Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

 

 

Ferdinand Sauerbruch (1875-1951)

Ferdinand Sauerbruch (1875-1951)

 

 

Villa Sauerburch am Wannsee

Villa Sauerbruch

 

Portrait Sauerbruch, Max Liebermann, 1932

Portrait Ferdinand Sauerbruch

Max Liebermann, 1932

 

 

 

 

 

 

Ein prominenter Chirurg – Ferdinand Sauerbruch

 

     1927/28 wurde Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) als Direktor der chirurgischen Klinik an die Berliner Charité und als Ordinarius an die Universität berufen. Er hatte sich als Pionier in der Thoraxchirurgie international hohes Ansehen erworben. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte er sich durch die Entwicklung der „fühlenden Kunsthand“ auf dem Gebiet des Gelenkersatzes nach Amputationen einen Namen gemacht. Der Chirurg genoss im In- und Ausland einen legendären Ruf. Er holte viele prominente Ärzte nach Berlin und machte die Charité zu einem „Mekka der Medizin“.

 

     Margarete Oppenheim machte ihn und seine Frau Ada bei einem Besuch in Wannsee auf ein leer stehendes Haus in der Koblanckstraße 1 aufmerksam. Da sich auf dem Grundstück ein Pferdestall befand und ein Reitplatz angelegt werden konnte, griff Sauerbruch - ein passionierter Reiter - spontan zu. Man konnte den Chirurgen oft hoch zu Ross in den Straßen zu Gesicht bekommen. In seinen Memoiren schildert er, dass er bei seinen Ausritten häufig seinem Nachbarn Max Liebermann begegnete, „...meist im dunkelblauen Anzug, den großen Panama auf dem Kopf, gefolgt von seinem Dackel.“

 

     Als sich Liebermann in hohem Alter einen Leistenbruch zuzog, war Sauerbruch sein behandelnder Arzt. Bei dieser Gelegenheit entstanden die Vorstudien zu Liebermanns berühmtem Porträt des Chirurgen. Sauerbruch war einer der wenigen, die 1935 an der Beerdigung des als Jude verfemten Max Liebermann teilnahmen.

 

     Im November 1933 beteiligte sich Sauerbruch an einem öffentlichen Bekenntnis deutscher Hochschullehrer für Hitler und den nationalsozialistischen Staat. Im folgenden Jahr wurde er von Göring zum Staatsrat ernannt. 1937 nahm er auf dem Reichsparteitag in Nürnberg den von Hitler gestifteten Nationalpreis entgegen - die Antwort der Nazis auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an Carl von Ossietzky.

 

Sauerbruch beim Treffen deutscher Rektoren, Leipzig 11. Nov. 1933
Sauerbruch beim Treffen von Rektoren deutscher
Universitäten am 11. November 1933 in Leipzig

 

 

     Seit Mitte der dreißiger Jahre saß Sauerbruch im Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1937 wurde er in den Reichsforschungsrat berufen, der auch „Forschungsprojekte“ der SS unterstützte, zu denen die Menschenversuche in den KZs gehörten. Sauerbruch - 1942 zum Generalarzt des Heeres ernannt - war im selben Jahr für die Bewilligung der Mittel für Senfgasversuche an Häftlingen des KZs Natzweiler zuständig. Auf der anderen Seite protestierte er gegen das Euthanasie-Programm und unterhielt Kontakte zu Gegnern des Regimes. Er gehörte der „Mittwochs-Gesellschaft“ an, die sich öfter in seinem Haus in Wannsee traf. Einige aus dieser Runde zählten zum Kreis der Verschwörer des 20. Juli 1944 und wurden hingerichtet. Sauerbruch wurde wegen seiner Kontakte zu den Verschwörern mehrmals von SD-Chef Ernst Kaltenbrunner vernommen. Er entging der Verhaftung dank seiner guten Beziehungen zu Heinrich Himmlers Leibarzt, Karl Gebhardt, der in Nürnberg verurteilt und hingerichtet wurde.

 

     Nach Kriegsende konnte Sauerbruch seine Tätigkeit an der Charité unangefochten fortsetzen, schied aber 1949 nach Auseinandersetzungen mit dem Volksbildungsministerium aus dem Amt. 1950 unternahm der Arzt Dr. Wohlgemuth den vergeblichen Versuch, im Schweden-Pavillon in der Colonie Alsen eine Sauerbruch-Klinik zu gründen. 1951 starb der prominente Chirurg und wurde unter großer Anteilnahme auf dem Neuen Friedhof in Wannsee beigesetzt.

 

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Ferdinand Sauerbuch
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     Nach seiner Scheidung von Ada Sauerbruch hatte diese die Villa in Wannsee behalten. Aufgrund einer testamentarischen Verfügung Ferdinand Sauerbruchs musste sie das Anwesen weit unter Wert veräußern.

 

     Der neue Eigentümer verkaufte gewinnbringend an die Gewerkschaft ÖTV, die die Villa abreißen und ein Bildungszentrum errichten ließ.

 

 

 


 

Update: 20.07.2011