Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Villa Becker, Entwurfszeichnung Gartenseite

Villa Becker, Entwurfszeichnung Gartenseite

 

Carl Becker (1820-1900) 
Carl Becker (1820-1900)

 

Die Villa Carl Becker in der Conradstraße 13

 

     1880 entschloss sich der Maler Carl Becker (1820-1900), von den Architekten Ende und Böckmann in der „Conradstraße 13“ eine Villa im florentinischen Stil erbauen zu lassen. Der Präsident der Königlichen Akademie der Künste vertrat die alte akademische Maltradition und war ein entschiedener Gegner Max Liebermanns.

 

     Nach dem Tode des Malers erwarb der Bankier Georg Meyer das Anwesen, das er 1920 an den Diplomaten Richard Meyer (1884-1956) verkaufte. Dieser war seit 1913 im Auswärtigen Amt tätig und nahm 1919 an den Friedensverhandlungen in Versailles teil. In der Weimarer Republik war er u. a. Leiter der Abteilung für Fragen des Nahen Ostens. Ende 1935 wurde er aus rassischen Gründen entlassen und emigrierte später.

 

     Der verarmt in Schweden lebende Richard Meyer versuchte von dort aus, seinen Besitz in der Conradstraße zu angemessenen Konditionen zu verkaufen. Für ihn verwandte sich 1940 der Landrat a. D. des Kreises Teltow, Dr. vom Schembarz. Er legte im Namen des Verkäufers Beschwerde bei den NS-Behörden ein. Er wies auf die starke wirtschaftliche Schädigung des Diplomaten hin, der sich im Ausland befände und sich „anerkannter Dienste um Deutschland erfreuen“ könne. Meyers Fürsprecher hob hervor, dass der Diplomat im „Dritten Reich“ drei Jahre „in einer der verantwortungsvollsten, arbeitsreichsten und hervorragendsten Stellen gewirkt“ habe. Darüber hinaus sei er im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz und nach Kriegsende mit dem Schlesischen Adlerorden I. Klasse ausgezeichnet worden. Der Landrat betonte, dass die Last des Hauses für den mittellos gewordenen Gesandten untragbar sei.

 

     Die Beschwerde wurde von der Preisbildungsstelle beim Stadtpräsidenten Berlins am 29. Juli 1941 „auf Grund des § 19 der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3.12.38“ als unbegründet abgewiesen. Auch weitere Versuche, über die Gauleitung der NSDAP und Reichswirtschaftsminister Walter Funk im Sinne Meyers eine Entscheidung herbeizuführen, blieben erfolglos.

 

     Das Haus in der „Conradstraße 13“ wurde in den 80er Jahren renoviert und ist das letzte erhaltene Gebäude auf dem ehemaligen „Quistorpschen Dreieck“ - Conradstraße, Kaiserstraße und Straße zum Löwen.

 

 


 

update: 14.07.2011