Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Else und Franz Oppenheim, etwa 1892

Else und Franz Oppenheim, etwa 1892

 

Franz und Margarete Oppenheim, um 1925

Franz und Margarete Oppenheim,
um 1925

 

Villa Oppenheim, "Der Grosse Messel", 1906

Villa Oppenheim, „Der große Messel“, 1906,
Foto: Privatbesitz

 

Villa Oppenheim, 1945

Villa Oppenheim, 1945

 

Villa Oppenheim, 1945

Villa Oppenheim, 1945

 

 

Die Familie Oppenheim

 

     1886 errichtete der renommierte Kirchenbaumeister Johannes Otzen für den Chemiker Franz Oppenheim in der Friedrich-Karl-Straße 24 (heute: Am Sandwerder 17/19) eine Villa im neogotischen Stil, die im Volksmund als „Mäuseburg“ verspottet wurde. Oppenheim bewohnte die Villa mit seiner Frau Else, einer Tochter des Kohlemagnaten Caesar Wollheim und seinen beiden Kindern, Martha und Kurt.

 

     Als Else Oppenheim 1904 starb, verkaufte Franz Oppenheim die Villa an den Bankier Siegfried Samuel, dessen Frau bis 1926 dort wohnte. Der nächste Besitzer war der Dresdener Bankier Hans Arnhold, der größere Umbauten am Gebäude vornehmen ließ. 1936 emigrierte er mit seiner Familie in die USA. Drei Jahre später wurde das Gebäude Amtssitz von Reichswirtschaftsminister Walther Funk, der die Villa erneut umbauen ließ. Nach 1945 wurde das Gebäude als „Recreation Center“ von den amerikanischen Alliierten genutzt.

 

     Franz Oppenheim (1852-1929) war Sohn eines Stadtgerichtsrats, seine Mutter war eine Urenkelin des Philosophen Moses Mendelssohn. Nach dem Chemiestudium trat er 1880 in die Rummelsburger Zwischenproduktefabrik der Agfa ein, wo er bis zum Generaldirektor aufstieg. Das Unternehmen hatte bald große Erfolge bei der Herstellung von pharmazeutischen Produkten und Fotofilmen. 1909 entstand in Wolfen die größte Filmfabrik des Kontinents. Franz Oppenheim war maßgeblich an der Fusion der Agfa mit BASF, Bayer, Hoechst u.a. zur IG Farbenindustrie AG beteiligt.

 

     1907 heiratete er die Witwe Margarete Reichenheim und ließ sich Am Großen Wannsee 43-45 von dem berühmten Architekten Alfred Messel ein Landhaus mit Gärtner-, Pförtner-, und Treibhaus erbauen, den so genannten „Großen Messel“. Auf dem Grundstück Am Großen Wannsee 46 befand sich der Obst- und Gemüsegarten, Zum Heckeshorn 38 das Garagen- und Stallgebäude.

 

     Der Gartenarchitekt Willy Lange legte den Rosengarten an, später wurden Paul Baumgarten und Alfred Lichtwark mit der Umgestaltung des Gartens beauftragt. Hinter dem Haus befand sich ein Bocciaplatz, an der Vorderfront war eine weite Rasenfläche angelegt, die von Fliederbüschen eingerahmt wurde. Plastiken des Tierbildhauers August Gaul, unter anderem sein Pinguin-Brunnen, schmückten den weitläufigen Garten.

 

     Margarete Oppenheim baute ab 1904 eine Sammlung moderner Kunst auf, der ihre Familie zunächst verständnislos gegenüberstand. Der Galerist Paul Cassirer hatte sie dazu angeregt, Gemälde von Paul Cézanne zu sammeln, und so wurde Margarete Oppenheim zur wichtigsten Sammlerin des Malers in Deutschland. Sie gehörte auch zu den ersten Sammlern der Werke van Goghs und Manets. Margarete Oppenheim versammelte in Wannsee einen künstlerisch ambitionierten Freundeskreis, zu dem auch Naturwissenschaftler wie Albert Einstein gehörten.

