Haus der Wannsee-Konferenz


 

 

Der Kaiser-Pavillon, um 1880

Der Kaiser-Pavillon, um 1880

 

Kaiser-Pavillon, Postkarte 1942

Kaiser-Pavillon, Postkarte 1942

 

Terrasse des Kaiser-Pavillons, Postkarte 1913

Terrasse des Kaiser-Pavillons, Postkarte 1913

 

Schweden-Pavillon, Postkarte 1921

Schweden-Pavillon, Postkarte 1921

 

Der Schweden-Pavillon, Postkarte 1925

Der Schweden-Pavillon, Postkarte 1925

 

Der Kaiser- und der Schweden-Pavillon

 

     Wilhelm Conrad wollte die Attraktivität der Colonie Alsen durch exklusive Restaurants steigern. Damit entsprach er dem Bedürfnis vieler Bewohner der Kolonie und Wannsee-Touristen, von denen an Feiertagen bis zu 20.000 anreisten.

 

     Beim Besuch der Weltausstellung in Wien 1872/73 entdeckte er den Pavillon der Nationen, weil der österreichische und deutsche Kaiser sowie der russische Zar hier gemeinsam frühstückten. Conrad erwarb das Gebäude und ließ es dorthin versetzen, wo sich heute der Biergarten und das Ausflugslokal "Loretta am Wannsee" befindet, Von den Terrassen des Kaiser-Pavillons konnten die Gäste den herrlichen Ausblick über den großen und den kleinen Wannsee genießen, 1910 wurde der Kaiser-Pavillon durch einen größeren Neubau ersetzt. Durch Kriegsschäden 1945 zur Ruine geworden, nutzten die Berliner ihn als Markthalle im Ost-Westhandel, bis nach dem Mauerbau 1961 die Reste des Gebäudes abgebrochen wurden.

 

     Auch der Schweden-Pavillon war ein Ausstellungsgebäude, das Wilhelm Conrad von der Wiener Weltausstellung 1872/73 nach Wannsee schaffen ließ. Um 1900 wurde das beliebte hölzerne Ausflugslokal in der Großen Seestraße durch ein größeres Gebäude ersetzt. Die Siegerehrung des ersten Autorennens Paris - Berlin am 30.6.1901 feierte man im Schweden-Pavillon mit bengalischem Feuer, Raketen und Leuchtkugeln. Schließlich brannte eine Riesenschrift im bunten Flammenschimmer der französischen Farben blau-weiß-rot: "Hoch unseren Gästen!" Dabei spielte die Musik die "Marseillaise" und im Anschluss daran "Deutschland, Deutschland über alles". Bis in die dreißiger Jahre war der Schweden-Pavillon ein erstklassiges Restaurant, in dem auch Max Liebermann oft verkehrte. Sein 80. Geburtstag wurde hier mit einer großen Feier begangen. Anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Berlin gab die Akademie der Künste am 30. Juni 1927 in dem exklusiven Restaurant einen Empfang für Liebermann mit 120 Teilnehmern.

 

     1940 erwarb das Auswärtige Amt den Schweden-Pavillon. Getarnt als "Rundfunktechnische Versuchsanstalt" installierte man Spezialantennen und errichtete die größte und wichtigste Rundfunkabhöranlage in Deutschland. Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit, der das Hören von Fremdsendern unter Androhung der Todesstrafe verboten war, erfasste der "Sonderdienst Seehaus" ab 1941 Sendungen in 36 Sprachen und beschäftigte etwa 500 Mitarbeiter ("Monitore"), Offiziere und Übersetzer.

 

Bericht eines Monitors (pdf-Datei) Bericht eines "Monitors" vom 25. Januar 1945 (PDF-Datei)

 

     Diese erregten das ständige Misstrauen der Nationalsozialisten, denn zum Ärger besonders von Propagandaminister Goebbels, der mit seinem Stab "Interradio" gleichfalls im Schweden-Pavillon saß, wurden durch die Auslandsinformationen zur Kriegslage die Berichte des Propagandaministeriums als Lügen entlarvt. Daher bemühte man sich um größte Geheimhaltung der dort empfangenen Nachrichten. Besonders zum Kriegsende gewann die Abhöranlage eine wichtige strategische Bedeutung. Mitte April 1945 verließen die Mitarbeiter des "Sonderdienst Seehaus“ und Goebbels' Stab Berlin.

 

     Der Schweden-Pavillon war nach dem Krieg wieder ein Ausflugslokal. 1950 gab es Überlegungen hier eine Sauerbruch-Klinik zu gründen, in der Sauerbruch noch eine Art Ehrenamt bekleiden sollte. Der Arbeiter-Samariter-Bund übernahm 1956 die Immobilie und wandelte sie in ein Heim für chronisch Kranke um. Das Haus, das nach Umbau und Renovierung wieder den Namen Schwedenpavillon erhalten hat, hat heute Wohnungen, Apartments und Ateliers.

 

 


 

Update: 14.07.2011