Haus der Wannsee-Konferenz
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Königlich-Preußische Landes-Aufnahme, 1901
Schwanenwerder, Postkarte 1912
Schwanenwerder, 1940
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Die Insel Schwanenwerder
Mitte des 19. Jahrhunderts war die Insel eine weitgehend kahle, mit wenigen Bäumen und Gebüsch bewachsene Fläche, deren prägende Beschaffenheit im alten Namen „Sandwerder“ zum Ausdruck kommt. Im Jahre 1882 erwarb sie der Lampenfabrikant Wilhelm Wessel, der durch die Erfindung des Petroleum-Rundbrenners zu Vermögen gekommen war. Er ließ die Insel in einen anspruchsvollen Landschaftspark verwandeln, das Gelände parzellieren und bot wohlhabenden Käufern Wassergrundstücke zur Bebauung mit Landhäusern an.
Zur Verbindung mit dem Festland wurden eine Brücke und ein Bootshaus mit Landungssteg errichtet. Die Insel selbst wurde durch eine schlingenförmig angelegte Straße erschlossen. Zu den am Wasser gelegenen Villengrundstücken gehörte jeweils ein durch die Inselstraße abgetrenntes Innengrundstück für Wirtschaftsgebäude und Nutzgärten. Auf der Südwestseite wurde eine öffentliche Parkanlage geschaffen. Zwischen den neu gepflanzten Bäumen und Gewächsen wurden ein Tennisplatz und eine Aussichtsplattform angelegt. Der autarken Versorgung diente ein 1889 fertig gestelltes Pumpwerk mit Wasserturm.
1896 wurde für die Insel eine Satzung erlassen, die den Grundstücksinhabern untersagte, Fabriken, Vergnügungslokale oder ähnliche, Ruhestörung verursachende Gewerbe zu etablieren. Selbst eine Dampferanlegestelle wurde untersagt. 1901 genehmigte Kaiser Wilhelm II. offiziell den klangvolleren Namen „Schwanenwerder“, den sich Wessel lange gewünscht hatte. Die Insel präsentierte sich als exklusives, bürgerliches Pendant zur „Pfaueninsel“ und sollte entsprechend illustre Bewohner anlocken. Um die Jahrhundertwende waren allerdings erst drei Villen entstanden, darunter der „Schwanenhof“ in der Inselmitte, in dem die Familie Wessel selbst wohnte, das älteste heute noch erhaltene Gebäude auf Schwanenwerder.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Insel zu einem Refugium für wohlhabende Kaufleute, Industrielle und Bankiers. So ließen sich die Warenhausbesitzer Berthold Israel und Rudolph Karstadt auf der Insel nieder. Bankdirektoren wie Schlitter, Goldschmidt, Salomonsohn und Solmssen ließen sich auf Schwanenwerder ebenso prachtvolle Landsitze errichten wie der Generaldirektor der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei Walter Sobernheim oder der Inhaber der Schokoladenfabrik „Trumpf“, Richard Monheim.
Landhaus Berthold Israel, 1920 Villa Sobernheim, 1920
Nach Krieg und Inflation verschwanden viele angesehene Namen aus den Grundbüchern der Insel. Neue Einwohner Schwanenwerders wurden nun Kriegsgewinnler, neureiche Aufsteiger und stadtbekannte Spekulanten wie etwa der Wettbetrüger Max Klante, der in kürzester Zeit auf den Berliner Rennbahnen ein Vermögen gemacht und es ebenso schnell wieder verloren hatte.
Auch die Brüder Julius und Henry Barmat, die durch Millionenanleihen bei öffentlichen Kreditinstituten einen Konzern mit Niederlassungen in ganz Europa aufgebaut hatten, residierten auf der Insel. Beim Zusammenbruch des Barmat-Konzerns Mitte der zwanziger Jahre wurde ein Korruptionsskandal ungeheuren Ausmaßes öffentlich, der sich zu einer Staatsaffäre ausweitete. Völkisch-nationale Kreise nutzten die jüdische Herkunft mancher Inselbewohner für ihre antisemitische Hetze gegen die „Judenrepublik“ im allgemeinen und die Reichen auf „Barmatwerder“ im besonderen.
Schwanenwerder ab 1933
Im März 1933 hissten Mitglieder eines Zehlendorfer SA-Sturms auf dem Wasserturm der Insel eine Hakenkreuzfahne, um die jüdischen Bewohner zu provozieren. Sowohl einzelne prominente Nationalsozialisten als auch NS-Massenorganisationen strebten auf die Insel. Die jüdischen Besitzer wurden durch Zwangsverkäufe und -versteigerungen ihres Eigentums beraubt. Profiteur dieser „Arisierungen“ war die Nazi-Prominenz, in deren Besitz die Anwesen jetzt übergingen.
Im Krieg blieb die Insel von Zerstörungen zwar weitgehend verschont, doch wurde das Areal nach Kriegsende jahrelang vernachlässigt, so dass viele Gebäude verfielen. Die Villen verursachten hohe Kosten, dass Privatpersonen kaum in der Lage waren, die Unterhaltskosten aufzubringen. Ab Ende der vierziger Jahre wurden Häuser und Grundbesitz in so genannten „Wiedergutmachungsverfahren“ an die rechtmäßigen Besitzer oder ihre Erben zurückgegeben. Diese trennten sich meist durch Verkauf an das Land Berlin von ihren Grundstücken. Etwa 40 Prozent der Insel befanden sich seitdem im Besitz des Landes.
Kinder und Jugendlichen aus den Bezirken Schöneberg, Tempelhof, Steglitz und Neukölln verbrachten seit Ende der vierziger Jahre im Rahmen des Programms „Kinder in Luft und Sonne“ auf den landeseigenen Grundstücken auf Schwanenwerder ihre Sommerferien. Proteste, sogar Klagen der Anwohner, die sich durch die Anwesenheit der Kinder gestört und belästigt fühlten, blieben nicht aus. Ganz im Zeitgeist der fünfziger bis siebziger Jahre wurden viele Villen und Nebengebäude auf der Insel abgerissen und Neubaupläne genehmigt, so daß heute kaum noch etwas an den einst mit noblen Villen durchsetzten Landschaftspark erinnert.
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Update: 20.07.2011 |
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