 

     Franz Oppenheim starb 1929 auf einer Ägyptenreise in Kairo und wurde auf dem Neuen Friedhof in Wannsee neben seiner ersten Frau Else bestattet. Margarete Oppenheim starb fünf Jahre später. Der Besitz in Wannsee ging an die Kinder Martha und Kurt, die Deutschland in den 30er Jahren verließen. Die wertvolle Kunstsammlung wurde unter den Erben geteilt, ein großer Teil wurde durch die Galerie Feilchenfeldt in Zürich verkauft.

 

     Kurt Oppenheim (1886-1947) hatte wie sein Vater Chemie studiert und wurde 1914 Vorstandsmitglied der Kriegschemikalien-AG, einer von der Reichsregierung initiierten und von der deutschen chemischen Industrie gegründeten Firma. 1919 übernahm er die kaufmännische Leitung der Agfa. Seit 1926 saß er im Vorstand der IG Farben. Wenige Jahre später geriet sein Geschäftsbereich in die Verlustzone und Kurt Oppenheim wurde 1930 abgelöst. Ein Jahr später ging er in den Ruhestand.

 

     Zwischen 1926 und 1931 lebte Kurt Oppenheim mit seiner Frau Margarete, der Tochter des Direktors des Berliner Hohenzollern-Museums Paul Seidel, und den gemeinsamen drei Kindern in der Nähe seines Vaters in einer Villa am Kleinen Wannsee 14. Das Gebäude war 1914 von den Architekten Breslauer und Salinger errichtet worden. Nach einem Autounfall im Jahr 1931 ging Kurt Oppenheim zur medizinischen Behandlung in die Schweiz und kehrte mit seiner Familie nicht mehr nach Deutschland zurück. Die Villa Am Kleinen Wannsee 14 wurde zunächst vermietet, 1942 wurde das Gebäude von der Gestapo beschlagnahmt. Seit 1951 ist nach Restitutionsverfahren und Verkauf der Verband Berliner Ballspielvereine Eigentümer der Villa.

 

     Nachdem auch die Tochter Franz Oppenheims, Martha von Simson, mit ihrem Mann aus Deutschland emigrieren musste, übernahm der SD das Anwesen der Familie Am Großen Wannsee 43-45 und richtete dort das „Geheime Ostinstitut“ ein. Ab 1940 wurden jüdische Zwangsarbeiter auf dem angrenzenden Grundstück für die SS zwangsverpflichtet und mussten dort Garten- und Feldarbeit verrichten. Gemeinsam mit Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen mussten sie auf dem Gelände der Villa Oppenheim eine Reitbahn für die SS anlegen.

 

     Auch der jüdische Lehrer Jizchak Schwersenz, ein führender Mitarbeiter im zionistischen Pfadfinderbund und der Jugend-Alija, die Kinder und Jugendliche auf ein Leben in Palästina vorbereiten wollte, war mit einer seiner Gruppen in Wannsee tätig. Nach dem Verbot des Unterrichts in der Jugend-Alija-Schule im Spätherbst 1941 gelang es ihm, mit den vom ihm betreuten Jugendlichen in einem gartenbaulichen Umschulungsbetrieb der Reichsvereinigung der deutschen Juden, der so genannten Gartenbauschule Wannsee, auf dem Grundstück der Villa Oppenheim unterzukommen.

 

     In seinen Erinnerungen schreibt Schwersenz: „Während nun in der Villa eine SS-Besatzung hauste, sollte der umliegende Boden, ..., durch jüdische Jugendliche bearbeitet werden. Der Ertrag dieser Arbeit hätte an die SS zu gehen, die Jugendlichen selbst aber sollten dort ungestört arbeiten können.“ Die Betreuer nahmen das Angebot an in der Hoffnung, die Kinder und Jugendlichen auf diese Weise vor anderer Zwangsarbeit zu bewahren. Unter der Aufsicht eines SS-Manns wurden sie in Wannsee für Gartenarbeiten eingesetzt. Die Gruppe bestand bis zum Sommer 1942, als alle jüdischen Schulen geschlossen und Unterricht und Ausbildungsmöglichkeiten für jüdische Kinder und Jugendliche gänzlich verboten wurde. Im August 1942 entzog sich Jizchak Schwersenz der drohenden Deportation und lebte bis zu seiner Flucht in die Schweiz im Februar 1944 im Berliner Untergrund. 1953 wanderte er in Israel ein und arbeitete dort als Lehrer.

 

 


 

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Update: 20.07.2011

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