Haus der Wannsee-Konferenz
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Strandbad Wannsee, Postkarte 1904
Modell des neuen Strandbades 1907
Das Strandbad, Postkarte um 1920
Strandbad Wannsee, Postkarte 1932
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Strandbad Wannsee
Am östlichen Wannsee-Ufer, nahe der Insel Schwanenwerder, erstreckte sich ein herrlicher Badestrand entlang einer Havelbucht, die gesäumt war von Kiefern und deren Sanddüne allmählich zum Ufer hin abflachte. Seit der königlichen Genehmigung zum Baden 1904 erfreute sich diese Stelle zunehmender Beliebtheit, besonders bei der lebensreformerischen Freibadbewegung. Die Vereine für Körperkultur fanden Unterstützung durch liberal und sozialdemokratisch eingestellte Zeitgenossen, während die Konservativen und kirchlichen Vereine gegen den "Sittenverfall" protestierten. Am Ort des "Familien-Freibads" prallten die Welten der kleinbürgerlich-proletarischen Berliner und der Villenbesitzer aufeinander. 1907 meinte "Graf's Finanzchronik", die zahlreichen Gaffer, die als scheinbar indifferente Spaziergänger dem Treiben der Badenden zuschauten, sollten andere Orte für ihre Ausflüge wählen und das Freibad sollte wieder das "Bad der unbelästigten Armen" werden. 1909 bildeten sich zwei Clubs: der "Club fideler Sonnenbrüder" und die "Wannseaten". Später kam der "Arbeiter-Schwimmverband" dazu.
Durch die ständig steigende Besucherzahl sah man sich veranlasst, 1929/30 den Strand von 40.000 qm auf 80.000 qm zu erweitern. Stadtbaurat Martin Wagner und Magistrats-Oberbaurat Richard Ermisch konzipierten eine Stahlskelettkonstruktion mit gelben und weiß verfugten Klinkern. Die Steinbauten des Strandbades gelten als ein herausragendes Beispiel des Baustils der "Neuen Sachlichkeit". Das größte europäische Binnenseebad erhielt vier zweigeschossige Hallen am Steilhang, 430 qm große Flachdächer als Sonnenterasse und für sportliche Aktivitäten, einen zweigeschossigen Wandelgang mit Läden und Kiosken und in der Mitte ein Strandrestaurant. 1930 verzeichnete man einen Besucherrekord mit 1.300.000 Badelustigen. Nicht nur in den so genannten "Roten Hochburgen" der Arbeiterquartiere, sondern auch im Strandbad Wannsee kam es ab 1930 zu politisch motivierten Schlägereien zwischen Nazis, Kommunisten und Sozialdemokraten. Das Parteiabzeichen trug man auf der Badehose.
Nach der Machtübernahme am 30. Januar 1933 wurden führende Sozialdemokraten entlassen. Der Strandbaddirektor Clajus verübte am 18. März 1933 in seinem Büro im Strandbad Selbstmord. Stadtbaurat Wagner emigrierte 1935 in die Türkei.
1935 wurde erstmals ein Schild angebracht, dass Juden das Baden verbot. Zur Olympiade 1936 wurde es auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes wieder entfernt. Ab 1938 galt dann ein gesetzliches Badeverbot für Juden in öffentlichen Schwimmanstalten. Die Nazis betrieben Körperkultur in streng formierten Massen. Unter Kommandos von Sportlehrern wurden zackige gymnastische Übungen im Strandbad durchgeführt. Der "Völkische Beobachter" vermerkte lobend das auf das Signal der Trillerpfeife eines Turnlehrers, unterstützt von einem SS-Mann, sich sofort eine "Kolonne jugendlicher Körper" zum Sport zusammenfand. Während des Zweiten Weltkriegs waren eine Luftwaffenhelferkompanie, dann die Organisation Todt auf dem Gelände untergebracht.
1956 brachte man echten Ostseesand von Timmendorf nach Wannsee. Das Strandbad wurde durch den Erfolgsschlager der jungen Connie Froboess: "Pack 'die Badehose ein " über Berlin hinaus bekannt. In den Nachkriegsjahren waren die Besucherzahlen rückläufig. Erst Anfang der achtziger Jahre, mit der langsam wachsenden Zahl der Arbeitslosen, stiegen sie wieder an. Das Strandbad erhielt wieder den Nimbus des "Lido der Amen“, trotz diverser Kunst- und Feuerwerksspektakel, die inszeniert wurden.
Seit Mitte der neunziger Jahre ist das Strandbad dem zunehmenden baulichen Verfall ausgesetzt, da das Land Berlin keine Mittel für die Instandhaltung und -setzung aufbringen kann. Für die Sanierung des Strandbades wird eine Summe von mindestens 8,5 Millionen Euro benötigt.
Haus der Wannsee-Konferenz und das Strandbad Wannsee im Hintergrund
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Update: 10 Oktober 2004 |
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