Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Max Liebermann mit Enkelin Maria, 1922

Max Liebermann mit Enkelin Maria, 1922

 

Portrait Martha Liebermann, 1930

Portrait Martha Liebermann,

Max Liebermann 1930

 

Die Familie Liebermann in der Kolonie Alsen

 

     Als Max und Martha Liebermann (1858? – 1943) das Grundstück in der Grossen Seestrasse, heute Am Grossen Wannsee 42, erwarben, kannten beide die Wannsee-Region schon seit längerer Zeit. Liebermanns Schwester Anna, verheiratet mit ihrem Großcousin Martin Liebermann, bewohnte seit 1885 eine Villa in der Straße zum Löwen 19. Im Jahre 1892 fuhr Martha Liebermann oft zur Schwägerin nach Wannsee hinaus, um bei der Pflege der schwerkranken Schwiegermutter zu helfen. Bei diesen Besuchen wohnte sie im Löwen-Pensionat, das nur 300 Meter von der Villa der Schwägerin entfernt lag. Vermutlich entstand dort das Pastell-Bild von Martha im Liegestuhl.

     Die Tochter von Anna und Martin Liebermann, Gertrud, verheiratet mit dem Bankier Georg Meyer (1855-1934), ließ sich ein eigenes Landhaus direkt neben dem der Eltern in der Straße zum Löwen Nr. 21 bauen. Das Bankhaus Meyer & Co., gegründet 1825, hatte seinen Geschäftssitz in Berlin-Mitte. Georg Meyer war ein begeisterter Segler und Mitglied des großbürgerlichen Vereins am Wannsee. Sein Ölporträt im Vestibül des Vereinshauses des VSAW erinnert noch heute an ihn.

 

     Max und Martha Liebermann hatten eine Tochter, Käthe, geboren 1885. Vor allem das 1917 geborene Enkelkind Maria verbrachte die Sommermonate oft bei den Großeltern in Wannsee. Max hat die Familie, aber vor allem Maria als sein liebstes Sujet in ca. 30 Bildern porträtiert.

 

 

Das Schicksal nach 1933

 

     Martha Liebermann ließ sich nicht von der Tochter bewegen, gemeinsam nach Amerika auszuwandern. Große Teile ihres Besitzes wurden beschlagnahmt oder zwangsweise weit unter Wert zu veräußert. Dazu gehörten auch das Sommerhaus und der Garten in Wannsee einschließlich des gesamten. 1940 ließ der neue Eigentümer, Reichspostminister Ohnesorge, der Witwe 160.000 RM anweisen - auf ein Sperrkonto, an das sie nicht herankam. Der Sommersitz Max und Martha Liebermanns wurde zum Erholungsheim der Deutschen Reichspost umgewidmet. Freunde aus dem Widerstand - Hanna Solf, Graf Bernstorff und der Baron von Uexküll versuchten vergeblich, Martha gegen ein gefordertes Lösegeld freizukaufen, um sie in die Schweiz oder nach Schweden bringen zu können. Am 5. März 1943 nahm sich Martha Liebermann mit Tabletten das Leben, um der bevorstehenden Deportation zu entgehen.

 

     1938 erwarb Frau Camilla Ziese, Gattin des Architekten Arthur Ziese aus Wannsee, die Immobilie der Meyers in der „Strasse zum Löwen“ Nr. 21 und baute die Villa 1941 zum Mehrfamilienhaus um. Das Landhaus der Eltern bzw. Schwiegereltern Anna und Martin Liebermann (Nr.19) wurde von Gertrud Meyer (geb. Liebermann) zwangsweise verkauft (auf der Grundlage des Paragraphen 8 der „Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens“ vom 3. Dezember 1938) und von der Verwaltungsgesellschaft "Baufinanz G.m.b.H." für nur 79.000 Reichsmark weit unter Wert erworben. Vermutlich nutzte dann im Krieg die Deutsche Wehrmacht das Gebäude. 1952 erhielten die Liebermannschen Erben die Immobilie zurück. Der Italiener Saibene pachtete das Liebermann-Haus in der Straße zum Löwen Nr. 19 und betrieb für mehrere Jahre ein Café-Restaurant. 1969 ließ die Wohnungsbaugesellschaft Gagfah als neuer Eigentümer die Villa abreißen, um zehn Reihenhäuser in der Straße zum Löwen, Ecke Kaiserstraße zu bauen.

 

     Dieser Zweig der Familie Liebermann-Meyer, der noch zu Kriegsbeginn in der Straße zum Löwen ansässig war, fiel dem rassistischen Mordprogramm zum Opfer: Gertrud Meyer, Tochter von Anna und Martin Liebermann, Witwe des Bankiers Georg Meyer, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort im Alter von 77 Jahren. Die Enkelkinder Rudolf Meyer, Marie Meyer und Ellen Meyer, eine Malerin wie ihr Großonkel Max Liebermann, wurden deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet.

Weitere Verwandte des Malers Max Liebermann, Prof. Dr. Siegfried Ruhemann und dessen Frau, eine geborene Liebermann, emigrierten 1939 nach England.

 

 

 

 


 

Update: 20.10.2011