Haus der Wannsee-Konferenz
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Selbstportrait Max Liebermann, 1928
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Der Maler Max Liebermann (1847-1935)
Der Maler Max Liebermann (1847-1935) ist der heute wohl bekannteste frühere Anwohner der Colonie Alsen. Mit seinem Übergang vom naturalistischen zum impressionistischen Malstil in den 1890er Jahren stand er in Deutschland im Zentrum der Debatte um die Moderne. Als Mitbegründer und langjähriger Präsident der „Secession“ erstritt er den gesellschaftlichen Durchbruch in der Wertschätzung neuer Malerei. Als überzeugter Demokrat und Präsident der Berliner Akademie der Künste von 1920 bis 1932 wurde er zum international geachteten Repräsentanten der liberalen Kunstpolitik der ersten deutschen Republik. Durch seinen Witz und seine Schlagfertigkeit war er im Berliner Publikum sehr beliebt. Im Gegensatz zu dieser Sichtweise attackierten die Deutsch-Nationalen und die Völkischen in ihrer Kunstkritik und politischen Propaganda Max Liebermann als Juden, als Vertreter der angeblich undeutschen Moderne und als Repräsentanten der verhassten Republik.
Max Liebermanns zahlreiche Wannsee-Bilder haben nicht nur seinen eigenen Garten und die Anwesen von Nachbarn und Freunden zum Gegenstand, sondern überliefern uns die gesamte Region in ihrer historischen Blütezeit als beliebtes Ausflugsziel der Berliner. Liebermanns Sommerhaus und die Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ liegen nur fünf Minuten Fußweg voneinander entfernt. Beide Villen sind von gleichen Architekten entworfen worden und symbolisieren - weit über diese formalen Zusammenhänge hinausweisend – in ihren jeweiligen Geschichten den Höhepunkt und das gewaltsame Ende der deutsch-jüdischen ‚Symbiose‘. Eine Umwidmung auch des derzeit noch von Tauchsportlern genutzten Liebermann-Anwesens zu einer Gedenkstätte für den Maler und für das jüdische Bürgertum würde in einzigartiger Weise die Auseinandersetzung mit den positiven Erfahrungen und der Tragik in den deutsch-jüdischer Beziehungen an zwei direkt aufeinander bezogenen, originalen historischen Orten ermöglichen.
Max Liebermann stand Jahrzehnte im Kreuzfeuer der völkischen Propaganda. Er machte sich keine Illusionen über den Antisemitismus und den Charakter der NS-Bewegung, glaubte aber wohl dennoch an den Sieg der Vernunft. Unbeirrte bestand er auf seiner Identität als Berliner, Preuße und deutscher Jude: „Mit Professor Einstein habe ich oft über die Judenfrage gesprochen. Ich habe es mein Leben lang so gehalten, daß ich immer zuerst gefragt hab‘: Was ist das für ein Mensch? Niemals danach, ob einer Jude, Christ oder Heide war. Ich bin als Jude geboren und werde als Jude sterben.“
Erst nach beschämenden Zugeständnissen an die antisemitische Stimmung konnte sich endlich 1927 der Magistrat aufraffen, Max Liebermann zum Ehrenbürger Berlins zu ernennen. Die Tatsache, dass sich Staatspräsident von Hindenburg - eine Ikone der Deutsch-Nationalen - ausgerechnet von Max Liebermann porträtieren ließ, führte zu wüsten Angriffen: "Neulich hat ein Hitler-Blatt geschrieben, es wäre unerhört, dass ein Jude den Reichspräsidenten Hindenburg malt. Über so etwas kann ich nur lachen, und ich bin überzeugt, Hindenburg lacht auch darüber. Ich bin doch nur ein Maler; was hat die Malerei mit dem Judentum zu tun?“
Die Mitgliedschaft und das Amt des Ehrenpräsidenten der Preußischen Akademie der Künste legte Max Liebermann 1933 nieder, um seinem Ausschluss aus der Akademie zuvorzukommen. Es wurde nun sehr still um ihn. Viele alte Freunde waren inzwischen verstorben, andere wollten jetzt nicht mehr Freunde "des Juden" Max Liebermann sein und blieben dem einst so beliebten gesellschaftlichen Treffpunkt in seinem Haus fern. Im Sommer 1933 malte er ein letztes Mal die Blumenterrasse in Wannsee; im selben Jahr nahm er das Amt des Ehrenpräsidenten des „Kulturbundes der deutschen Juden“ an, eine Selbsthilfe der nun von der NS-Reichskulturkammer ausgeschlossenen jüdischen Künstler. Max Liebermanns letztes Selbstportrait zeigt ihn müde und resigniert. Seine Stimmung drückte er in einem Brief vom 28. Juni 1933 an den Bürgermeister von Tel Aviv Meir Ditzengoff aus. „Wie ein furchtbarer Alptraum lastet die Aufhebung der Gleichberechtigung auf uns allen, besonders auf den Juden, die wie ich sich dem Traum der Assimilation hingegeben haben. Doch lege ich die Hände nicht in den Schoß und wäre es nur, damit die Arbeit mir über die Zeit, die ich noch zu leben habe, hinweg hilft.“
Am 8. Februar 1935 starb Max Liebermann in seinem Elternhaus am Pariser Platz und wurde drei Tage später auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee beigesetzt. Dem Sarg des bewunderten, einstigen Repräsentanten moderner deutscher Malerei folgten von den alten Freunden nur Käthe Kollwitz und Professor Ferdinand Sauerbruch, sein Nachbar und Arzt in Wannsee.
► Sommerresidenz und Garten in Berlin-Wannsee
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Update: 19.07.2011 |
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