Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

 


Reinhard Höhn (1904-2000)

Reinhard Höhn
(1904-2000)

 

Das Institut für Staatsforschung in der Königstraße 71

 

     Im Mai 1937 zog das Institut für Staatsforschung an der Berliner Universität von der Teutonenstraße in Nikolassee in die Königstraße 71 am Großen Wannsee um. Der Umzug wurde notwendig, weil die Institutsbibliothek durch den gezielten Ankauf von Büchern, die von Emigranten zurückgelassen werden mussten, ständig gewachsen war. Im Haus an der Königstraße standen dem Institut zehn Räume und ein großer Saal zur Verfügung, in dem die Bibliothek untergebracht werden konnte.

 

     Das Institut übernahm Auftragsarbeiten für zentrale Institutionen der NSDAP und des Staates, u. a. für das Reichserziehungsministerium, das Oberkommando der Wehrmacht und das Auswärtige Amt. Im Mittelpunkt der Arbeit standen Untersuchungen zu verwaltungsrechtlichen und -organisatorischen Fragen, die der besseren Beherrschung des deutsch- besetzten „Großraumes“ dienen sollten. Die Arbeit des Instituts galt als kriegswichtig und wurde durch den „Reichsforschungsrat“ bzw. die Deutsche Forschungsgemeinschaft großzügig unterstützt. Mit Kriegsbeginn wurde das Institut, dessen Arbeitsschwerpunkte von da an im Bereich der Besatzungsverwaltung lagen, dem Reichsführer-SS Himmler unterstellt.

 

     Unter der Leitung seines Direktors Reinhard Höhn war das Institut der SS und dem Reichssicherheitshauptamt eng verbunden. Reinhard Höhn (1904-2000) hatte Jura in Kiel, München und Jena studiert und 1934 habilitiert. Im September 1934 wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter des SD und dort bis Kriegsende als „Führer im SD-Hauptamt“, zuletzt im Rang eines SS-Oberführers geführt. Im November 1935 wurde Reinhard Höhn Direktor des Instituts für Staatsforschung. Er war einer der profiliertesten, jüngeren NS-Rechts- und Staatswissenschaftler und betrieb eine selbst für nationalsozialistische Verhältnisse besonders radikale Auflösung rechtsstaatlicher Prinzipien. Von 1941 bis 1943 betreute er die Publikation „Reich – Volksordnung – Lebensraum. Zeitschrift für völkische Verfassung und Verwaltung“. Zum Herausgeberkreis gehörten neben Höhn vier Spitzenbeamte, die alle mit Fragen der Herrschaftssicherung in den von Deutschland besetzten Gebieten befasst waren. Zwei der Mitherausgeber nahmen am 20. Januar 1942 an der „Wannsee-Konferenz“ teil: der Staatssekretär im Innenministerium und SS-Obergruppenführer Wilhelm Stuckart, mit dem Höhn persönlich befreundet war, und SS-Gruppenführer Gerhard Klopfer, Staatssekretär in der Parteikanzlei.

 

Wilhelm Stuckart (1902-1953)
Wilhelm Stuckart
(1902-1953)
Gerhard Klopfer (1905-1987)
Gerhard Klopfer
(1905-1987)

 

     Während der alliierten Bombenangriffe auf Berlin wurden große Teile der Institutsbibliothek ins Sudetenland ausgelagert. Nachdem im Februar 1945 die Zentrale des Reichssicherheitshauptamtes in der Prinz-Albrecht-Straße weitgehend zerstört wurde, trat Reinhard Höhn einige frei gewordene Räume im Erdgeschoß des Hauses an der Königstraße an das RSHA ab. Nach Kriegsende wurde das Institut für Staatsforschung im Januar 1947 zusammen mit anderen Universitätseinrichtungen abgewickelt.

 

     Reinhard Höhn war im April 1945 aus Berlin geflohen und nach dem Krieg zunächst in Hamburg als Heilpraktiker tätig. Seit 1956 war er Leiter der „Bad Harzburger Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“, der bedeutendsten Managerschule der Bundesrepublik. Mit seinem „Harzburger Modell der Führung im Mitarbeiterverhältnis“ transformierte er seine Konzepte von „Führung“ und „Gemeinschaft“ nach ihrer Anwendung für nationalsozialistische Herrschaftsinteressen ein weiteres Mal. Zu Höhns 95. Geburtstag im Juli 1999 würdigte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Arbeitgeberverbände den Jubilar. In einem Pressenachruf auf den im Mai 2000 verstorbenen „Lehrer für 600.000 Manager“ wurden seine Verdienste als Leiter der „Bad Harzburger Akademie“ gerühmt, seine Tätigkeit für SS und SD fanden darin keine Erwähnung.

 

 


 

Update: 27.07.2011