des Bildhauers Louis Tuaillon, für den er ein Jahr zuvor ein Haus im Villenvorort Grunewald errichtet hatte.

 

     1914/15 entwarf der renommierte Architekt für den Fabrikanten Ernst Marlier ein Ensemble von Haus und parkähnlichem Garten in Anlehnung an die Palastarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts. Es ist heute das wohl bekannteste Gebäude Baumgartens, die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“. Die Landhausanlage für Marlier gilt als die luxuriöseste des Architekten. Die üppige Ausstattung lässt auf das ausgeprägte Repräsentationsbedürfnis des Bauherren schließen. Er verlangte von Baumgarten die Einbindung originaler oder kopierter Kunstgegenstände in die Innenräume. Die Basen und Kapitelle der Säulen im Wintergarten, die Marmorkamine in der Halle und im Salon sowie Brunnen und Wandrelief im Wintergarten sind Beispiele dafür. Die Raumfolge, als Enfilade angelegt, gehörte zum bevorzugten Repertoire der auf Repräsentation bedachten, traditionalistisch eingestellten Architekten der Kaiserzeit. Die Aufreihung der einzelnen Räume auf einer Achse orientierte sich an älteren französischen und italienischen Grundrissen. Die Durchsicht durch die Türen wird bis hinaus ins Freie fortgeführt. Der runde Erker auf der einen und der Wintergarten auf der anderen Seite bilden die Endpunkte dieser Achse. Über Terrasse und Freitreppe gelangt man in den von Baumgarten angelegten Garten und die angrenzende Parklandschaft.

 

     1935 wurde die NS-Führung durch seine Umbauarbeiten am Deutschen Opernhaus in der Bismarckstraße auf Baumgarten aufmerksam. Goebbels erteilte ihm den Auftrag, das Grenzlandtheater in Saarbrücken zu bauen, das als Dank Hitlers für das Abstimmungsergebnis vom 13. Januar.1935, das zur Wiedereingliederung des Saarlandes in das deutsche Reich geführt hatte, gedacht war. Baumgarten ging seitdem der Ruf nach, Hitlers Theaterbaumeister zu sein. Er wurde auch mit Umbauten am Schillertheater, am Admiralspalast, am Weimarer Nationaltheater und am Augsburger Stadttheater beauftragt. In allen Gebäuden wurde eine „Führerloge“ errichtet.

 

     In Berlin gestaltete er 1937 das Verwaltungsgebäude der Luftfahrt-Industrie. 1939 gestaltete er das Berliner Schloß Bellevue zum „Gästehaus des Deutschen Reiches“ um und wirkte 1938/39 beim Bau der neuen Reichskanzlei und der Dienstwohnung von Propagandaminister Goebbels mit. Auch an den monumentalen Bauarbeiten in der „Führerstadt“ Linz sollte Baumgarten beteiligt werden. Für Hitlers Geburtsstadt Braunau/Inn sollte er ein Theater bauen. Durch den Krieg wurden diese Pläne nicht mehr verwirklicht.

 

     Baumgarten gehörte neben Speer, Bestelmeyer, Fischer und Gall zu den bevorzugten Architekten Hitlers. Er saß seit 1935 im „Reichskultursenat“, trat aber erst im März 1940 in die NSDAP ein. Nach dem Krieg bemühte sich der 73jährige um politische Rehabilitation und beteuerte, er habe sich nie politisch betätigt und nie auf Grund seiner künstlerischen Tätigkeit ein Parteiamt übernommen.

 

 


 

update: 14.07.2011