Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Gustav Langenscheidt

Gustav Langenscheidt

 

 

Landhaus Carl Langenscheidt

Landhaus Carl Langenscheidt, 1952

 

  

                                

 

 

Die Verlegerfamilie Langenscheidt

 

     1856 gründete Gustav Langenscheidt (1832-1895) den berühmten Wörterbuchverlag, bei dem die besten Philologen seiner Zeit arbeiteten. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Carl die Leitung des Unternehmens. 1901 bezog Carl Langenscheidt (1870-1952) mit seiner Familie in der Colomierstraße ein Landhaus, das vom kaiserlichen Bau- und Burgenbaumeister Bodo Ebhardt entworfen worden war. Später tat sich Ebhardt dann als Architekt der NS-Ordensburgen hervor. Die Familie Langenscheidt ist eine der wenigen Familien in der alten Villenkolonie, die ihr Anwesen größtenteils bis heute halten konnten. Haus und Garten stehen unter Denkmalschutz. Das Gelände des heutigen Ruderclubs gehörte zum einstigen Langenscheidtschen Besitz. Es wurde 1952 durch Erbteilung an den Senat verkauft.

 

     Das Ehepaar Carl und Frieda Langenscheidt (1874-1958) geborene Biermann, hatte drei Töchter und einen Sohn. Die Damen Langenscheidt gehörten dem Literarischen Verein in der Colonie Alsen an. Während die Nachbarn Liebermann und Langenscheidt ein eher distanziertes Verhältnis zueinander hatten, pflegte der Verleger gesellschaftlichen Umgang mit den Fabrikanten Nelson Faßbender und Ernst Marlier.

 

     1933 heiratete Ruth Langenscheidt den katholisch getauften Ernst Alex Flechtheim, dessen Vater Julius Flechtheim, als Hochschullehrer das Gesellschafts- und Wirtschaftsrechts der Weimarer Republik maßgeblich mitgestaltet hat. Wie sein Vater schlug auch Ernst Alex Flechtheim die juristische Laufbahn ein. Auf der Grundlage des Gesetzes "Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Deutschland" vom 7. April 1933 wurde beiden Juristen Berufsverbot erteilt, weil sie als "Nichtarier" galten. Das junge Ehepaar verließ Deutschland und versuchte, ein Jahr in Amerika und dann ein halbes Jahr in England Fuß zu fassen, kehrte aber wieder nach Berlin zurück.

 

     Ab 1943 versteckte Ruth Langenscheidt den zehnjährigen, jüdischen Halbwaisen Berti Busch. Sie gewährte zeitweise auch seinem Vater Obdach, der versuchte, die Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Untergrund zu überleben. Herr Busch sorgte dafür, dass Ruth Langenscheidt nach dem Krieg für ihre Zivilcourage ausgezeichnet wurde.

 

     Nach Kriegsende bekleidete Ernst Alex Flechtheim kurzzeitig das Amt des 2. Bürgermeisters von Zehlendorf. Er galt nach Überprüfung durch die Alliierten als politisch unbelastet, wurde jedoch von Soldaten der Roten Armee verschleppt und ist seither verschollen.

 

Carl Langenscheidt (1870-1952)

Frieda Langenscheidt (1874-1958)

Ruth Langenscheidt

Ernst Alex Flechtheim

       Carl Langenscheidt             
       (1870-1952)
   

Frieda Langenscheidt, um 1900

Foto: Ruth Langenscheidt

Foto: Ernst Alex Flechtheim

 

 

 


 

Update: 19.07.2011