Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Max Liebermann, Portrait Oscar Huldschinsky, 1926

Max Liebermann,
Portrait Oscar Huldschinsky, 1926

 

Villa Huldschinsky, Speisezimmer 1930

Villa Huldschinsky, Speisezimmer 1930

 

Paul Huldschinsky, 1926

Paul Huldschinsky, 1926

 

 

Oscar Huldschinsky – Industrieller und Mäzen

 

     Der aus Breslau stammende jüdische Kaufmann Oscar Huldschinsky (16.11.1846-21.09.1931) hatte im oberschlesischen Kohlebergbau und der Eisenindustrie eine Spitzenstellung inne. Neben den Sosnowicer Röhrenwalzwerken und der Eisenwerke AG gehörten auch die nach ihm benannten Hüttenwerke in Gleiwitz zu seinem Besitz. Er war neben Fritz Friedländer-Fuld der wichtigste Repräsentant der schlesischen Schwerindustrie in Berlin. 1914 wurde sein Vermögen auf 30 Millionen geschätzt.

 

     1890/1891 ließ Oskar Huldschinsky eine Villa auf dem Grundstück in der Friedrich-Karl-Straße 19 (heute: Am Sandwerder 33/35) und 1907/1908 eine kleinere Nebenvilla für seine Kinder errichten. Auf dem Grundstück stand ein Gartenpavillon mit offener Bogenhalle. In der westlichen Grundstücksecke befand sich ein Bootshafen, dessen Dach als Aussichtsterrasse diente. Die Nebenvilla wurde im neobarocken Stil gebaut. Zum Haus gehörte ein Wintergarten mit drei großen Rundbögen, der durch einen Anbau von Alfred Breslauer und Paul Huldschinsky erweitert wurde.

 

     Nachdem Huldschinsky in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, musste er seine Villa am Wannsee verkaufen. 1929/30 erfolgten Umbauten für den neuen Eigentümer, den Bankier Georg Schicht, der in der NS-Zeit nach London emigrierte. Am 10. April 1942 wurde das gesamte Grundstück durch einen Kaufvertrag dem Reich übertragen und von der Reichsforstverwaltung genutzt.

 

     Nachdem das Hauptgebäude in Tiergarten ausgebombt war, bezog der italienische Botschafter die Villa. Am 19. Juni 1948 fanden sich dort etwa 50 Prominente, unter ihnen Ernst Reuter und Edwin Redslob, zusammen, um erste Schritte zur Gründung der Freien Universität Berlin zu besprechen. Von 1954 bis 1995 wurde die Villa als Krankenhaus genutzt. Die Nebenvilla wird zur Zeit unter denkmalpflegerischen Aspekten instand gesetzt, das Hauptgebäude fand 1999 einen Käufer.

 

     Sein enormer Reichtum ermöglichte Oscar Huldschinsky den Aufbau einer kostbaren privaten Kunstsammlung, in der Gemälde von Botticelli und Tiepolo ebenso vertreten waren wie Werke von Rembrandt, Frans Hals und Peter Paul Rubens. Huldschinsky war neben James Simon und Arnold von Siemens auch einer der bedeutendsten Mäzene der Jahrhundertwende. Er stiftete den Berliner Museen zahlreiche wertvolle Exponate, so z. B. der Nationalgalerie Edgar Degas‘ Gemälde Unterhaltung und Auguste Rodins berühmte Plastik Der Denker. 1928 musste Huldschinsky Teile seiner Kunstsammlung versteigern lassen.

 

     Nach seinem Tode im Jahre 1931 wurde Oscar Huldschinsky im Erbbegräbnis der Familie auf dem Neuen Friedhof in Wannsee beigesetzt, auf dem – auf seine Initiative hin – Christen wie Juden gleichermaßen bestattet wurden.

 

     Sein Sohn, Paul Huldschinsky (1889-1947), machte sich in der Berliner Gesellschaft der zwanziger Jahre vor allem als Innenarchitekt einen Namen. Er dekorierte Bibliotheken und Räume für Kunstsammler, denen er auf Wunsch sogar die komplette Sammlung inklusive Einrichtung mitlieferte, für die er kostbare Materialien verwendete. Nach der Haftentlassung aus dem KZ Sachsenhausen floh er 1939 in die USA, wo er als Filmarchitekt und Filmausstatter in Hollywood arbeitete.

 

 


 

Update: 14.07.2011